Arzt wandert aus Großharras nach Laa. Eshjarian Yahya-Alvandi wird ab März 15 Stunden in Laa ordinieren, Großharras muss neuen Allgemeinmediziner suchen.

Von Michael Pfabigan. Erstellt am 25. Februar 2021 (04:22)
Kassenarzt Eshjarian Yahya-Alvandi wird in Laa eine Zweitordination einrichten. Was die Sache brisant macht: Bis vor wenigen Jahren hatte er seine Zweitordi in Großharras.
Romana Schüller

„Jetzt ist es fix, ich hab die Zusage schriftlich bekommen“, jubelt Eshjarian Yahya-Alvandi: Er wird als Allgemeinmediziner mit 1. März seine Kassen-Ordination im Stoiberhaus am Laaer Stadtplatz eröffnen. Was der Sache Brisanz verleiht: Der Arzt hatte bis zum Beginn des Umbaues des Gemeindehauses in Großharras dort seine Zweitordination.

Yahya-Alvandi ist seit 20 Jahren praktischer Arzt in Mailberg, jetzt öffnet er eine Zweitordination in der Thermenstadt. Geplant sind wöchentliche Öffnungszeiten von 15 Stunden. „Aber es werden wohl eh mehr werden“, sagt der Arzt. In seiner Mailberger Hauptordination hat er reguläre Öffnungszeiten von 20 Stunden. „Aber ich muss in der Hauptordination mehr Stunden haben“, sagt der Arzt.

„Erst im Dezember bei einem Termin auf der Baustelle hat er mir mitgeteilt, dass er nicht mehr kommt. Das war ein richtiger Tiefschlag für mich!“ Josef Kindler, Bürgermeister Großharras

Beworben um die Kassenstelle in Laa hat sich Yahya-Alvandi übrigens nicht über die Landarztgarantie, sondern normal über Ärztekammer und ÖGK. Die Landarztgarantie wäre zeitlich begrenzt gewesen. „Ich bleibe so lange, wie es am Standort Laa funktioniert“, sagt der neue Kassenarzt.

Einziehen wird er in Ordinationsräumlichkeiten im Stoiber-haus, die der von der Stadtgemeinde verwalteten Herta-Scheiner-Stifung gehören und die auf Gemeindekosten adaptiert wurden: 29.100 Euro war in die medizinische Ausstattung der Ordination investiert worden, 5.000 Euro in die IT-Ausstattung und 10.000 Euro für die Büromöbel. Der neue Kassenarzt zahlt keine Miete, die Gemeinde übernimmt die Kosten für die Reinigung. Selbst finanziert Yahya-Alvandi das EDV-Arzt-Programm und das Ordinationspersonal.

Kindler: „Wir hätten anders entschieden“

„Was mich dabei wirklich am meisten stört, ist, dass er vorher kein Sterbenswort gesagt hat. Denn wenn wir von seinen Überlegungen zu Laa auch gewusst hätten, wären hier bei uns Entscheidungen sicher anders gefallen und wir hätten kein neues Gebäude gekauft“, sagt Großharras‘ Bürgermeister Josef Kindler: Bis vor zwei Jahren hatte Eshjarian Yahya-Alvandi seine Zweitordination im später verkauften Gemeindeamt.

„Laa mache ich persönlich nicht wirklich einen Vorwurf. Klar, dass sich die um einen Arzt bemühen. Bürgermeisterin Brigitte Ribisch hat zu mir gesagt, sie habe gar nicht gewusst, dass der Mailberger Arzt auch in Großharras eine Ordi hat“, sagt Kindler: „Ich will niemandem bewusstes Abwerben unterstellen.“

Fakt ist aber auch, dass die Großharraser keinen neuen Gemeindearzt finden, alle umliegenden Ärzte hätten bislang abgewunken. Kindler hatte auch mit Yahya-Alvandi Kontakt, hatte ihm alle Optionen für neue Ordinationsräumlichkeiten gezeigt: „Erst am 14. Dezember bei einem Termin auf der Baustelle hat er mir dann mitgeteilt, dass er nicht mehr kommt - ohne vorher davon irgendwas zu sagen“, erzählt er: „Das war ein richtiger Tiefschlag für mich.“

„Wir haben es schwer, einen Kassenarzt zu finden, wenn sich schon eine Stadt wie Laa schwertut“, sieht auch SPÖ-Gemeinderat Kurt Dietrich Probleme für seine Gemeinde.