Distance Learning: Unterricht zu Hause dauert an. Schüler, Eltern und Lehrer aus dem Bezirk Mödling müssen sich, was den Schulstart anbelangt, nach wie vor in Geduld üben.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 20. Januar 2021 (04:45)
Sylvia Kuschela ist froh, dass ihr Sohn Tobias mit dem Homeschooling selbstständig zurechtkommt.
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Bildungsminister Werner Faßmann, ÖVP, unterzog sich am Sonntagvormittag in seiner Heimatgemeinde Perchtoldsdorf noch rasch einem Corona-(Massen-)Test, ehe er zur Pressekonferenz nach Wien eilte. Dort gab er bekannt, dass aufgrund der Lockdown-Verlängerung der Schulpräsenzdienst erst ab 8. Februar geplant ist. „Der reale Schulverlust beträgt eine Woche“, machte Faßmann unter Hinweis auf die Einrechnung der Semesterferien deutlich.

Eltern, Schüler und Lehrer stehen also vor einer Fortsetzung der schwierigen Situation: Für Ulrike Charwath-Klinger, berufstätige Mutter von drei Kindern aus Münchendorf, sind durch das Homeschooling die Belastungen gestiegen. Und das, obwohl die Kinder am Vormittag in Volksschule und Kindergarten betreut werden, weil beide Elternteile in systemrelevanten Berufen außer Haus tätig sind. „Meine Mädchen erledigen ihre Arbeitsaufgaben sehr selbstständig, trotzdem brauchen sie beim Hochladen und Ausdrucken diverser Unterlagen natürlich immer wieder Unterstützung. Die anfallende Hausarbeit müssen wir oft am Wochenende nachholen.“

Das Homeschooling wird noch etwas andauern.
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Obwohl die Kinder auch gerne miteinander spielen, leiden sie unter den reduzierten sozialen Kontakten: „Sie vermissen ihre Freunde sehr.“ Auch die Kontakte zu den Großeltern hat die Familie eingestellt. „Das ist hart für die Kinder, aber auch für uns. Zeit zu zweit gibt es derzeit praktisch keine mehr“, erklärt Charwath-Klinger.

Für Sylvia Kuschela aus Maria Enzersdorf, Marktmanagerin bei einer Versicherung, bedeutet es „keinen spürbaren Mehraufwand“, dass ihr 15-jähriger Sohn Tobias, ihr Mann und sie im Homeoffice bzw. Homeschooling sind: „Jeder hat seinen eigenen Arbeitsbereich, Tobias kommt mit dem Unterrichts- und Aufgabensystem der Schule sehr gut alleine zurecht. Ich kann in Ruhe meiner Arbeit nachgehen.“

Der Unterricht sei viel durchgängiger und besser organisiert als im Frühjahr 2020, was dem Burschen fehle, sei der persönliche soziale Kontakt mit Gleichaltrigen: „Es stört mich schon, dass er den ganzen Tag vor dem PC sitzen muss“, meint Sylvia Kuschela.

Elternverein: Schüler müssen rasch zurück

Christian Hundegger, Obmann des Elternvereins der HTL Mödling, appelliert mit Nachdruck: „Die Schüler müssen so schnell wie möglich zurück. Gerade an Schulen wie der HTL, bei welchen es Praxisunterricht gibt, ist es notwendig, die Schüler zurückzuholen. Natürlich muss die Gesundheit im Vordergrund stehen, jedoch ist die derzeitige Situation für alle eine große Belastung.“

Besonders die Erst-, Viert- und Fünftklässler hebt Hundegger hervor, denn „die sind besonders arm dran. Die einen hatten nicht einmal genug Zeit, sich richtig in der neuen Schule zurechtzufinden, die anderen sind ein Jahr vor der Matura oder maturieren in wenigen Monaten.“ Auch die Motivation schwindet langsam: „Selbst Klassenbeste hadern mit sich.“

Bedingungen für Matura sind „einfach unfair“

Auch unter den Schülern werden die Stimmen, welche eine Rückkehr in die Schule fordern, immer lauter. Michael Pocta, Schulsprecher des Bachgasse-Gymnasiums, ist einer der vielen Maturanten, welche vor Unklarheiten stehen. „Wir Schüler und auch die Lehrer erhalten viel zu wenig Informationen und wenn, dann zu kurzfristig.“

Michael Pocta, Schulsprecher des Mödlinger Gymnasiums Bachgasse.
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Was die Matura betrifft, finden Pocta, seine Mitschüler sowie Absolventen des letzten Jahres die Bedingungen für die Reifeprüfung „einfach unfair. Letztes Jahr war die mündliche Matura beispielsweise freiwillig und das, obwohl die Schüler damals erst wenige Monate im Distance Learning waren. Wir Oberstufenschüler sind bisher am längsten zu Hause und haben noch kaum Informationen zum Maturaablauf erhalten“, kritisiert Pocta.

Was das Familienleben in dieser schwierigen Situation angeht, hat der Schulsprecher Glück. „Mein Bruder, meine Eltern und ich sind noch enger zusammengewachsen. Darüber bin ich sehr froh, man hört ja leider oft genug Gegenteiliges.“

Erik Baldassari, Schulsprecher im Mödlinger Gymnasium Keimgasse.
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Erik Baldissari, Schulsprecher im Mödlinger Gymnasium Keimgasse, teilt Poctas Meinung. „Es gibt große Baustellen, welche das Distance Learing erschweren. Das fängt schon bei einer nicht stabilen Internetverbindung an, bis hin zu teilweise fehlenden Endgeräten, welche ja essenziell sind, um dem Unterricht folgen zu können.“

Baldissari kommt auch auf die die bereits aus dem letzten Lockdown vorhandenen Lücken in typischen Lernfächern wie beispielsweise Latein zu sprechen. „Ich hoffe, dass das Testkonzept der Regierung für die Schulen aufgeht und wir so eine halbwegs sichere Rückkehr in die Schule schaffen. Immerhin haben wir bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht den gesamten Stoff für die Matura durchgemacht und das macht die ganze Situation noch viel schwieriger.“

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