Ärzte wollen faire Arbeitsbedingungen. Bezirksärztesprecher Peter Fuhrich hofft auf Verbesserungen zugunsten der Allgemeinmediziner.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 09. Mai 2019 (05:55)
JJ
Bezirksärztesprecher Peter Fuhrich, mit seinen Kollegen Caroline Pohl und Oliver Rückert. JJ

Bezirksärztesprecher Peter Fuhrich aus Biedermannsdorf ist mit Leib und Seele Arzt. Doch wie die eigene Standesvertretung, sprich die Ärztekammer, im Moment mit den Ärzten umgeht, vor allem was die Organisation der Wochenendbereitschaftsdienste betrifft, bringt für ihn das Fass zum Überlaufen.

Warum Kassenpraxen unbesetzt bleiben

Er gibt zu bedenken: „Es fragt sich niemand, warum so viele Kassenpraxen nicht nachbesetzt werden können und warum generell junge Mediziner nicht mehr bereit sind, als Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag zu arbeiten.“ Bis vor Kurzem hätten die Kassenärzte ja gedacht, per Gesetz dazu verpflichtet zu sein, die Wochenendbereitschaft von Samstag, sieben Uhr früh bis Montag, sieben Uhr früh übernehmen zu müssen. Ein Gerichtsurteil aufgrund eines klagenden Arztes hat festgestellt, dass dem nicht so ist, auch in Niederösterreich nicht.

Allgemeinmedizinerin Caroline Pohl aus Perchtoldsdorf bringt einen weiteren Aspekt ein: „Man darf nicht vergessen, dass es am Montag in der Früh dann mit dem ganz normalen Ordinationsbetrieb weitergeht. Die finanzielle Abgeltung für die Wochenendbereitschaft ist mit der Bereitschaftspauschale in Höhe von 97 Euro abgedeckt. Und das dafür, dass wir zwölf Stunden erreichbar sein müssen.“

"Wir Ärzte wollen für unsere Patienten da sein"

Deshalb haben viele Ärzte zur Zeit auf Sparflamme geschaltet, was die Erreichbarkeit am Wochenende betrifft. Sieben Ärztesprengel gibt es im Bezirk Mödling, derzeit gibt es für die Mediziner keine gesetzliche Verordnung, am Wochenende Dienst tun zu müssen. Und die Ärzte wollen auch, dass die Freiwilligkeit gewährleistet bleibt, nur unter diesen Rahmenbedingungen sei es möglich, gut zu arbeiten.

Arzt Oliver Rückert aus Baden erklärt: „Wir Ärzte wollen für unsere Patienten da sein, aber zu Rahmenbedingungen und mit einer Honorierung, die fair und angemessen ist.“ Es sei grundsätzlich zu überlegen, wie die medizinische Versorgung am Wochenende zu organisieren sei.

Immerhin gäbe es mit dem Ärztenotruf 141 und dem Notruf 144 des Roten Kreuzes zwei Möglichkeiten, dann medizinisch versorgt zu werden, wenn der Hausarzt nicht verfügbar ist.

Pohl merkt an: „Die Hausärzte werden nicht anerkannt und gering geschätzt. Aber überall dort, wo man statt der Hausärzte Gesundheitszentren zur Patientenversorgung eingerichtet hat, ist der Trend bereits wieder rückläufig, selbst in China.“ Denn selbst dort habe man bereits erkannt: Nur die langfristige Betreuung durch einen Arzt fördert die Arzt-Patientenbeziehung und damit auch die Patientengesundheit.