Kultur: Vorhang geht doch auf. Bei „teatro“ wird der Vorhang aufgehen, in Perchtoldsdorf vermutlich auch. Gaaden hat die „Liebesgeschichten & ...“ auf nächstes Jahr verschoben.

Von Christoph Dworak. Erstellt am 20. Mai 2020 (05:57)
„Tom Sawyer“ Lorenz Pojer (r.) und „Huckleberry Finn“ Moritz Mausser haben den Mund-Nasenschutz angelegt. Als Zeichen dafür, dass „wir spielen“. An Details wird noch gefeilt.
www.teatro.at

Vizekanzler Werner Kogler und Gesundheitsminister Rudolf Anschober (beide von den Grünen) haben am Freitag die stufenweise Öffnung für den Kultur- und Kunstbereich vorgestellt. Ab 29. Mai sollen Veranstaltungen drinnen und draußen mit bis zu 100 Personen gestattet werden, ab 1. Juli mit bis 250, ab 1. August mit bis zu 1.000 – aber unter Auflagen. Unter anderem sollen Richtlinien für den Probenbetrieb erarbeitet werden. Neben dem Mindestabstand sollen auch Checklisten ausgearbeitet werden, ein Coronavirus-Beauftragter soll Ansprechpartner für die Behörden sein.

Mödling: „Wir können uns im Moment schwer vorstellen, dass im Stadttheater gespielt wird“, meint Kulturstadtrat Stephan Schimanowa, SPÖ: „Das Problem liegt allein schon bei der Bestuhlung, schon zum Sessel zu kommen, könnte sehr schwierig werden. Ganz abgesehen vom ökonomischen Aspekt, wenn nur ein reduzierter Anteil der Sitze vergeben werden kann.“

Davon betroffen ist die teatro-Produktion „Tom Sawyer & Huckleberry Finn“. Im Gespräch ist eine Variante, den Steinbruch zu bespielen. Nun hofft man darauf, dass am 25. Mai eine Verordnung „mit umsetzbaren Vorgaben vorliegt“, ergänzte Schimanowa. Von teatro-Intendant Norberto Bertassi kam hingegen eine klare Ansage: „Wir spielen. Auch wenn wir derzeit noch nicht wissen, wo und wann.“ Die Proben laufen bereits, alles Näheres wisse man ab 25. Mai.

Verärgert ist Andi Berger vom „Sommertheater Mödling“, der eine Neuauflage der „Geschichten aus dem Wienerwald“ geplant hatte: „Das Problem ist, dass die Zuschauer dieses Stück in sehr euphorischer Stimmung erleben sollen – das alles ist mit einem Meter Abstand praktisch nicht durchführbar, eine abgespeckte Aushilfsvariante würde hinsichtlich der Erlebnisqualität auch nicht entsprechen.“ Berger will seine definitive Entscheidung in dieser Woche treffen.

Etwas optimistischer blickt „Bunker“-Intendant Bruno Max in den Sommer. Er sieht die zeitliche Planung „noch im grünen Bereich. Die Wahrscheinlichkeit, dass etwas stattfinden kann, ist etwas gestiegen, wir haben etwas in Vorbereitung“. Die endgültige Entscheidung steht noch aus.

Nicole Fendesack („Shakespeare in Mödling“) wollte heuer „den ,Sturm’ spielen, doch die momentan so stürmischen Zeiten stellen uns vor neue Herausforderungen“. Man arbeite noch an einem Konzept: „Ich könnte mir einen Waldspaziergang in Gruppen vorstellen – mit Szenen von Shakespeare.“

Sicher ist bereits, dass „Beethoven im Grünen“ stattfinden kann. Zudem soll es neun Konzerte geben, alle mit Beethoven-Bezug. Vier davon sollen mit Publikum stattfinden, fünf ohne. Alle werden gestreamt, Aufnahmelocation ist die Stadtgalerie. Schimanowa über die Planung: „Das alles ist vorbehaltlich hinsichtlich der kommenden Verordnungen zu sehen.“

Gaaden: Intendant Wolfgang Sailer hat die sommerliche „Theatermeierei“ abgesagt, die „Liebesgeschichten & ...“ frei nach Johann Nestroy werden auf 2021 verschoben. „Das ist unter den gegebenen Bedingungen zu riskant und kostet zuviel“, erläutert Sailer. Dafür bietet er seinem Publikum einen Konzertabend im kleineren Rahmen. Statt bisher 150 Personen sollen jeweils 60 bis 70 Personen Einlass finden. „Es wird ein sehr professioneller Abend mit einer siebenköpfigen Sängergruppe sein, mit Bühne, Tontechnik, Chansons, Pop und anderem mehr.“ Die „Lieder im Grünen“ gibt’s von 9. bis 25. Juli zu hören. Die künstlerische Leitung hat Wolf Sailer, die Musik kommt von Clemens Schaller. Mit diesem Konzert wird auch das 135-jährige Bestandsjubiläum der Meierei gefeiert: „Und zugleich begehen wir 15 Jahre Wiedereröffnung, nachdem das Haus 30 Jahre geschlossen war und dann von Franz Brandl revitalisiert wurde.“

Gumpoldskirchen: Grundsätzlich ist der Weinsommer (22. bis 30. August) im geplanten Ausmaß sehr in Schwebe. „Da sich aber Tag für Tag neue Entwicklungen zeigen und wir die endgültigen Verordnungen der Bundesregierung abwarten wollen, werden wir möglicherweise ein Ersatzprogramm auf die Beine stellen können“, meint Johanna Gebeshuber vom Organisationsteam. Thomas Andreas Beck sieht als musikalischer Kurator schwarz für das Festival. „Wir werden aufgrund fehlender Sponsoren die Finanzierung kurzfristig vermutlich nicht mehr schaffen. Ich habe allen Bands abgesagt.“ Aber das ließe sich alles rasch ändern, wenn es einen deutlichen Fahrplan und finanzielle Unterstützung gebe.

Perchtoldsdorf: Intendant und Regisseur Michael Sturminger hat „Romeo und Julia“ noch nicht abgesagt. „Wir überlegen noch, wie die Sommerspiele sein könnten“, betonte er auf NÖN-Anfrage. Die Entscheidung werde noch diese Woche fallen. Fix ist, dass die geplanten Aufführungen im Juli nicht stattfinden können, eine Verschiebung auf August wird ins Auge gefasst.

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