Fasten bringt Gutes zum Vorschein. Im Gegensatz zu früher fasten die Menschen immer weniger. Dabei ist der Verzicht gesund für Körper und Geist. Enthaltsamkeit 40 Tage lang nutzen die Christen die Fastenzeit zur vorösterlichen Buße.

Von Daniela Purer und Michelle Schüller. Erstellt am 26. Februar 2020 (02:55)
Fastengruppe beim kargen Mahl in Pernegg. Das Kloster im Bezirk Horn war eine der ersten Einrichtungen, die auf den Fastentrend aufgesprungen sind.
Rita Newman

Bis 9. April heißt es wieder, den Gürtel enger schnallen: Fastenzeit. Verzichtet wird dabei nicht nur auf Fleisch oder Schokolade, auch Abstinenz von Social Media oder von technischen Geräten ist in.

Bezirkswirtesprecher Johannes Schmid erzählt auch aus dem Alltag in seinem „Café Kanzlei“ in Mödling: „In der Gastronomie ist beim Tagesgeschäft kein Unterschied zu spüren. Das war früher anders. Vor 10 bis 15 Jahren hat man schon gemerkt, dass weniger Fleisch gegessen und weniger Alkohol getrunken wurde. Heutzutage essen die Gäste auch an den strengen Fasttagen wie Aschermittwoch oder Karfreitag genauso Ham & Eggs wie sonst. Daher bieten wir auch kein gesondertes Fastenmenü an.“

Im Klostergasthaus Thallern in Gumpoldskirchen wird ebenfalls kein gesondertes Fastenmenü angeboten, wie Inhaber Florian Fritz erklärt: „Wir bieten in dieser Zeit aber verstärkt Fisch und vegetarische Menüs an, die auch oft bestellt werden.“ Im Gegensatz zum Café Kanzlei spiegelt sich im Klostergasthaus Thallern die Fastenzeit sehr wohl im Umsatz wieder: „Wir merken, dass unsere Gäste verstärkt auf alkoholfreie Getränke zurückgreifen und auf Fleisch verzichten.“

"Fastenzeit dient für viele als Initialzündung"

Warum Fasten so gesund ist, weiß Monika Masik, Ernährungsberaterin aus Mödling. „Die Fastenzeit dient für viele als Initialzündung. Danach ist es aber von besonderer Bedeutung das Fasten zu brechen und eine gesunde Ernährung auch weiterhin in seinem Alltag fortzuführen.“

Als wichtige Voraussetzung sieht Masik die Tatsache, dass die gewählte Fastenart auch in den Alltag der entsprechenden Personen passt. „Es gibt etliche Methoden, wie etwa das 5/2 Fasten, bei dem man fünf Tage in der Woche normal isst und an den zwei verbleibenden Tagen fastet.“

Eine der empfohlenen Varianten sei das Basenfasten, meint Masik. „Hierbei verzichtet man für drei bis vier Wochen komplett auf tierische Eiweiße und ernährt sich hauptsächlich von basischen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse und Sprossen. Ist die Fastenzeit aber um, ist es sehr wichtig, wieder ‚normal‘ Fleisch und tierisches Eiweiß zu essen.“

Ein Punkt ist der Ernährungsberaterin besonders wichtig: „Fasten ist nicht für jeden geeignet. Es gibt Risikogruppen wie etwa chronisch Kranke, Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen und Leistungssportler, die nur nach Absprache mit einem Arzt fasten sollten.“

Für das restliche Jahr über kann Masik sogenannte „Suppentage“ empfehlen. „Einmal in der Woche nimmt man ein leichtes Frühstück zu sich und isst als Mittag- und Abendessen einen Suppeneintopf. Das kann man immer wieder im Jahr wiederholen“.

„Der Verzicht auf Alkohol oder Kaffee ist zwar eine gute Sache, stellt aber eine nicht besonders tiefenreinigende Art des Fastens dar“, Tanja Peschke, Fastenmedizinerin

Tanja Peschke aus Perchtoldsdorf, seit 21 Jahren Fastenärztin, sieht im Fasten „eine herrliche Methode, seinen Körper zu reinigen. Fasten bringt Gutes zum Vorschein. Man sieht nicht nur besser und frischer aus, es kann auch Krankheiten wie Darm- oder Hauterkrankungen heilen“.

Fasten-Trends gibt es erfahrungsgemäß immer wieder: „Der Verzicht auf Alkohol oder Kaffee ist zwar eine gute Sache, stellt aber eine nicht besonders tiefenreinigende Art des Fastens dar.“ Peschke empfiehlt jedoch, nicht nur in der Fastenzeit an seinen Körper zu denken.

Dieser Meinung schließt sich auch Allgemeinmediziner Dominik Moritz aus Mödling an: „Intervallfasten hat einen positiven Effekt auf die Gesundheit. Ich selbst faste derzeit ebenfalls. Besonders bei unserer zunehmend übergewichtigen Gesellschaft würde ich diese Fastenform empfehlen.“

Die Erde ein Stück besser machen

Heutzutage fasten jedoch immer weniger Menschen aus religiösen Gründen. Warum das so ist? Pater Norbert aus der Pfarre Sulz im Wienerwald hat seine eigene Theorie: „Dass die Bedeutung des Religiösen gesunken ist, ist auf einen Prozess zurückzuführen, der in Österreich schon über Generationen geht. In der Monarchie beispielsweise wurde die Kirche von der Gesellschaft gestützt. Da konnte man gar nicht anders, als in die Kirche zu gehen.“

Dechant Josef Grünwidl glaubt, dass „die Menschen generell mehr fasten als früher“.
PAM

Er sehe die Problematik darin, dass „die Menschen den Kern des Christentums damals schon nicht verstanden haben und einfach mitgeschwommen sind. Das wurde an die nächste Generation vererbt und heute hat man einfach das Vertrauen in die Kirche gänzlich verloren“.

In der evangelischen Kirche hat die Fastenzeit nicht dieselbe Tradition wie in der römisch-katholischen Kirche. Bei dieser Glaubensrichtung findet vor den höchsten christlichen Feiertagen die Passionszeit statt, um sich an das Leiden Jesu zu erinnern. Trotzdem merkt Pfarrer Markus Lintner aus Mödling, dass sich immer mehr Menschen aus der Gemeinde an Fastenaktionen beteiligen. „Ich glaube, dass heute generell mehr Menschen fasten als früher, allerdings immer weniger unter einem religiösen Aspekt, sondern aus Gründen des Lifestyles.“

Die Frage nach dem Verzicht bleibt

Etwas anders sieht das Dechant Josef Grünwidl aus Perchtoldsdorf: „Fasten ist in. Die Menschen spüren, dass es nicht so weiter geht mit diesem Immer-größer-und-immer-weiter–Gedanken. Das kommt vor allem aus der Jugend. Die Frage ist, worauf können wir verzichten, damit es unserer Erde besser geht.“ Seiner Meinung nach ist vielen schon bewusst, dass Fasten einen religiösen Aspekt hat und dies auch aus Glaubensgründen tun.

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