Auf die Erleichterung folgt weiteres Bangen. FALL AMBROSI / Die Staatsanwaltschaft meldete ein Rechtsmittel gegen den Mordversuch-Freispruch von Franz Ambrosi an.

Erstellt am 06. Juni 2012 (00:00)
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VON PETER GRUBER

MÖDLING / Es sind extreme Gefühlswelten, die der Mödlinger Franz Ambrosi derzeit durchlebt: Erleichterung nach dem Freispruch letzten Dienstag, Verunsicherung, nachdem die Staatsanwaltschaft am darauf folgenden Freitag Nichtigkeitsbeschwerde angemeldet hat. Das Urteil wird damit vorerst nicht rechtskräftig – fünf Jahre nach der angeklagten Tat, nach einer Verurteilung, 711 Tagen im Gefängnis, der Wiederaufnahme des Verfahrens und schließlich dem Freispruch geht das Bangen für Ambrosi weiter.

„Kommt mir vor wie  seelische Folter“

„Es kommt mir langsam vor wie seelische Folter“, meint er im NÖN-Gespräch. Wildfremde Menschen hätten ihm noch im Gericht und in den folgenden Tagen gratuliert, ihm gemeinsam mit seinen Freunden Kraft gegeben für den Neuanfang. Für einen Neuanfang, der sich jetzt verzögert. Zumindest noch einige Wochen. Derzeit wird das Urteil schriftlich ausgefertigt, danach hat die Staatsanwaltschaft vier Wochen Zeit, das Rechtsmittel auch tatsächlich auszuführen. „Ich verstehe es nicht, ich bin doch mit 8:0-Stimmen der Geschworenen freigesprochen worden“, meint Ambrosi.

Er hängt so lange in der Luft. Zwar habe er eine Zusage seines ehemaligen Arbeitgebers, in seinen Job als Haustechniker zurückkehren zu können, „solange das Urteil nicht rechtskräftig ist, kann ich aber nur spazieren gehen.“

Anwältin Dr. Karin Prutsch holt indes zum juristischen Gegenschlag aus. Sie hat bei der Staatsanwaltschaft eine Sachverhaltsdarstellung gegen Ambrosis Ex-Frau eingebracht – wegen Verleumdung und versuchten Mordes. „Die Geschworenen sind von einem tätlichen Angriff ihrerseits ausgegangen“, erklärt sie, „also ist es logisch, dass nun gegen sie ermittelt wird. Es  gibt in diesem Fall nur zwei Versionen.“ Die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass man den Fall derzeit prüft.

Außerdem ist geplant, Schadenersatz geltend zu machen, Ansprüche gegen die Republik auf Haftentschädigung wären erst nach Rechtskraft des Freispruchs möglich.