Meilensteine im Bezirk Mödling: Die heikle Finanzwelt

Erstellt am 23. Mai 2022 | 05:47
Lesezeit: 2 Min
August Ségur-Cabanac (1881 bis 1931) wirkte maßgeben an der Umsetzung der Völkerbund-Anleihe mit.
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Heute ist es kaum mehr vorstellbar, dass in der Ersten Republik hyperinflationäre Zustände geherrscht haben. Am Höhepunkt der Krise musste die Republik Österreich auf internationalen Druck hin ihre Notenpressen stilllegen und versiegeln lassen. So geschehen am 18. November 1922 in Form eines feierlichen Aktes, der sich auf einen Staatsvertrag stützte.

Infolge der Genfer Protokolle vom 4. Oktober 1922, die Bundeskanzler Ignaz Seipel (1876 bis 1932) nicht ohne Geschick und Drohungen (mit Anschluss an Deutschland und Souveränitätsverlust entgegen dem Vertrag von St. Germain) herausverhandelt hatte, erhielt Österreich von einigen Völkerbund-Staaten eine Goldkronenanleihe im Nominale von rund 690 Millionen Gold-Kronen. Mitwirkender an dieser Völkerbund-Anleihe war auch ein Mödlinger, August Ségur-Cabanac (1881 bis 1931).

Er stammte aus einer alten französischen Adelsfamilie, besuchte das Theresianum und absolvierte ein Studium der Rechtswissenschaften in Wien.

Bezirkshauptmann, Volksrat, NEWAG-Direktor

Ab 1906 war er Statthaltereibeamter, ab 1914 an der Bezirkshauptmannschaft Mödling, ab 1917 als Beauftragter für das Ernährungswesen in Niederösterreich tätig. Von 1918 bis 1921 wirkte Segur-Cabanac erneut an der Bezirkshauptmannschaft Mödling – als Bezirkshauptmann. Kurze Zeit war er auch im Volksrat, der die Position des Bürgermeisters in Mödling einnahm.

Ségur-Cabanac war von 1919 bis 1924 niederösterreichischer Landtagsabgeordneter, von 1920 bis 1922 Landesrat, 1920 auch kurz Abgeordneter im Nationalrat. Von 31. Mai 1922 bis 14. November 1922 war er auch Finanzminister und in dieser Funktion mitwirkend an eben jener Völkerbund-Anleihe. Später wurde Ségur-Cabanac Direktor der NEWAG ( (Niederösterreichische Elektrizitätswirtschafts-Aktiengesellschaft), Vorgängerin der EVN, und wirkte am Kraftwerksaufbau in Niederösterreich mit.

Der (gleichnamige) Sohn August Ségur-Cabanac kam am 1. Juni 1922 in Mödling auf die Welt. Er war Bundesheer-General und von 1982 bis 1987 Kommandant der 1. Panzergrenadierdivision. Er verstarb 2011 und wurde im Familiengrab am Mödlinger Friedhof beigesetzt.

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