Gemeindegeschichte: Die harte Arbeit der „Ziegelbehm“. Von den Ziegelwerken ist wenig über. Herbert Kraus sammelt das, was blieb.

Von Christoph Szeker. Erstellt am 11. August 2018 (05:00)
zVg
Die Arbeit in den Ziegelwerken war hart. Viele der Arbeiter kamen aus Tschechien, weshalb sie auch „Ziegelbehm“ genannt wurden.

Fast in jeder Ortschaft in der Region hat es sie gegeben: Die Ziegelwerke mit ihren hohen Schornsteinen. Heute ist von ihnen allerdings nichts geblieben, obwohl auch hier einst mehrere standen. Herbert Kraus hat jedoch in der Wolkersdorfer Topothek Material zu dem Thema gesammelt. Zudem hat er im Gemeindekeller in der Kellergasse ein kleines Ziegelmuseum eingerichtet.

Dort liegt auch einer der Ziegel aus Wolkersdorfs ältestem Ziegelwerk: Das Werk der Herrschaft Wolkersdorf befand sich in der Spitalgasse und brannte schon im 17. Jahrhundert Ziegel. Später wurde es von der Gemeinde gekauft, welche ein „MW“ - für Marktgemeinde Wolkersdorf - auf die Ziegel stempelte. Auch der „Ziegelbaron“ Martin Steingassner betrieb in Wolkersdorf ein Ziegelwerk. Er erreichte hier eine Jahresleistung von vier Millionen Stück Ziegeln.

Christoph Szeker
Herbert Kraus mit einem Ziegel der Marktgemeinde Wolkersdorf.

Trotz der vielen Werke wurde von den Ziegeln bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts spärlich Gebrauch gemacht, da sie teuer waren und die Bevölkerung großteils arm. Stattdessen wurden häufig Steine aus der Schlucht zwischen Schleinbach und Ulrichskirchen verwendet.

Besonders schwer hatten es die Arbeiter: „Arbeiter wurden nach der produzierten Menge bezahlt und kamen meistens aus Tschechien. Daher wurden sie auch ‚Ziegelbehm‘ genannt“, erzählt Kraus. Eine Ausgabe der Arbeiter Zeitung aus dem Jahre 1901 schrieb zudem: „Die Arbeitszeit währt vom grauenden Morgen bis spät in die Nacht hinein.“ Die langlebigen Ziegel zeugen noch von dieser Zeit, während die Werke in Wolkersdorf bereits verschwunden sind.