Ernte 2020 stellt Landwirte vor Herausforderung. Der Klimawandel ist längst in der Landwirtschaft angekommen und fordert die Bauern auch im Bezirk Mödling.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 01. Juli 2020 (05:45)
Ferdinand Hausenberger verweist auf die unterschiedlichen Farbschattierungen des Getreides. Grün heißt, die Ähren sind nachgereift und stehen noch im Saft, gelb heißt, das Getreide ist bald erntereif.
Stanitz

Die Wetterkapriolen der vergangenen Wochen erreichten am Freitag einen neuerlichen unrühmlichen Höhepunkt. Bezirksbauernkammerobmann Johann Tröber berichtet: „Es hat gehagelt, mitten durch die Felder von Vösendorf, Hennersdorf und Leopoldsdorf ist ein Hagelstreifen durchgezogen. Das hat auf den Feldern einiger Landwirte zu großen Schäden geführt.“

Schon vor zwei Wochen suchte Hagel den Bezirk heim, damals traf es vor allem die Biedermannsdorfer Landwirte. Was Tröber genauso Sorgen bereitet ist „der Zwiewuchs. Stellenweise treiben Kulturen wie Winterweizen bedingt durch den vielen Regen der vergangenen Wochen noch einmal an. An anderen Stellen ist der Weizen bereits reif, es stellt sich die Frage, wie will man dieses Getreide ernten? Dieses Phänomen hat Tröber das letzte Mal „Mitte der 1980er-Jahre beobachtet“. „Darauf haben nicht einmal die Experten in den Lagerhäusern Antwort“, sagt Tröber.

Der Juni-Regen habe „das Korn in den Ähren gehalten, das schon vorhanden war. Die fehlende Frühjahrsfeuchtigkeit konnte auch dieser Regen nicht wettmachen“.

Vom Hagel betroffen war auch Landwirt & Bürgermeister Ferdinand Hausenberger, ÖVP, aus Hennersdorf. „Ich schätze den Hagelschaden auf rund 30 Prozent. Genaueres wird die Hagelversicherung feststellen“, erklärt Hausenberger. Dabei hat bereits die Trockenheit der letzten Wochen und Monate Spuren auf den Hennersdorfer Feldern hinterlassen. Hausenberger hofft: „Das Wetter sollte jetzt stabiler bleiben als in den letzten Wochen, besonders Kulturen wie der Roggen sind hier sehr empfindlich.“

Böden werden immer trockener

Der Klimawandel mache sich in der Landwirtschaft schon seit geraumer Zeit bemerkbar. „Die Böden werden grundsätzlich trockener, was unsere Arbeit erschwert“, erklärt Hausenberger. Auch der für die Landwirtschaft hilfreiche Frost, der für zusätzliche Feuchtigkeit und durch das Aufbrechen der Schrollen für eine feinkrümelige Erde sorgt, ist diesen Winter ausgeblieben.

Mit vorsichtiger Zuversicht beobachtet Bezirksbauernbundobfrau Karin Feichtinger die Situation in Münchendorf. Sie sieht für ihren Bio-Landwirtschaftsbetrieb dieses Jahr sowohl Positives als auch Negatives, wenn es um die bevorstehende Ernte geht. „Kulturen wie Soja, Mais und Sonnenblumen gedeihen dieses Jahr gut, bei der Wintergerste jedoch muss mit einem Ernteverlust von bis zu 30 Prozent gerechnet werden.“

Bereit zur Ernte ist Bezirksbauernbundobfrau Karin Feichtinger. Sie hofft, dass vor allem der Weizen gute Erträge bringen wird.
NOEN

Hagel und Starkregen haben auch in Münchendorf auf den Feldern ihre Spuren hinterlassen. Das unvorhersehbare Wetter mache die Arbeit und Planung der Landwirte zunehmend komplizierter.

Feichtinger erklärt: „Die fehlende Winterfeuchtigkeit, kombiniert mit langen Trockenperioden im Frühling, sind die ideale Grundlage für die Ausbreitung und Vermehrung von Schädlingen. Auch für eine effektive Unkrautbekämpfung werden die Zeitfenster immer kleiner.“

Trotz all der Wetterkapriolen bleibt Feichtinger optimistisch: „Die Weizenernte steht vor der Tür, ich erhoffe mir gute Erträge.“

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