AMS-Halbjahresbilanz: "Horror" hat noch kein Ende. Coronakrise & Lockdown haben die Wirtschaft schwer getroffen; Zahlen machen’s deutlich.

Von Michelle Schüller und Christoph Dworak. Erstellt am 26. August 2020 (05:45)
Symbolbild
NOEN, www.BilderBox.com (www.BilderBox.com)

Laut der aktuellen Arbeitsmarkt-Zahlen für Niederösterreich ist die Anzahl jener Menschen im Industrieviertel, die auf Jobsuche waren, im ersten Halbjahr im Vergleich zu 2019 um mehr als 28 Prozent gestiegen. Waren im ersten Halbjahr 2019 etwa 21.660 Menschen auf Jobsuche, liegt die Zahl nach Ende der ersten Jahreshälfte 2020 bei etwa 27.750.

Arg gebeutelt wurde und ist auch der Bezirk Mödling mit einem Arbeitslosen-Plus in der Höhe von 32,2 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2019. Seit dem Lockdown hat sich im AMS Mödling „von einem Tag auf den anderen alles fast ausschließlich um das Thema Existenzsicherung gedreht“, erinnert sich Geschäftsstellenleiter Werner Piringer. Erst seit Juni kümmere man sich wieder verstärkt um den „Betreuungs- und Vermittlungsmarkt“. Sein Team habe „hervorragend auf die Situation reagiert“.

Was sehr gut klappe, ist die kontaktfreie Abwicklung der Termine über Telefon oder E-Mail. „Hier ist vor allem das eAMS-Konto sehr von Vorteil“, berichtet Piringer. „Es muss niemand persönlich vorsprechen, außer er wird zu einem Kontrollmeldetermin vorgeladen. Selbst die Arbeitslosmeldung funktioniert telefonisch.“

Quelle: AMS; NÖN-Grafik: Gastegger Illustration: Golden Sikorka /Shutterstock.com

Dass mittlerweile im Bezirk Mödling fast 1.000 Jobs zu haben sind, sei erfreulich, die Aussichten am Arbeitsmarkt aber weniger, glaubt Piringer. „Die Kurzarbeit läuft aus, man wird die Auswirkungen insgesamt erst spüren.“

Echte Krisen-Gewinner sucht man vergebens

Ein Konzern, der von der Corona-Krise profitiert hat, ist die REWE-Gruppe (BILLA, MERKUR, Penny, ADGE, BIPA) mit Sitz in Wiener Neudorf. Wenn auch nicht in gewaltigem Ausmaß, weiß Pressesprecher Paul Pöttschacher. Auf die Vorratskäufe folgten weniger Supermarktbesuche. Und die Kosten hätten sich in diesem Zeitraum „deutlich erhöht. Wir haben zusätzlich rund 2.000 Mitarbeiter beziehungsweise Aushilfskräfte beschäftigt. Unsere Mitarbeiter haben viele bezahlte Sonderschichten geleistet, die Transportkosten haben sich in manchen Produktbereichen aufgrund von Grenzsperren und Wartezeiten erhöht“.

Tibor Felner, Chef des gleichnamigen Perchtoldsdorfer Taxi- und Autobusunternehmens, spricht von „Horror. Alle Busreisen wurden storniert. Der Betrieb ging von 100 auf null. Alle Kunden haben panische Angst vor einer Ansteckung bei einer Busreise“. Die Räder der Reisebusse seien mittlerweile „durch das lange Stehen schon viereckig“. Um halbwegs über die Runden zu kommen, musste Felner „schweren Herzens 15 der 26 Fahrer entlassen. Die restlichen elf sind noch zur Kurzarbeit angemeldet.“. Wie es mit dem Unternehmen weitergeht, weiß selbst Felner nicht. „Im schlimmsten Fall bin ich gezwungen, die Busse zu verkaufen und das Busgeschäft aufzugeben.“

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