Aus Büro wurde Kunstort. Die Wolkersdorfer Kunstschule am Kirchenplatz 9 wurde vom Atelier Diman auf den Weg gebracht.

Von Christoph Szeker. Erstellt am 28. November 2019 (05:52)

Der Boden knarrt als die Zuseher über das alte Parkett am Kirchenplatz 9 gehen, um ihren Platz zu finden. In den Räumlichkeiten des ehemaligen Büros stehen heute Regale voller Kunstwerke, an den Wänden hängen Malereien: Aus der Arbeitsstätte wurde eine Kunstschule, welche letzten Donnerstag ihre Eröffnung feierte. Ihr Wegbereiter ist das Atelier Diman, welches zuvor in der Bezirksbauernkammer Unterkunft fand.

Dass Adila und Hajrudin Diman einmal eine Kunstschule in Wolkersdorf betreuen werden, hätten die beiden Anfang der 90er-Jahre nicht vorhersehen können. Damals lebten sie noch in Bosnien, ehe sie nach ihrer Zwangsemigration in Wolkersdorf ihre neue Heimat fanden. Das multikulturelle Leben, die Leute und die Landschaft haben den Künstlern auf den ersten Blick gefallen. Sie sind damit Teil der über 60 Nationen, welche in Wolkersdorf heute leben.

Adila studierte in Sarajevo an der Akademie der bildenden Künste und später auch Psychologie an der Universität Hull in Großbritannien. Hajrudin studierte Lehramt in Sarajevo und arbeitete damals als Bühnenbildner bei Theaterprojekten in ganz Jugoslawien. Heute ist er unter anderem Leiter der Wolkersdorfer Malakademie.

Dimans starteten 2004 mit offenem Atelier

2004 haben die Dimans ihr offenes Atelier gegründet und seither Kurse und Workshops angeboten. In Wolkersdorf haben sich die Künstler mittlerweile einen Namen gemacht. Zuletzt kuratierten sie etwa eine Ausstellung im Schloss, wobei 27 Wolkersdorfer Künstler ihre Werke präsentierten.

Alexander Kroner (nicht im Bild), Eva Kroner und ihre Schwester Anna Tiefenbacher boten den Zusehern einen besonderen Tanz.
Christoph Szeker

Im Rahmen der Kunstschule wird Adila mit Senioren arbeiten. „Die Arbeit mit Senioren ist für mich ein Raum, wo Vergänglichkeit und Einigkeit aufeinandertreffen“, sagt Adila. Dabei werde eine besondere Energie für die Kreativität und Warmherzigkeit frei. Hajrudin arbeitet mit einer jüngeren Zielgruppe, den Jugendlichen. Seine Herausforderung ist es, in einer Ruhephase die Kreativität seiner Schüler anzuregen, das Handy mit seinen vielen Ablenkungen ist sein Gegenspieler.

Zum Team der Kunstschule gehören außerdem Eva Kroner und Sigrid Rozanek. Kroner hat sich auf Malerei, Grafik, Nadelfilzen und Tanz spezialisiert. Die Kunst möchte sie als Ausgleich zum Strohfeuer-Glück des Konsums vermitteln. Rozanek betreut in der Kunstschule die Kinder ab zweieinhalb Jahren und bringt ihnen den Umgang mit Materialien wie Ton näher. Für sie eine wichtige Erlebnismöglichkeit für die Kinder, da sie heute digital aufwachsen.

Mitwirken werden in der neuen Institution am Kirchenplatz auch der Wolkersdorfer Künstler Manfred Hermann Bauch sowie der Münichsthaler Künstler Christoph Holzeis. Bauch will Exkursionen mit Künstlerkollegen anzubieten, um seine Begeisterung weiterzugeben. Für Bürgermeister Dominic Litzka (Team Wolkersdorf) ist die Kunstschule ein weiteres Highlight für den Bildungsstandort Wolkersdorf. Er wünscht ihrem Team das Glück des vierblättrigen Kleeblattes.