Heimspiel für Lisa Nemec in Mödling. Intendant Bruno Max hat Lisa Nemec unter Vertrag genommen.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 16. Oktober 2020 (05:23)
Lisa Nemec ist zur Zeit im Stadttheater zu sehen, bald auch wieder im Fernsehen.
Robert Newald

Nachzuholen gibt es viel für die 29-jährige Schauspielerin, die der Lockdown in eine kreative Pause zwang, obwohl es viele interessante Projekte gegeben hätte. „Es standen Dreharbeiten für den nächsten ,Landkrimi’ am Programm“, erzählt Nemec, die vor Kurzem nach Mödling gezogen ist. Auch von der Filmakademie hatte sie ein Rollenangebot, doch plötzlich ging gar nichts mehr.

„Es war eine harte Erfahrung, plötzlich ohne Arbeit dazustehen. Wiewohl Schauspielerinnen und Schauspieler damit umgehen lernen müssen, dass sie nicht permanent für ein Stück, sei es auf der Bühne oder vor der Kamera, besetzt werden.“

„Es war eine harte Erfahrung, plötzlich ohne Arbeit dazustehen.“ Lisa Nemec

Sie habe es vergleichsweise gutgehabt, „ich hatte ein Engagement im Landestheater in St. Pölten, wo ich im ,Gestiefelten Kater’ von Simon Windisch gespielt habe“, erzählt Nemec, die jetzt in Mödling im Stadttheater auf die Bretter, die für sie die Welt bedeuten, zurückkehrt. „Ich darf Gast bei Bruno Max sein“, „Der zerbrochene Krug“ in einer Fassung von HC Artmann nach Heinrich von Kleist hatte in der Vorwoche Premiere. „Für mich ist das Stadttheater quasi ums Eck, ich kann mit dem Rad hinfahren.“

Die Vorproben für die Premiere hatten schon Ende Mai begonnen, dann war Sommerpause. Dann habe man drei Monate nicht geprobt, „das hat Vor- und Nachteile. Wenn sich eine Sache setzen und verfestigen kann, dann sieht man das Ganze auch aus einer anderen Perspektive oder erkennt neue Blickwinkel. Das kann einem bei den Proben sehr helfen“, meint Nemec.

Es sei nach wie vor eine gewisse Verunsicherung bei den Menschen zu spüren. Entweder, weil sie fürchten, dass „alles wieder zugesperrt wird, oder, dass doch eine gewisse Verunsicherung da ist, wenn jemand einen Kino- oder Theaterbesuch plant, was Corona betrifft“, erklärt die Schauspielerin. Umso mehr bewundert sie die Arbeit von Bruno Max, „der einer der Ersten war, der wieder mit Theaterproben angefangen hat und sogar das Sommertheater im Bunker durchzog“.

Der rote Haarschopf, ein Markenzeichen Nemec’, fiel schon 2017 in einer Folge von „SOKO Donau“ auf, als sie in der Folge „Lange Schatten“ einen Auftritt als Mitarbeiterin der Wiener Adoptionsbehörde hatte. Und aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Die Dreharbeiten zum Landkrimi „Vier“ beginnen am 28. Oktober in Gars am Kamp.

Ob sie auch vor hat, in Mödling vor der Kamera zu stehen? Nemec muss schmunzeln, die Dreharbeiten zum Film „Jeanny“ mit Manuel Rubey in Mödling sind ihr nicht verborgen geblieben. „Regisseur Gerald Pribek dreht mit mir in der Hauptrolle den Film ‚Im Haus der alten Augustin‘ in einer Arztpraxis in Mödling“, verrät Nemec. „Da haben die Dreharbeiten schon im August begonnen.“

Der Lockdown hatte auch sein Gutes. „Ich habe Sachen gemacht, die ich vorher nicht gemacht habe oder besser gesagt, um die ich mich nicht gekümmert habe. Das betrifft die Selbstvermarktung, ich habe ‚About me‘-Filme gedreht, um mich zu zeigen und möglichst auch für den deutschen Filmmarkt interessant zu werden. Ich habe Gedanken und Ideen in das Filmprojekt ‚Das Haus der alten Augustin‘ eingebracht, und zwar über das Maß hinaus, was sonst für eine Schauspielerin üblich ist. Ich habe mich auch um Fragen der Förderung und um Social Media gekümmert, das war alles Neuland für mich.“

Mödling kennt Nemec schon aus Kindheits- und Jugendtagen, sie empfindet es fast als einen Wink des Schicksals, jetzt hier in der Babenbergerstadt heimisch zu werden, das ist ihrem Verlobten geschuldet, einem Mödlinger.