Fahrrad gewinnt enorm an Bedeutung. Händler und Verkaufzahlen bestätigen den deutlichen Boom, Radlobby Mödling fordert verbesserte Infrastruktur.

Von NÖN Redaktion, Willy Kraus und Christoph Dworak. Erstellt am 24. Juni 2020 (05:45)
Kraus, Stanitz

Keine Frage, das Radfahren erlebt einen Boom. Nicht nur auf den Mountainbike-Strecken im Wienerwald, sondern auch im Ortsgebiet. Dass es mit dem umweltfreundlichen Fortbewegungsmittel bergauf geht, bestätigen die Händler und Reparaturwerkstätten.

Ein Großteil des „Rauf aufs Rad“-Trends sei „Corona“ zuzuschreiben, ist Anton Chladek, Chef des seit 1963 in der Wiener Straße in Mödling ansässigen Familienbetriebes „2rad Chladek“, überzeugt: „Die Menschen waren eingesperrt und wollen sich jetzt wieder mehr in der Natur bewegen. Wir verzeichnen bei den normalen Rädern eine Absatzsteigerung von rund 20 Prozent, bei den E-Bikes sogar 30 Prozent – Tendenz steigend“. Auch die voll ausgelastete Werkstätte zeige, dass „die Leute ihre alte Fahrräder aktivieren wollen und deshalb eine Reparatur beim Fachmann durchführen lassen“, freut sich Chladek.

Die „Zweirad“-Entwicklung bestätigt auch Josef Stanitz aus Laxenburg, dessen Fahrradgeschäft seit Wochen „voll ausgelastet ist. Service, Reparatur und Verkauf, in allen Bereichen ist die Nachfrage gestiegen“. Besonders E-Bikes erleben einen Höhenflug. Die Nachfrage übersteige sogar oft das vorhandene Angebot. Besonders auffällig sei, dass „viele Menschen wieder auf den Geschmack gekommen sind, sich mit dem Fahrrad fortzubewegen. Durch die Ausgangsbeschränkungen verspürten viele Menschen offensichtlich wieder das Bedürfnis, sich mit dem Rad in der freien Natur unterwegs zu sein“.

Freude an Bewegung ist spürbar

Geht es nach Stanitz, begünstigen aber auch „die sehr gut ausgebauten Radwege den Fahrradboom“. Darunter etwa der Thermenradweg, der von Wien bis nach Kottingbrunn reicht sowie der neu eröffnete „Radweg der Ziegelbarone“, der von Vösendorf nach Hennersdorf, Maria Lanzendorf, Achau und Laxenburg führt.

Seit Februar hat in der Triester Straße 10 in Vösendorf Deutschlands größtes Zweiradcenter „Stadler“ auch eine Österreich-Niederlassung. Bärbel Stadler, Geschäftsführerin des 1936 gegründeten bayerischen Familienunternehmens, zeigt sich mit dem Start im Bezirk Mödling zufrieden: „Bewegung an der frischen Luft macht einfach Freude, als Verkehrsmittel ist das E-Bike eine hervorragende Alternative“. Der Zuspruch der Kunden sei aktuell „sehr gut, auch unsere Werkstatt ist ausgelastet, wobei schnelle Hilfe auch immer einmal eingeschoben werden kann“.

Kraus, Stanitz

Wolfgang Pruschinski von der „Radlobby Mödling“ sieht viel Positives beim Umdenken in den Gemeinden. In Mödling machen ihm die vielen neuen Radfahranlagen, die Öffnung von Einbahnen und verbesserte Radabstellplätze“ Freude, auch der Radweg zwischen Wiener Neudorf und der Südstadt (über die Badnerbahn-Haltestelle „Südstadt“) komme sehr gut an. Klar, dass die Radfahrlobby einen Maßnahmenkatalog in Händen hält und eine entsprechende Prioritätenreihung vorgenommen hat. Demnach steht die Schaffung eines Radwegs von Hinterbrühl über Gaaden – idealerweise bis Heiligenkreuz – am Wunschzettel ganz oben. Da sei man mit den Bürgermeistern im Gespräch, betonte Pruschinski.

Eine Radwegverbindung zwischen Wiener Neudorf und Guntramsdorf sowie die Verbesserung des „Eurovelo“ in Guntramsdorf wären ebenso notwendig wie Rad-Zufahrten zur SCS: „Entsprechende Verbesserungsvorschlägen datieren bereits aus dem Jahr 2014“, lässt Wolfgang Pruschinski nicht unerwähnt.

Nicht zuletzt waren die Radfahrer auf die Finalisierung des „Südbahnradhighway“ zwischen Wien-Liesing und Mödling: „Hier hat sich primär in Perchtoldsdorf, Mödling und Guntramsdorf schon viel getan, es fehlt aber noch einiges.“

Umfrage beendet

  • Gibt es in deiner Heimatgemeinde genug Radwege?