Wienerwürze: „Du weißt genau, was du willst“. Überzeugung und Experimente ließen aus Lupinen, Hafer, Wasser und Salz ein Erfolgsprodukt werden.

Von Christoph Szeker. Erstellt am 18. Oktober 2019 (03:45)
Szeker
Der „Genusskoarl“ Karl Severin Traugott feierte seine Betriebserweiterung in der vierten ecocenter-Halle: Gerhard Gschwandtner, Peter Lechner, Kurt Hackl, Karl Severin Traugott und Gerhard Supper.

Lupinen, Hafer, Salz und Wasser, das sind die vier Zutaten der WienerWürze. Sonst kommt nichts in die Würzsoße von Karl Severin Traugott. Der Jungunternehmer hat 2017 im ecoplus Wirtschaftspark seine Firma „Genusskoarl“ gestartet und einen großen Erfolg gelandet. Letzten Donnerstag feierte er die Betriebserweiterung in der neuen vierten Halle des ecocenters.

Beim Betreten des Lagers der neuen Produktionsstätte fallen sofort die zahlreichen mit Kartons bepackten Paletten auf. In der Luft liegt der Geruch von Fermentation – ein Schritt in der Produktion der Würzsoße. Traugott produziert in den neuen Räumlichkeiten jetzt 270.000 Liter WienerWürze jährlich, zuvor lag seine Jahresproduktion noch bei 9.000 Litern.

„Wer mit Qualität anfängt, kann mit Qualität aufhören.“Karl Severin Traugott Gründer „Genusskoarl“

Dem Jungunternehmer ist damit ein großer Wurf gelungen: dm, Merkur und Interspar zählen heute zu seinen Abnehmern. Ein Meilenstein war für den „Genusskoarl“ zudem der Auftritt bei „Zwei Minuten Zwei Millionen“ auf Puls4. Er überzeugte dort und sicherte sich 200.000 Euro für 25,1 Prozent.

Das Fundament des Erfolges liegt in Traugotts Überzeugung und Experimentierfreudigkeit. Während des Studiums der Lebensmitteltechnologie an der BOKU probierte er viel Neues aus. Neben Schnaps und anderen Kreationen entstand bei den Experimenten auch der Vorläufer der WienerWürze. Traugotts Überzeugung – „Ich will das Produkt“ – sorgte dann dafür, dass es nicht bei einem Experiment blieb und sich das Produkt durchsetzte.

Heute ist der Jungunternehmer vor allem den Landwirten, welche ihn beliefern, dankbar: „Wer mit Qualität anfängt, kann mit Qualität aufhören“, sagt er lobend. Seine WienerWürze kann etwa für einen Linsenaufstrich verwendet werden, aber auch ein veganes Bratlfett ist damit schon entstanden.

Doch bevor die Würzsoße aus der Flasche kommt, müssen Lupinen und Hafer erst ihren Geschmack an den Trägerstoff Wasser abgeben. Zu diesem Zweck durchlaufen die Zutaten einen Fermentations- und Reifeprozess. Nach sechs Monaten in Edelstahltanks wird dann gepresst, pasteurisiert und gefiltert. Der anfallende Presskuchen soll künftig in einer Brotmischung Verwendung finden.

Das Ende der Fahnenstange scheint Traugott mit der Betriebserweiterung jedenfalls noch nicht erreicht zu haben.

Bei der Eröffnung der neuen Produktionsstätte stellte ihm ecoplus-Aufsichtsrat Kurt Hackl eine reservierte Fläche für eine zukünftige Erweiterung in Aussicht. „Du weißt genau, was du willst, das macht einen guten Unternehmer aus“, lobte Hackl den Jungunternehmer.