Homeschooling: Schulische Herausforderung im Wohnzimmer. Homeschooling ist zwar probates Mittel, aber für alle Beteiligten im Bezirk Mödling mehr als nur anstrengend.

Von Johanna Hoblik. Erstellt am 24. November 2020 (10:14)
Mama Lisi Krausz und Carlotta mit Mavie beim Homeschooling.
privat

Für Marion Amri, Direktorin der Hans-Stur-Volkschule in Wiener Neudorf, steht fest: „Die psychische Belastung ist für alle enorm: Viele Lehrerinnen haben neben dem Distance learning auch noch die eigenen Kinder zu betreuen und die Eltern haben Kinder aus unterschiedlichen Schultypen zu Hause; oftmals gibt es nur einen Computer zu Hause.

Amri rät den Eltern, „einen geregelten Tagesablauf beizubehalten, die Kinder selbstständig arbeiten zu lassen und nur in Rufweite für Hilfe zu sein“. Bereits im Frühjahr haben Kinder der zweiten bis vierten Klassen mit den diversen Lernplattformen gearbeitet.

Wiener Neudorfs Volksschul- Direktorin Marion Amri.
Kraus

„Auch Eltern wurden auf eine einheitliche Kommunikationsplattform eingeschworen, was die Arbeit sehr erleichtert. Und im Herbst wurden diese Systeme immer wieder im Unterricht eingebaut“, ist Amri zufrieden. Probleme gibt’s bei den Erstklasslern. „Sie sind noch nicht wirklich in der Schule ankommen und sollen nun zu Hause selbstständig mit den Eltern arbeiten. Hierbei braucht es sehr viel Fingerspitzengefühl der Lehrerinnen, damit weder Eltern noch Kinder überfordert werden.“

Um lernschwache Kindern zu unterstützen, versuchen Amri und ihr Team, diese in die Schule zu holen und dort zu betreuen.

„Natürlich gibt es auch dieses Mal eine Notbetreuung“, betont Amri: Etwa ein Drittel der Schülerinnen und Schüler sei anwesend. „Einige Kinder mit akutem Lernbedarf wurden auch von uns verpflichtet, diese Betreuung in Anspruch zu nehmen.“

Wünschen würde sich Marion Amri, dass „die Vorlaufzeiten größer wären, damit wir uns besser vorbereiten können“. Sie sei voll des Lobes für die Eltern, Schüler und ihr Team: „Alle sind sehr diszipliniert, die Kolleginnen sind top-vorbereitet.“

„Keine fünf Sekunden bleiben für mich“

Im Hause Krausz in Perchtoldsdorf hat sich der Alltag geändert. „Mein Aufgabenfeld hat sich deutlich vergrößert“, weiß Mama Lisi Krausz, „keine fünf Sekunden bleiben für mich“. Mavie (13) besucht St. Christiana, Benjamin (10) das Perchtoldsdorfer Gymnasium und Carlotta (4) den Kindergarten. Die ältere Tochter „ist im richtigen Alter für Homeschooling. Sie hat gelernt, mit den Neuen Medien umzugehen, auszudrucken, Dinge runter- und raufzuladen, ist sehr selbstständig geworden und gut organisiert“, sieht Mama Lisi durchaus Positives am Homeschooling.

Dennoch: „Es gibt große Unterschiede zwischen den Schulen, aber auch den Lehrern. So wie manche mit Desinteresse agieren, ist das eine Zumutung für Eltern und Schüler und kommt für mich einer Arbeitsverweigerung gleich. Viele sind aber Gott sei Dank auch bewundernswert engagiert.“

Womit die Mama sonst kämpft?„Ehrlich? Das ständige Kochen geht mir echt am Keks. Die Mengen, das Ankarren und Aufräumen, es ist ungleich mehr Arbeit und das ohne Hilfe im Haushalt.“