Asylwerber stach Landsmann in Bauch: 2 Jahre Haft. „Es muss sich in dem Kulturkreis herumsprechen, wer auf Menschen einsticht, muss ins Gefängnis“, fällt Richter über Iraker, der auf Landsmann einstach, Urteil mit Signalwirkung.

Von Jutta Hahslinger. Erstellt am 02. Juli 2018 (19:14)
Beharrlich beteuerte der 30-jährige Iraker seine Unschuld: „Ich habe ihm nichts getan und nicht hingestochen.“
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„Ich schwöre bei Gott und dem Leben meiner Mutter, ich habe ihn nicht mit dem Messer gestochen“, beteuert der 30-jährige Asylwerber aus dem Irak vor dem Korneuburger Schöffensenat. Er erzählt, dass er am 28. Februar dieses Jahres mit zwei Landsmännern in seiner Wohnung in Wolkersdorf Domino gespielt habe.

Im Laufe des Abends sei es dann mit einem der Spielpartner, einem Freund (32) von Kindesbeinen an, mit dem er gemeinsam die Flucht angetreten sei, in Streit geraten. Nach gegenseitigen Beschimpfungen sei dieser in die Küche gerannt und mit einem Messer zurückgekehrt. Dem dritten Spielpartner sei es dann gelungen, die aufgeheizte Stimmung zu beruhigen. Der Streit flammte aber kurze Zeit später außerhalb der Wohnung wieder auf: Das Gerangel der beiden Streithähne endete für den 32-Jährigen mit einer Verletzung der Bauchhöhle (Einblutungen) und einer Schnittwunde an der Hüfte.

Richter Rainer Klebermaß zum Angeklagten: „Es war eine Racheaktion. Weil er Sie blutig schlug, sollte er auch bluten.“
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Den handfesten Streit gibt der 30-Jährige zu, er will aber nicht zugestochen haben.

„Ein Zeuge sah, wie das Opfer blutete und sie nach dem Gerangel ein Messer weggeworfen haben. Wollen Sie Ihre leugnende Verantwortung nicht noch einmal überdenken. Ein Geständnis ist ein wichtiger Milderungsgrund“, redet Richter Rainer Klebermaß nach den belastenden Zeugenaussagen dem Angeklagten in das Gewissen. Erfolglos, der 30-Jährige bleibt bei der leugnenden Verantwortung: „Ich habe ihm nichts getan. Er ist wie ein Bruder für mich.“

Staatsanwältin Danile Kainz-Temsch war mit dem Urteil - zwei Jahre Gefängnis - einverstanden.
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„Ich habe ihm verziehen und will, dass er bald nach Hause kommt und nicht ins Gefängnis gehen muss“, sagt das Opfer und muss wie der Angeklagte den harschen Richterkommentar zur Kenntnis nehmen: „Vorerst bleibt er hier in Gewahrsam. Der Senat hat keinerlei Zweifel, dass er zugestochen hat und den Freund verletzen wollte. Es muss sich in diesem Kulturkreis herumsprechen, wer zusticht und einen Menschen verletzt, geht ins Gefängnis.“

Der bislang unbescholtene Iraker wird wegen absichtlich schwerer Körperverletzung zu einer zweijährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Nach Rücksprache mit dem Rechtsbeistand nimmt der 20-Jährige das Urteil an. Rechtskräftig.