Baustoffmangel: Es fehlt an allen Ecken und Enden. Die gesamte Baubranche teilt derzeit das gleiche Problem. Effektives Arbeiten ist beinahe nicht mehr möglich. Material ist Mangelware, auch im Bezirk Mödling.

Von Michelle Schüller. Erstellt am 28. April 2021 (03:45)
Krawany-Geschäftsführer Marc Wilmink bekommt den Baustoffmangel hautnah mit.
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Andreas Holzmann, Obmann der Baugenossenschaft Mödling (MÖGEN), weiß, dass aktuell „Leichtbauwände oder Eisen“ nur schwer zu bekommen sind. „Ich glaube da an zwei Ursachen. Zum einen gibt es in China einen gewaltigen Bauboom, zum anderen treiben Spekulanten die Preise in die Höhe.“

Die Auftragsbücher im Bauwesen seien zwar „voll, aber wegen des fehlenden oder teuren Materials sind Kalkulationen kaum möglich. Man merkt das daran, dass für Ausschreibungen immer öfter keine Angebote abgegeben werden“, merkt Holzmann an. Alle MÖGEN-Projekte, „die wir derzeit angehen, sind allerdings gesichert“.

Wer warten kann, soll warten. Marc Wilmink Geschäftsführer von „Krawany“

Der Materialmangel macht sich mittlerweile natürlich auch im Baustoffhandel bemerkbar. „Jetzt kann man langsam wirklich schon von einem Mangel sprechen“, ist „Krawany“-Geschäftsführer Marc Wilmink überzeugt. Es komme sehr stark auf die verschiedenen Materialien an. Holz, etwa Bauhölzer oder Grobspan-Platten, sei sehr schwer zu bekommen. Viele seiner Kunden stünden nun unter Druck. „Die Preise fast aller Materialien steigen immer weiter. Metall ist um bis zu 55 Prozent gestiegen. Die Kunden waren einfach nicht auf eine solche Situation vorbereitet.“

Die Konsequenz: mehrere Baustellenstopps. „Die Bauherren haben fixe Verträge. Wenn die Zeit keinen Baustellenstopp zulässt, befinden sie sich in einem Spagat zwischen den immer weiter steigenden Kosten und Pönalen, weil sie die Verträge zeitlich nicht einhalten können“, weiß Wilmink.

Der „Krawany“-Geschäftsführer rät: „Wer warten kann, soll warten.“ Für die Zukunft wünscht sich Wilmink, dass mehr Produktion in Europa stattfindet. „Das geht natürlich nicht von heute auf morgen, würde aber für die Zukunft von Vorteil sein.“

Baumeister Dominique Rödl, Geschäftsführer der Rödl Bau GmbH in Maria Enzersdorf, ist direkt betroffen. „Wir bemerken den Baustoffmangel vor allem bei Dämmstoffen. Die Preiserhöhungen sind gigantisch. Man fragt aber um Material an, egal um welchen Preis, weil man seine Baustellen nun einmal fertigstellen muss. Denn für Verzögerungen haben die meisten Kunden kein Verständnis.“

Dämmstoff gibt’s wieder ab Juli

Die Frage, die sich stelle sei, „wie lange das alles noch so geht“, betont Rödl. Die nächste Dämmstoff-Lieferung sei für Ende Juli angekündigt: „Wenn ich Glück habe.“ Das Bestellen im Ausland sei auch nicht einfach: „Ausländische Firmen wollen, aus welchen Gründen auch immer, nicht nach Österreich liefern, was die Situation nicht viel einfacher macht“, ist Rödl verzweifelt.

Franz Seywerth setzt auf zeitgerechte Planung.
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Franz Seywerth, Geschäftsführer des gleichnamigen Bauunternehmens in Perchtoldsdorf, bestätigt die Situation. „Der derzeit zu verzeichnende Baustoffmangel wird nun durch Preiserhöhungen kompensiert. Besonders bei Dämmstoffen schnellen die Preise stark in die Höhe.“ Bei Holz wurde der Preis zum Vorjahr beinahe um den Faktor zwei erhöht.

„Als konventionelles Bauunternehmen trifft mich der Mangel derzeit zum Glück nicht so stark wie andere Kollegen. Aber die Industrie kommt einfach nicht mehr nach.“

Optimistisch bleibt Seywerth trotzdem: „Die Menschen haben sich pandemiebedingt letztes und auch dieses Jahr dazu entschieden, in ihr Zuhause zu investieren. Wir müssen abwarten, wie es nächstes Jahr aussieht. Ich glaube aber nicht, dass die Baubranche ein Problem bekommen wird.“

Für die Zukunft schlägt Geschäftsführer Franz Seywerth ein Umdenken in der Branche vor. „Die ‚Just-in-time‘-Denkweise muss ein Ende nehmen. Man muss möglichst vorausschauend Planen.“ Seywerth weiß, die Vorlaufzeiten werden immer kürzer, „aber wir sind keine Maschinen“.

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