Applaus für Pflegekräfte ist jetzt schon verstummt. Ob Heimhilfe, Pflegeassistenz oder diplomiertes Personal: Es braucht mehr Geld & Anerkennung.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 06. März 2021 (03:23)
Stationsleiterin Grete Jörg (l.) vom Hilfswerk Laxenburg mit der diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegerin Yvonne Samer (r.).
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Michael Schwarz ist diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, einen jungen Mann als stellvertretenden Leiter „Pflege Zuhause Mödling“ der Caritas würde man nicht unbedingt erwarten.

Dass Schwarz in einem Pflegeberuf arbeitet, dafür ist vor allem der Zivildienst verantwortlich, wo er erstmals in einen Bereich hineinschnupperte.

Wenn ich beim Kunden bin, dann bin ich in dieser Stunde nur für diesen Kunden zuständig.“ Yvonne Samer, Diplomkrankenschwester, Hilfswerk

„Ich bin da hineingerutscht. Bevor ich Zivildienst gemacht habe, wusste ich nicht, wie groß die Bandbreite an Möglichkeiten in den Gesundheitsberufen ist und wie man sich dazu ausbilden lassen kann“, erzählt Schwarz.

Seit vier Jahren arbeitet er bei der Caritas, neben seinem fordernden Job bildet er sich auf der Akademie für Sozialmanagement weiter und besucht im Moment den Masterlehrgang „Pflegemanagement„ an der Donau-Uni-Krems und will seine Master-Thesis zum Thema „Demenz“ verfassen.

Diplomiertes Gesundheitspersonal wird von den meisten Trägerorganisationen händeringend gesucht, doch oft gehen jung ausgebildete Diplomierte lieber ins Krankenhaus, „weil es hier mehr Spezialisierungen gibt und der Bereich der Langzeitpflege nicht das einzige Betätigungsfeld ist“, meint Schwarz. Er selbst könnte es sich nicht vorstellen, in einem Spital zu arbeiten. „Ich schätze es, selbstständig zu arbeiten. Die Bandbreite der Patienten, die wir betreuen, ist groß, von Menschen, die noch gut mit nur wenig Unterstützung von uns auskommen, bis zu Menschen, die wir dreimal am Tag besuchen“, sagt Schwarz.

Arbeit ohne Ende

Die Arbeit in der mobilen Krankenpflege geht nicht aus, im Gegenteil, der Bedarf steigt. Für Schwarz ist das eine einfache Rechnung: „Die Bevölkerung wird immer älter, jeder Mensch möchte so lange wie möglich bei sich in den eigenen vier Wänden leben. Der Zustrom ins Pflegeheim nimmt in Zeiten von Corona ab. Für viele Kundinnen und Kunden waren wir vor allem während des ersten Lockdowns die einzigen Ansprechpartner.“ Auch hier gab es massive Ängste vonseiten der Kunden, die sich aber wieder gelegt haben. Dass in der medialen Wahrnehmung immer nur von stationärer Betreuung, also von Pflegeheimen die Rede ist und vor allem die Handelsangestellten als die Helden des Alltags gefeiert wurden, ärgert sich Schwarz ein wenig.

„Wir waren seit dem ersten Lockdown von Anfang an bei Menschen zuhause und sind es immer noch“, sagt Schwarz. Nicht nur die fehlende Anerkennung ließe den Beruf der mobilen Hauskrankenpflege in der Außenwirkung wenig attraktiv erscheinen. „Das Grundgehalt ist einfach zu nieder, aber das ist nicht die Schuld der Trägerorganisationen, hier wäre die öffentliche Hand gefordert“, meint Schwarz, der dabei an Berufe denkt, „wo Zulagen für Hebetätigkeiten für Güter gezahlt werden, die wir im Pflegebereich bei der großen Verantwortung bei der Arbeit mit Menschen nicht bezahlt bekommen.“

Den Begriff Krankenschwester gibt es nicht mehr, trotzdem ist Yvonne Samer nicht böse, wenn jemand sie damit anspricht. Denn sie übt ihren Beruf als diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin beim Hilfswerk Laxenburg mit Leib und Seele aus und wünscht sich mehr Diplompersonal beim Hilfswerk in der mobilen Hauskrankenpflege. „Wenn Urlaubszeit ist, dann kann es sein, dass Stationsleiterin Grete Jörg bei den Diensten einspringt. Dabei arbeiten wir wirklich sehr eigenverantwortlich, abseits eines starren Regelbetriebs in einem Krankenhaus“, betont Samer.

30 Stunden in der Woche arbeitet Samer für das Hilfswerk, „ich habe Zwillinge, ich kann es mir gar nicht vorstellen, wie meine Kinder betreut werden, wenn ich in einem Krankenhaus-Schichtbetrieb mit Nachtdiensten arbeiten müsste“, sagt Samer.

Umfassendes Tätigkeitsfeld

Ihr Tätigkeitsfeld als Diplomierte ist sehr umfassend: „Wir beraten die Angehörigen, welche Art der Pflege in ihrem Fall angemessen ist. Wir helfen, Förderanträge an das Land zu stellen, wir machen die Aufnahme und dispensieren die Medikamente laut ärztlicher Anordnung“, erzählt Samer. Auch bei der Organisation von Heilbehelfen, für die auch Förderanträge gestellt werden müssen, gibt es Hilfestellung.

Ein Zeitproblem, sich dem Kunden zu widmen, sieht die Diplomkrankenschwester nicht. „Wenn ich beim Kunden bin, dann bin ich in dieser Stunde nur für diesen Kunden zuständig“, merkt Samer an.

Hauskrankenpflege habe gerade in der Corona-Zeit eine Schwerpunktverschiebung erlebt. „Normalerweise ist Hauskrankenpflege ein Zusammenspiel zwischen Angehörigen und Pflegekräften. Durch Corona sind viele Tätigkeiten zu uns gewandert, wie Wäsche waschen und aufhängen und andere Haushaltsarbeiten. Viele Angehörige sind froh, wenn etwa Heimhilfen das weiter machen.“

Auch Samer ist der Meinung, „dass unsere Tätigkeit von der Außenwelt zu wenig wertgeschätzt wird. Vielleicht ist das, was wir leisten, für die Allgemeinheit nicht immer gleich ersichtlich.“

Spätestens dann aber, wenn es einen Pflegefall in der Familie gibt, ist die Kompetenz der mobilen Hauskrankenpflege plötzlich gefragt.