Hackl als Vize unerwünscht. Bürgermeisterin Anna Steindl (ÖVP) will Landtagsabgeordneten Kurt Hackl nur noch als einfachen Gemeinderat. Der verlässt nach 20 Jahren die Gemeindepolitik.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 11. November 2014 (09:22)
NOEN, ÖVP
Das Verhältnis von Bürgermeisterin Anna Steindl und ihrem Vize Kurt Hackl war nie gut, professionelles Verhalten nach außen kaschierte die persönliche Antipathie zwischen den beiden. Jetzt kippt Steindl Hackl aus der Stadtregierung, der zieht sich ganz aus der Gemeindepolitik zurück.

Eigentlich ist es kurios: Wolkersdorfs amtierende Bürgermeisterin Anna Steindl (ÖVP) will den aktiven Landtagsabgeordneten Kurt Hackl, seines Zeichens auch Obmann der Bezirks-Wirtschaftskammer und Aufsichtsratsmitglied bei der Wirtschaftsansiedlungsagentur ecoplus, nicht als Vizebürgermeister haben.

Eigentlich will sie ihn überhaupt nicht als Stadtrat haben. Er könne aber, bitte sehr, einfaches Mitglied im Gemeinderat werden, sagt sie im NÖN-Interview. Was wiederum Kurt Hackl nicht will und somit auf eine Kandidatur verzichtet. Er wird damit nach 20 Jahren in der Kommunalpolitik aus dem Wolkersdorfer Gemeindeparlament ausscheiden.

Hackl: "Brauche mich nicht verstecken!“

„Ich habe mein Amt als Vizebürgermeister voll ausgefüllt, da brauche ich mich nicht verstecken!“, versteht der geschasste Vizebürgermeister Kurt Hackl Steindls Schritt nicht: Derzeit haben viele potenzielle ÖVP-Kandidaten Vier-Augen-Gespräche mit der Bürgermeisterin, in denen geklärt werden soll, wie sie sich ihre politische Zukunft vorstellen.

Kurt Hackl hatte ein Sechs-Augen-Gespräch: Neben Steindl war auch Richard Rötzer, derzeit Ortsvorsteher von Wolkersdorf, Gemeinderat und mutmaßlicher künftiger Vizebürgermeister - wie manche in der ÖVP vermuten - dabei. „Die Bürgermeisterin hat mir gesagt, dass ich nicht ihr Vertrauen genieße. Da hab ich gesagt: Wenn das so ist, dann ziehe ich meine Konsequenzen“, sagt Kurt Hackl: „Dann stehe ich bei der Wahl nicht mehr zur Verfügung!“ Mehr wolle er nicht sagen, um der Partei nicht zu schaden. Politische Schmutzwäsche wolle er keine waschen.

Steindl: "Will Vize, der mehr Zeit für Wolkersdorf hat"

Bei Bürgermeisterin Anna Steindl klingt das anders: „Ich habe ihm einen Platz an wählbarer Stelle angeboten, aber er wollte nicht.“ Hackl habe ihr gesagt, dass er sich zu wenig wertgeschätzt fühle und sie habe ihm erklärt, dass sie gern einen Vize hätte, der mehr Zeit für Wolkersdorf habe. Hackl sei mit seinen vielen Funktionen ohnehin ausgelastet. „Jetzt haben wir eine klare Trennung: Er wird Landtagsabgeordneter sein und in dieser Funktion für die Stadt und die Region arbeiten. Ich kann damit gut leben!“, sagt Steindl.

Wie steht es mit mangelndem Vertrauen? „Wenn ich das haben würde, dann hätte ich schon vor drei Jahren reagieren müssen!“, sagt Steindl. Es habe ja keinen Streit gegeben, ihr Verhältnis sei „professionell“ gewesen.

Professionell bedeutet: Es herrschte Kalter Krieg zwischen Bürgermeisterin und Vize. Auf offiziellen Fotos der Stadtgemeinde war der Vizebürgermeister kaum zu finden, er selbst klagte immer wieder über mangelnden Informationsfluss.

Linzbauer: "Da mache ich nicht mehr mit"

Die Liste, mit der die Steindl-ÖVP in die Wahl am 25. Jänner gehen wird, ist fertig, muss nur noch vom Parteivorstand abgesegnet werden: „Es sind 58 Personen darauf, einige Wechsel wird es geben“, sagt Steindl: „Es kommen einige Junge nach, einige Frauen und einige aus der Wirtschaft.“

Nicht mehr auf der Liste werden beispielsweise Josef Pumberger und Gottfried Rögner sein. Und Hannes Linzbauer: „Ich mache da nicht mehr mit. Die ganze Vorgangsweise in der ÖVP hat mich ziemlich demotiviert!“, kritisiert er den Kurs der Bürgermeisterin. Er und ein paar andere im Gemeinderat hätten wochenlang die Entscheidung kritisiert, dass im sanierten Schloss keine Privatfeiern stattfinden dürfen.

Und dann stünde mal ein böser Artikel in der Zeitung und die Bürgermeisterin kippe meinungsmäßig in die andere Richtung. „Wir wurden einfach nicht ernst genommen“, sagt Linzbauer. Dass Kurt Hackl jetzt das Handtuch werfe, verstehe er: „Steindl wollte ihn ja nach der Wahl 2010 schon nicht mehr als Vizebürgermeister haben.“


Nicht immer unumstritten: Anna Steindl

Anna Steindl, seit 1990 im Gemeinderat, wurde 1995 Stadträtin, 2000 zur Vizebürgermeisterin und am 7. Oktober 2009 Bürgermeisterin von Wolkersdorf.

Nicht alle ihre Entscheidungen wurden von ihrer eigenen Partei mit Begeisterung mitgetragen: So trug sie federführend dazu bei, dass dem Kultursommer Wolkersdorf mit Intendant Christoph Fälbl die finanzielle Unterstützung der Stadt entzogen wurde; ebenso erging es dem ArtEvent. Damals wurde eine Provinzialisierung der Kulturszene kritisiert.

Der Stadtmarketingverein und sein letzter Obmann Kurt Moldaschl kritisierten mangelnde Unterstützung der Zentrumswirtschaft durch das Rathaus. Der Verein löste sich auf, derzeit bildet sich eine neue Gruppe.

Im Gemeindeabfallverband GAUM war sie maßgeblich an der Ablöse von Obmann Alfred Weidlich beteiligt. Streitpunkt: Die Rücklagen des Verbandes sollten in den Gemeindekassen fließen.