Nachbarschaftsstreit um nasse Mauer endet vor Gericht. Ein Wolkersdorfer soll Wand seines Nachbarn unter Wasser setzen.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 13. Mai 2021 (04:55)
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Diese Mauer soll der Nachbar immer wieder unter Wasser setzen, er bestreitet die Vorwürfe.
Michael Pfabigan

Sein Nachbar leitet Wasser zu seiner Hausmauer, davon ist ein Wolkersdorfer felsenfest überzeugt: Das führt nicht nur dazu, dass sich langsam die Mauer zu seinem Nachbarn setzt, sie ist auch feucht, im Hausinneren hat er immer wieder mit Schimmel zu kämpfen. In der Vorwoche sahen sich die beiden Wolkersdorfer einmal mehr vor Gericht:

Vor dem Bezirksgericht Mistelbach wurden sechs Vorfälle der Jahre 2019 und 2020 akribisch aufgearbeitet, in denen der 56-jährige Nachbar und Besitzer eines Rohbaues von seinem Hof aus die Außenmauer seines 62-jährigen Nachbarn unter Wasser gesetzt haben soll.

Zum einen soll der 56-Jährige Regenwasser gezielt mit Rinnen im Boden zur Mauer geleitet, in anderen Fällen mit Schläuchen, die teilweise unter der Grasnabe vergraben waren, der Wand zugeführt haben. Als Beweis legte der 62-Jährige Fotos und Videos von Grabarbeiten seines Nachbarn im Hof, von aus Schläuchen rinnendem Wasser und von Gräben im Nachbarhof vor, die er vom Dach seines Schuppens und dem Dachgeschoß seines Hauses gemacht hatte. Der Nachbar legte seinerseits Videos und Bilder vor – mehrmals versammelten sich Anwälte und Streitparteien beim Tisch von Richter Adolf Wieland zum gemeinsamen Bilder- und Video-schauen.

„Ich habe keine Gräben gezogen, das Wasser läuft von selbst zur Mauer, seit bei Bauarbeiten der Bodenbewuchs abgetragen wurde“, rechtfertigt sich der 56-jährige Nachbar, das Haus seines Nachbarn setze sich, weil da Bodenverdichtungsarbeiten nicht ordnungsgemäß gemacht worden seien. Immer dann, wenn er die Schläuche gesehen habe, sei in seinem sonst trockenen Wasserzählerschacht Wasser eingedrungen, konterte der Nachbar mit der nassen Außenmauer, er sieht da einen direkten Zusammenhang.

Nachbar soll Kanal verstopft haben

Den Kanal im Hof hatte der 56-Jährige schon vor Jahren versiegelt, was zu einer Überschwemmung im Hof führte, die sogar durch die Einfahrt auf die Straße schwappte - und wieder die Hausmauer unter Wasser setzte.

„Da war ich gar nicht daheim“, rechtfertigte sich der Nachbar, zudem habe es an diesem Tag in Wolkersdorf mehrere FF-Einsätze nach dem Starkregen gegeben. „Aber nicht in unserem Bereich Wolkersdorfs“, kontert der geschädigte Nachbar.

Die Verfahrenheit der nachbarschaftlichen Beziehungen brachte ein Zeuge auf den Punkt: „Wir wollten den Rohbau schon mehrmals kaufen, jedes Mal hat das der 56-Jährige mit den Worten ausgeschlagen: Dann kann ich ihm (dem Nachbarn) nichts mehr zu Fleiß machen.“ Sein Fazit: „Schon traurig, irgendwie.“

Das Urteil ergeht schriftlich, im Vorfeld waren beide Seiten zuversichtlich, vom Gericht Recht zu bekommen.