Trinkwasser „kann krebserregend sein!“. Gemeindeärztin Doris Schwarzenberger kritisiert die (zu) hohen Nitratwerte für Trinkwasser, Bürgermeisterin Anna Steindl will Beweise sehen.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 20. Januar 2015 (08:07)
NOEN, Erwin Wodicka

„Unser Trinkwasser ist krebserregend!“ Mit ihrer Wortmeldung in der Kandidatendiskussion zur Gemeinderatswahl sorgte Gemeindeärztin Doris Schwarzenberger für veritable Aufregung in der Gemeindepolitik. Sofort betonten Bürgermeisterin Anna Steindl und Wasserverbandsobmann Richard Rötzer, dass das Wolkersdorfer Trinkwasser in allen Parametern den gesetzlichen Richtlinien entspräche.

Grenzwerte seien zu hoch angesetzt

Und genau das sei das Problem, kritisiert Schwarzenberger: Denn aus ihrer Sicht sind die Grenzwerte zu hoch angesetzt: „50 Milligramm Nitrat im Trinkwasser sind eine Grenze, die für bestimmte Menschen ok ist. Für Kinder und Kranke aber nicht“, weiß die Medizinerin.

NOEN, zVg
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Für Kinder werden von der Weltgesundheitsorganisation weit geringere Grenzwerte empfohlen. Problematisch sieht sie auch im Grundwasser gelöste Pestizide aus der Landwirtschaft, die, samt ihrer Folgesubstanzen, krebserregend wirken könnten.

Trifft alles nicht auf das Wolkersdorfer Trinkwasser zu, sagt der Obmann des Wasserverbandes Wolkersdorf-Pillichsdorf, Richard Rötzer: Der durchschnittliche Nitratwert im Jahr 2014 sei im Ortsnetz Obersdorf bei weniger als 35,6 mg/l gelegen, im Ortsnetz Wolkersdorf sogar bei 28,2 mg/l.

4 Mio. Euro für Umkehrosmose-Anlage 

„Und nach dem Fund von Giften im Grundwasser in Korneuburg, haben wir unser Grundwasser freiwillig auf 600 Parameter untersuchen lassen. Bei keinem Einzigen gab es eine Überschreitung von Grenzwerten!“, hält Rötzer fest.

Der Verband habe in eine Umkehrosmoseanlage investiert, die Umweltgifte und den Nitrat-Gehalt aus dem Wasser filtere, eine Ringleitung soll gewährleisten, dass die bessere Wasserqualität künftig im gesamten Versorgungsgebiet zur Verfügung steht. Gesamtinvestitionsvolumen: knapp 4 Mio. Euro.

NOEN, zVg
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„Ich nehme die Informationen von Dr. Schwarzenberger sehr ernst, es ist für mich halt unverständlich, warum sie diese erst bei einer Wahldiskussion vorgebracht hat“, sagt Bürgermeisterin Anna Steindl: „Ich werde dem Vorgebrachten nachgehen und habe die Gemeindeärztin gebeten, Analysen und Untersuchungen vorzulegen.“

Steindl: „Werde um mehr Fakten bitten“

Das habe sie nicht gekonnt, sondern sich nur auf die Wasseruntersuchungen des Verbandes gestützt: „Dr. Schwarzenberger sind nur die Grenzwerte zu hoch. Auf die haben wir als Gemeinde aber keinen Einfluss!“

Warum erhob sie jetzt ihre Vorwürfe, und warum in einer Diskussionsveranstaltung und nicht gegenüber den zuständigen Stellen? „Hellhörig wurde ich durch ein Flugblatt im Herbst, in dem vor schwankenden Nitratwerten im Trinkwasser gewarnt wurde“, sagt Schwarzenberger.

„Da ich damals als Gemeindeärztin nicht konsultiert wurde, habe ich begonnen, mich selbst in die Thematik einzuarbeiten - auch zum Wohle ihrer Patienten, die ebenfalls immer wieder Fragen zum Trinkwasser hätten. Bei der Diskussion ist das dann spontan hochgekommen!“, sagt Schwarzenberger. Zumal der Gemeindeverband kein Interesse daran habe, das Grundwasser nachhaltig zu sanieren, sagt Schwarzenberger.