Wirbel um Umfahrung: Wartezeit rund 15 Jahre. UMFAHRUNG / Schwerverkehr reißt Wulzeshofener aus dem Schlaf. Doch Umfahrung wird 15 Jahre dauern, sagt der Experte.

Erstellt am 27. September 2011 (00:00)
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Bürgergespräch über die geplante Umfahrung von Wulzeshofen und eventuelle Hochwasserschutz-Maßnahmen: mit Ortsvorsteher Thomas Gruss, Landesstraßenplaner Werner Pracherstorfer, Leiter der Straßenbauabteilung Herbert Svec, Bürgermeister Manfred Fass und Landes-Wasserbauer Thomas Rögner.FRÖSCHL-WENDT
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WULZESHOFEN / Vor rund 40 Jahren wurde rund um Wulzeshofen im Rahmen der Kommassierung ein zehn Meter breiter Steifen für eine eventuelle Umfahrung vorgesehen, wie in fast jeder anderen Weinviertler Gemeinde. Realisiert wurde er nicht, ebenfalls wie in fast jeder Gemeinde.

Aber seit rund zwei Jahren ist das Thema urplötzlich wieder auf dem Tisch. Das große Zitronensäurewerk Jungbunzlauer in Pernhofen und sein ungeheurer Rohstoffbedarf wälzt neben den Autos der vielen Arbeiter zahlreiche Lastkraftwagen durch den Ort, wegen des 24-Stunden-Schicht Betriebs auch nachts. Das reißt den halben Ort aus dem Schlaf.

Zwei Verkehrszählungen hatten einen täglichen Schnitt von rund 3.000 Fahrzeugen, davon 343 Lkw ermittelt. Besonders störend werden die Lastwagen empfunden. Die vier Kurven, vor denen scharf zusammengebremst und dahinter auf die Tube gedrückt wird, verstärken den Lärm, ebenso wie die schadhafte Straße, auf der die leeren Lkw-Anhänger lautstark rumpeln. Wegen des Pernhofner Werksausbaues auf über doppelt so viel Leistung wird es noch schlimmer werden.

Eine Unterschriftenliste, gesammelt von Ortsvorsteher Thomas Gruss mit einer Zustimmung von rund 90 Prozent zeigt, wie ernst es ist: Eine Umfahrung muss her. Dringend.

Bei einer Bürgerversammlung vergangenen Donnerstag im Pfarrsaal kochte die Volksseele über. Ortsvorsteher Gruss hatte zwar zur Beruhigung heiße Würstel, kalte Getränke und die Blasmusik organisiert, doch als der Abteilungsleiter der NÖ Landesstraßenplanung, Werner Pracherstorfer die Aussicht auf eine Umfahrung in rund 15-jährige Entfernung stellte, wurde es laut.

Neben Wulzeshofen gäbe es viele Orte, denen es weit schlechter gehe, sagte Werner Pracherstorfer. Doch weil er von einer Ortschaft neben Wiener Neustadt statt von Poysdorf sprach, zog der Vergleich nicht.

Wulzeshofen sei in einer Reihung und schneller gehe es nun mal nicht. Beschleunigen könnte man so ein Verfahren nur, wenn es eine finanzielle Beteiligung gäbe. Bürgermeister Fass meinte, das könne Laa schon bieten, immerhin würde es die bereits vorgesehen Grundstücke dafür spendieren und er wolle auch politisch intervenieren.

Ob auch die Firma Jungbunzlauer wegen des verursachten Lkw Aufkommens Finanzielles beitragen könne? Da stellte sich deren Vertreter, Winfried Macho taub. Nur weil der Staat pleite sei, könne man nicht für alles aufkommen, meinte er.

Zwischen allen emotionalen Wortmeldungen versuchte Pracherstorfer, den Ablauf einer Umfahrungsplanung zu erklären: von Genehmigungsverfahren, wie Umweltverträglichkeitsprüfung, Begleitstraße, Finanzierung und so weiter.

Zu Straßenplanung gehörten auch Schallschutzmaßnahmen, schließlich hätten in der Zwischenzeit einige Häuser zu nahe an der Umfahrung gebaut und bei mehr als 45 Dezibel sei ein Lärmschutz verpflichtend. Das kostet zusätzlich. Um den Daumen gerechnet betrüge das alles zusammen rund fünf Millionen Euro, sagte Prachterstorfer.

Doch Wulzeshofen habe seine Konkurrenz in der eigenen Gemeinde, meinten einige und fürchten die geplante Laaer Südumfahrung Richtung Hanfthal. Bürgermeister Manfred Fass will nicht unterscheiden. Für ihn gehören beide Straßen zusammen. Gemeinsam sind es rund fünf Kilometer, das ist ein kleines Projekt und er hofft, beides zusammen damit vorreihen zu können.

Nach der Veranstaltung blieb bei einigen Wulzeshofenern ein Rest Misstrauen: Ob der politische Wille für eine Umfahrung überhaupt gegeben sei? Ob es wieder 40 Jahre dauere, bis etwas in Gang komme?