Eine Straße für den „Eisernen Hermann“ zu Lebzeiten

Erstellt am 05. Juni 2022 | 04:28
Lesezeit: 3 Min
Der Gaweinstaler/Wolkersdorfer Hermann Withalm war Vizekanzler und bekam anlässlich der Stadterhebung Wolkersdorfs schon eine Straße gewidmet.
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Seinen Spitznamen „Eiserner Hermann“ soll der Weinviertler ÖVP-Politiker vom Journalisten Kurt Vorhofer wegen seines scharfen Denkens und seiner Unbeirrbarkeit in Grundsatzfragen bekommen haben: Hermann Withalm (1912-2003) war von 1968 bis 1970 Vizekanzler in der ÖVP-Alleinregierung von Josef Klaus.

Hermann Withalm wurde in Gaunersdorf geboren, erst 1917 nannte sich der Ort in Gaweinstal um. Er entstammte der dortigen Mühlenbesitzer-Dynastie, war Enkel des langjährigen Bürgermeisters und Landtagsabgeordneten Ignaz Withalm. Nach seiner Matura am Jesuitengymnasium Kalksburg studierte er Jus an der Uni Wien (Promotion 1935), nach der Gerichts- und Notariatspraxis in Wien, Mistelbach und Poysdorf wurde er 1938 von den Nationalsozialisten entlassen und arbeitete bis 1942 bei den Reichsautobahnen. Nach zwei weiteren Jahren als Substitut in Wien und Wolkersdorf wurde er 1947 Notar in Wolkersdorf.

Politisch leitete er ab 1952 den regionalen Aufbau der ÖVP, 1960 bis 1970 war er Generalsekretär der Volkspartei. Mit Josef Klaus war er maßgeblich an der Reform der Partei beteiligt - gegen den massiven Widerstand der Konservativen um Alfons Gorbach. Ab 1966 wurde er Klubobmann und „kongenialer Gegenspieler“ des SPÖ-Klubobmannes Bruno Pittermann, wie dieser selbst anerkennend attestiert hatte.

Nach der schwarzen Wahlschlappe 1970 und dem Rücktritt Klaus‘ wurde Withalm für zwei Jahre Bundesparteiobmann, nach dem Rückzug aus der Bundespolitik kehrte er wieder als Notar nach Wolkersdorf zurück.

Eigentlich sollte der „Eiserne Hermann“ 1974 als ÖVP-Kandidat bei den Bundespräsidentenwahlen gegen den SPÖ-Herausforderer Rudolf Kirchschläger in den Ring steigen. Die ersten Withalm-Plakate waren schon im Druck, als sich der Parteivorstand kurzfristig doch für einen anderen Kandidaten entschied. Der ging dann gegen den späteren Bundespräsidenten unter.

Für bundesweites Aufsehen sorgte übrigens die Entscheidung Wolkersdorfs, anlässlich der Stadterhebung 1969 dem damaligen Vizekanzler Withalm eine Straße zu widmen. Der damalige Bürgermeister Johann Galler verkündete das Vorhaben bei einer Pressekonferenz: „In den nächsten Tagen wusste ganz Österreich von der Withalmstraße und der Stadterhebung von Wolkersdorf“, erinnert sich Alt-Vizebürgermeister Helmut Wizelsperger. Einige Tage nach der Pressekonferenz fasste der Gemeinderat dann auch den einstimmigen Beschluss dazu.

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