Gastronomen: „Sind schön langsam am Limit“. Endlich wieder Gäste bedienen zu dürfen, wünschen sich viele wirte und Heurigenbetriebe. Aber um welchen Preis?

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 24. Februar 2021 (04:45)
Die Zwillings-Geschwister Christian und Nicole Gausterer aus Guntramsdorf haben auf Kündigungen verzichtet: zwei Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, eine Mitarbeiterin hilft beim Kochen für das Heurigen-to-go-Abholservice.
privat

Erich Moser, Chef der „Höldrichsmühle“ in Hinterbrühl, bringt es auf den Punkt: „Wir sind jetzt seit 15 Wochen geschlossen. Dabei hätten wir Konzepte und können zum Beispiel 30 Leute mit ausreichender Distanz platzieren, das ist besser als in jedem Wohnzimmer.“ Was die Testungen im Vorfeld des Besuchs betrifft, geht Moser davon aus, dass „das der Schlüssel für die Zukunft ist, mit dem wir alle leben könnten“.

Alexander Lang hat der erhaltene Umsatzersatz sehr geholfen. 
Boeger

„Es sind keine rosigen Zeiten, jedoch bin ich froh, dass ich durch die Auslieferung des Kindergarten- und Schulessens fixe Einnahmen habe“, berichtet Alexander Lang, Inhaber des gleichnamigen Restaurants in Perchtoldsdorf. „Solange nicht großflächig geimpft wird, bleibt die Situation meiner Meinung nach schwierig. Auch wenn wir wieder öffnen dürfen, werden die Leute eher auf das Abhol- und Lieferservice zurückgreifen“, befürchtet Lang. Dies wäre aber für die Gastronomie ein weiterer Rückfall, denn „sobald wir aufmachen, verlieren wir die Unterstützungen“.

Und bei reduzierter Gästeanzahl sei eben nicht der gewohnte Umsatz zu machen. Einem Restaurantbesuch nur mit negativem Test steht der Gastronom skeptisch gegenüber: „Das wird die Gäste abschrecken. Ein spontaner Restaurantbesuch wäre damit nicht mehr möglich. Anders sieht das Georg Stocker vom „Stockerwirt“ in Sulz im Wienerwald. „Wir freuen uns schon sehr darauf, wieder aufmachen zu dürfen. Ich bin guter Dinge, dass alles gut funktionieren wird.“ Er findet zudem den Gedanken an einen notwendigen Corona-Test „vollkommen in Ordnung. Meiner Meinung nach sollte man in der Gastronomie so flexibel sein, denn die Hauptsache ist, dass wir wieder öffnen dürfen.“ Nachdem Stocker seit über 30 Jahren sowohl an Wochenenden als auch an Feiertagen im Restaurant anzutreffen ist, „sind wir wirtschaftlich gut aufgestellt. Wir konnten alle 25 Mitarbeiter halten, sie sind jetzt in Kurzarbeit. Auch der Umsatzersatz, den wir erhalten haben, war vollkommen in Ordnung.“

Die Perchtoldsdorfer Winzer haben sich auf einen neuen Weg verständigt, um den aktuellen Weinjahrgang präsentieren zu können, wie Weinbauvereinsobmann Toni Nigl berichtet: „Vorübergehend sind die edlen Tropfen in der Ortsvinothek am Marktplatz oder direkt bei den Weinbaubetrieben für eine ‚Zuhaus‘-Verkostung‘ zu erwerben.“ Und unter dem Motto „regional-frisch gekocht und gut“ bieten die Heurigenbetriebe typische Schmankerln zur Abholung bzw. auch einen Lieferdienst an. „Damit einem Heurigenflair in den vier Wänden nichts mehr im Wege steht“, macht Nigl deutlich.

Lieferservice als Rettungsanker

Heurigenwirt Klaus Straitz und seine Frau Claudia aus Gumpoldskirchen kochen, wann immer es Vorbestellungen gibt. „Wir haben bereits im ersten Lockdown ein Lieferservice aufgezogen und profitieren nun davon, dass die Leute schon wissen, dass unser Essen auch abgeholt werden kann“, erzählt Straitz.

Claudia und Klaus Straitz kochen nach Vorbestellung für ihre Gäste und halten sich so finanziell über Wasser. Die späte Auszahlung von Fördergeldern hat das Heurigen-Paar aus Gumpoldskirchen gehörig unter Druck gesetzt.
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Aktuell sind alle Mitarbeiter in Kurzarbeit, die Fixkosten wie Versicherungen und Energie laufen weiter, was das Gastronomen-Paar auch finanziell gehörig unter Druck setzt: „Die Förderungen sind mit 4-monatiger Verspätung eingetroffen, wir mussten alles vorstrecken. Glücklicherweise wurde die Kreditrate für unsere Liegenschaft gestundet.“ Straitz hofft, mit dem Start der Gartensaison die Spaziergänger am Weingartenweg wieder im Lokal bewirten zu können und wäre auch bereit, negative Atteste zu kontrollieren oder Adressen zu notieren. Christian und Nicole Gausterer aus Guntramsdorf bieten ebenfalls seit November Speisen zum Abholen an: „Wir haben alle drei Wochen für 12 Tage geöffnet und bieten Heurigen-to-go mit saisonalen Schmankerln an.“

Die finanzielle Abgeltung funktioniere „ganz gut, für November und Dezember ist der Umsatz-Ersatz bereits eingetrudelt“. Das Personal wollten die Zwillings-Geschwister nicht entlassen, zwei Mitarbeiter sind derzeit in Kurzarbeit, der dritte hilft beim Kochen. Die finanzielle Durststrecke werde dennoch langsam mühsam. „Wir sind langsam aber sicher am Limit. Unsere Fixkosten laufen ja normal weiter“, erzählt Birgit Gausterer. Das Kontrollieren negativer Atteste wäre für die Wirtin „kein Problem“, Platz im Freien gibt es in den zwei bespielbaren Höfen ebenfalls genug.

Weiteres Standbein soll Existenz sichern

Kurz nach der Eröffnung musste das Restaurant im Laxenburger Kaiserbahnhof auch schon wieder schließen. Besitzer Maximilian Spitzer hat daher auch „keine Vorumsätze, daher fall ich auch um die staatliche Unterstützung um“. Daher versucht Spitzer jetzt, zusätzlich zur Take-away-Schiene, die „ein Tropfen auf den heißen Stein“ sei, ein zusätzliches Standbein aufzubauen. „Wir möchten Topprodukte im Glas verkaufen, also Schmorgerichte wie Paprikahendl, Kalbsbeuschel, Kalbsgulasch, Einmachhühnersuppe, wir experimentieren auch mit einem haltbaren Mousse au Chocolat“, verrät Spitzer.

Verkauft werden sollen die eingerexten Köstlichkeiten einerseits im Kaiserbahnhof, andererseits strebt Spitzer auch eine Kooperation mit dem örtlichen ADEG-Geschäft an.

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