Photovoltaik-Experte Herzog: Potenzial der Sonne nutzen. Vordenker Fritz Herzog erklärt, was mit der Technologie in Wolkersdorf erreicht werden könnte.

Von Christoph Szeker. Erstellt am 20. März 2020 (11:39)
Symbolbild
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Fritz Herzog ist Beauftragter der Stadtgemeinde in Sachen Photovoltaik und Vordenker auf dem Gebiet. Er hat eine Vision für Wolkersdorf in zehn Jahren:
„Viele Bürger werden mit dem Strom vom eigenen Dach emissionsfrei autofahren. Viele werden nicht mehr nur Verbraucher, sondern auch Erzeuger sein. Speicher, vor allem in den Haushalten, werden den Ausgleich über einige Tage bewältigen. Erste Projekte für eine saisonale Speicherung – zentral bei den Energieversorgern in Form von Wasserstoff und grünem Methan – werden folgen“, skizziert Herzog.

„Ich denke, es wird wie beim Wein sein: Wir produzieren vielfach mehr als wir selber verbrauchen.“ Fritz Herzog, Photovoltaik-Experte

Fritz Herzog ist großer Fürsprecher der Photovoltaik und hat die Technologie seit 1998 selbst erprobt.
Ökoenergie

Die Vorstellung fügt sich mit dem Ziel des Landes Niederösterreich, denn dieses beabsichtigt mit seinem „Klima- und Energiefahrplan“ bis 2030 eine Verzehnfachung der Energiemenge, welche mit Photovoltaik-Technologie gewonnen wird. „Eine Verzehnfachung ist möglich, weil noch relativ wenige Häuser und Betriebe PV-Anlagen haben“, sagt Herzog dazu. Gründe dafür lägen etwa in der Effizienzsteigerung der Technologie oder der Erschließung neuer Flächen für die Anlagen.

Die Nutzung von bisher unproduktiven Dachflächen ist natürlich auch ein großer wirtschaftlicher Faktor. Der Wirtschaftspark weist mit seinen großen Hallen beispielsweise viel Potenzial auf. Auch Projekte mit Bürgerbeteiligungs-Option, wie schon bei Windparks üblich, wird es in einigen Gemeinden geben. Zur Erreichung der Vorgabe des Landes werden aber auch Ackerflächen in Photovoltaik-Parks umgewandelt werden müssen. Im Durchschnitt zehn Hektar pro Gemeinde.

Wie viel Energie wird in einer Kleinstadt wie Wolkersdorf künftig aus der Sonnenstrahlung zu gewinnen sein? „Ich denke, es wird wie beim Wein sein, wir produzieren vielfach mehr als wir selber verbrauchen“, sagt Herzog dazu.

"Photovoltaik in kleinen Einheiten sehr günstig"

Netzbetreiber werden im Zuge des Anstiegs dezentraler Stromproduktion natürlich vor neue Herausforderungen gestellt, zumal die Photovoltaik naturgemäß anfällig für Schwankungen ist. Die EVN geht etwa davon aus, zusätzliche Gaskraftwerke in Betrieb nehmen zu müssen, um Schwankungen auszugleichen. Allerdings werden sich, wie von Herzog angedeutet, auch die Möglichkeiten der Stromspeicherung in Haushalten und Ortschaften weiter entwickeln.

Herzog ist jedenfalls überzeugt von der Technologie zur Umwandlung der Sonnenenergie: „Die PV hat den großen Vorteil, dass sie auch in kleinen Einheiten sehr günstig ist und vom Endverbraucher selber erzeugt werden kann“, sagt er und rechnet vor: „Ein PV-Modul (1,6 Quadratmeter) reicht, um jedes Jahr die Strommenge zu erzeugen, die ein E-Auto für 1000 Kilometer benötigt.“ ^

Über die Lebensdauer von 25 Jahren hinweg ließe sich so das Energieäquivalent von 1.500 Litern Treibstoff erzeugen. Auf dem Dach des Hauses seines Vaters hat Herzog 1998 die erste PV-Anlage installiert. „Eine rein ökologische Investition in die Zukunft“, war ihm bewusst. 2011 hat er dann die erste Anlage am eigenen Hausdach in Betrieb genommen. Die Kosten: 3.000 Euro pro Kilowatt, ein Fünftel der Investition von 1998. Jetzt ist aber Schluss, denn „Leider habe ich keinen Platz mehr auf meinem Dach.“