Flüchtlingsquartier vorerst offen. Unterkunft schloss nun doch nicht am 22.12., Helfer rechnen dennoch mit baldigem Aus. Zukunft der Bewohner ungewiss.

Von Mariya Yatsentyuk. Erstellt am 28. Dezember 2017 (05:00)
Mariya Yatsentyuk
Trotz des vorläufigen Weiterbetreibens des Quartiers sind die Helfer sicher, dass es dennoch geschlossen werden wird.

Das Flüchtlingsquartier in Obersdorf in der Hauptstraße 101 hätte das Weihnachtsfest nicht mehr erleben sollen. Für den 22. Dezember war eine Schließung der Unterkunft geplant. 19 Bewohner hätten umgesiedelt werden sollen.

Nur neun Personen hätten bei Privatpersonen in Wolkersdorf einen Platz gefunden. Die restlichen Bewohner wären verlegt worden. Ort unbekannt. Nun wurde die Schließung des Quartiers jedoch abgesagt. Der Obmann für Flüchtlingshilfe Rudolf Rögner und sein Team wissen nicht wieso. Sie wissen aber, dass die Schließung noch erfolgen wird. „Die Schließung wurde nach unserem Wissensstand nur aufgeschoben. Ein Grund dafür wurde uns von der Betreiberfirma Herbert Holy jedoch nicht bekannt gegeben“, erklärt Rögner.

„Wenn Hilfe für Flüchtlinge nicht mehr klappt, geht es mit unserem Humanismus und unserer Solidarität steil bergab.“Rudolf Rögner, Obmann der Flüchtlingshilfe

Seit Herbst 2015 gibt es die Flüchtlingshilfe Wolkersdorf bereits. Der Verein organisiert Veranstaltungen wie Ferienspiele oder Weihnachtsessen, aber auch Spendensammlungen und Geldaushilfen. Rögner selber ist die Hilfe für Geflüchtete ein besonderes Anliegen.

„Dass Flüchtlingen geholfen wird, ist ein elementarer Bestandteil der Menschenrechte und der christlichen Ethik. Wenn das nicht mehr klappt, geht es mit unserem Humanismus und unserer Solidarität steil bergab.“
Mit Ende 2017 wohnen in der Großgemeinde Wolkersdorf insgesamt 82 Flüchtlinge, davon 19 aus dem Quartier in Obersdorf. Wie und ob sich diese Zahlen ändern werden, bleibt jedoch abzuwarten.

Kritik an der Entwicklung in der Asylpolitik äußert Franz Schneider, Obmann der Bewegung Mitmensch, die sich im Raum Mistelbach intensiv um die Betreuung der Asylwerber kümmert: Die Bestrebungen, Privatunterkünfte zu schließen und Flüchtlinge in Großlager zu konzentrieren seien nicht nur einer Integration hinderlich, sondern auch weit teurer. Zudem würden Menschen, die sich vorsichtig in einer Region verwurzeln und Sozialkontakte geknüpft hatten, wieder entwurzelt.