„100 Jahre - 100 Schlager“: Spiele mit dem Musikstil. Elisabeth Heller und Oliver Timpe leben sich mit ihrem Projekt in Wolkersdorf kreativ aus.

Von Christoph Szeker. Erstellt am 19. September 2020 (04:29)
Elisabeth Hellers und Oliver Timpes Bühnenkunst lebt von der Inszenierung, umso mehr freuen sie sich wieder auf Auftritte.
R. Schmetterer

Im März war die große Tournee für dieses Jahr bereits geplant: „Wir saßen im Prinzip im gepackten Tourbus“, erzählt das Sängerpaar Elisabeth Heller und Oliver Timpe – bekannt als „Lady Sunshine und Mister Moon“. Die Freude war umso größer, da Ende des Vorjahres einer ihrer großen Veranstalter in Konkurs ging und die Sänger ihre Tournee somit bereits einmal retten mussten. Die Maßnahmen der Coronakrise machten eineinhalb Jahre Arbeit zunichte.

„An dem Tag war ich noch sehr frustriert“, erinnert sich Timpe an den Tag, an dem der Lockdown verkündet wurde. Doch bereits am nächsten Tag war der Sänger wieder gut gelaunt: Mit neuen Ideen entschlossen sich er und Partnerin Heller, als YouTuber aktiv zu werden. Die beiden Wolkesdorfer haben große Freude am Arrangieren und so haben sie unter dem Titel „100 Jahre - 100 Schlager“ begonnen, Lieder der unterschiedlichsten Genres in verschiedenen Stilrichtungen zu präsentieren.

„Das ist unser Herzensprojekt, damit wir machen können, was wir wollen.“Elisabeth Heller, Künstlerin

Eine zentrale künstlerische Frage bei dem Projekt ist folgende: „Das Lied funktioniert als Swing, wie funktioniert es als Ballade“, erläutert Oliver Timpe. „Du hast mich tausend Mal belogen“ haben die beiden zum Beispiel im Swing der 20er-Jahre aufgenommen. Das Projekt „100 Jahre – 100 Schlager“ arbeitet das Paar in Staffeln ab, sodass sich in jeder Staffel ein Titel eines Jahrzehntes wiederfindet. Zu jeder Staffel gibt es auf Youtube ein Video zu sehen. „Das ist unser Herzensprojekt, damit wir machen können, was wir wollen“, sagt Elisabeth Heller.

Sie und ihr Partner wurden von ihrer Kreativität in mehrfacher Hinsicht ins 20. Jahrhundert geführt: Die Goldenen Zwanziger sind für Timpe das „Schlagerjahrzehnt“ und damit Ausgangspunkt des Kunstprojektes. Musik war damals erstmals einer breiten Masse zugänglich, es war „für mich die Geburtsstunde des Schlagers“, sagt Timpe. Dabei ist mit Schlager ein Kassenschlager gemeint, das Genre ist erst in den 70er-Jahren entstanden.

Für das Lied „Das gibt’s nur einmal“ aus dem Jahr 1931 haben „Lady Sunshine und Mister Moon“ ein amüsantes Video gedreht.
E. Blach

Ebenfalls im 20. Jahrhundert verwurzelt ist der Name des Künstlerpaares „Lady Sunshine und Mister Moon“, dieser stammt nämlich vom gleichnamigen Lied aus dem Film „Mariandls Heimkehr“ ab. „Die Leute über 50 kenn sich bei dem Namen aus“, weiß Sängerin Heller. Sie und Timpe verwenden den Namen seit ihrem ersten Konzert bei einer Silvestergala in Magdeburg: „Wie heißt ihr denn nun“, hat damals der Auftraggeber gefragt, da die beiden noch ohne Künstlername angemeldet waren.

Name, Idee und Musik haben sich bewährt: Das Lied „Spul noch mal zurück“ war im Vorjahr ein Radiohit. Dennoch blicken „Lady Sunshine und Mister Moon“ mit Sehnsucht ihren nächsten Bühnenauftritten entgegen, denn ihre Kunst lebt von der Inszenierung. „Ein lachendes Smiley ersetzt Applaus nicht“, ist sich das Paar sicher. Das Konzert in Stockerau musste allerdings von Oktober auf 21. Mai verschoben werden.