Mödling , Laab im Walde

Erstellt am 18. Oktober 2017, 06:00

von Christoph Dworak und Karl Stiefel

„Pilz“-Mann Peter Kolba im Parlament. Peter Kolba aus Laab im Walde schafft Sensation. Auch zwei FPÖ-Kandidaten im Hohen Haus.

„Wir haben das vom Fleck weg geschafft“: Peter Kolba.  |  D. Purer

„Wir haben alle Ziele erreicht“, jubelt einer der Wahlsieger, Christian Höbart, FPÖ, aus Guntramsdorf. „Wir sind in Niederösterreich vor der SPÖ Zweiter“, zieht er als Landesparteiobmann Bilanz. Auch im Bezirk Mödling, einem „von der Struktur her für uns eher schwierigen Bezirk, haben wir zugelegt. Die Aufbauarbeit, die mein Team und ich seit Jahren leisten, trägt Früchte. Wir haben uns im Wahlkampf aber auch mit Händen und Füßen angestrengt, um ein gutes Ergebnis einzufahren.“

Das Ticket ins Hohe Haus hat der neue, alte Nationalrat sicher. So wie „mit ziemlicher Sicherheit“ auch der Perchtoldsdorfer Robert Lugar. Der Ex-Stronach-Mann wird über die Bundesliste in den Nationalrat einziehen.

Peter Kolba (Mitte) aus Laab im Walde – hier mit Gattin Barbara und Bürgermeister Peter Klar – steht vor dem Sprung in den Nationalrat.  |  Purer

Auf mögliche Koalitionen auf Bundesebene will sich Höbart nicht festlegen. „Es kommt ganz darauf an, welche Spieler übrig bleiben. Und ob es Partner gibt, die unsere Forderungen mittragen. Ich denke, das Rennen ist da völlig offen.“

ÖVP-Bezirksparteivorsitzender Martin Schuster aus Perchtoldsdorf hat „natürlich allen Grund zur Freude. Wir haben durchgehend zugelegt. Wenn man in einer Gemeinde in der Größe von Perchtoldsdorf über die 40-Prozent-Markt kommt, sagt das schon alles“. Bundesweit hält der „Schwarz-Blau natürlich für nicht ausgeschlossen. Ich persönlich bedauere, dass Schwarz-Rot vermutlich keine Chance haben wird. Man darf aber nicht vergessen, dass auch Rot-Blau möglich ist. Doch ich denke, dass man den neuen Stil, den Sebastian Kurz einbringt, auch in den Verhandlungen merken wird.“

Hochspannung über das ÖVP-Mandat

Bei all den Jubelmeldungen über den Landes- und bundesweiten ÖVP-Erfolg gibt‘s aber auch weniger Erfreuliches. Mödlings erster Anwärter auf ein ÖVP-Ticket in den Nationalrat, Hans Stefan Hintner, dürfte gegenüber Carmen Jeitler-Cincelli im Vorzugsstimmen-Wahlkampf das Nachsehen haben. Näheres ist erst am Donnerstag Gewissheit, wenn alle Wahlkarten ausgezählt sind.

Mödling ist der beste SPÖ-Bezirk in NÖ

SPÖ-Bezirksparteichef Hannes Weninger hat „entgegen aller Prognosen doch noch gehofft, Erster zu werden. „Leider konnte sich unser Zukunftskonzept nicht gegen den Wunsch nach Veränderung und die teure Materialschlacht in Türkis durchsetzen“. Bei den Hausbesuchen, in den Betrieben und auf der Straße sei „durchwegs positive Stimmung spürbar gewesen“, resümiert Weninger.

Stolz ist man in der Bezirks-SPÖ auf das eigene Ergebnis. „Mit einem Plus von 1,3 Prozent sind wir landesweit der mit Abstand erfolgreichste Bezirk. Immerhin haben wir in 15 von 20 Gemeinden Zugewinne verzeichnet. Das ist eine durchaus gute Ausgangssituation für zukünftige Wahlauseinandersetzungen“, denkt Weninger bereits an die bevorstehende Landtagswahl, der er sich stellen wird. Seine Tätigkeit als Nationalrat endet am 9. November.

Peter Kolba will aufs „Markenzeichen setzen“

Durch das desaströse Abschneiden der Grünen hat Peter Kolba aus Laab im Walde intakte Chance auf ein Nationalratsmandat. Er war nicht nur Wahlkreis-, sondern auch Landeslistenspitzenkandidat der Liste „Pilz“. „Im Moment kann ich nur sagen: Das ist ein wunderschönes Ergebnis und ich freue mich aufs Parlament. Wir hatten keine Plakate, keine Spots. Und im ORF waren nur die Klubs in den Konfrontationen zu sehen.“ Im Parlament wolle er auf sein Markenzeichen setzen. „Als starke Stimme für den Konsumentenschutz.“

NEOS-Landessprecherin Indra Collini aus Brunn am Gebirge kann mit dem pinken Ergebnis durchaus leben. „Wir sind die klare Nummer eins der Kleinparteien. Wir haben einen positiven Wahlkampf geführt, bei dem wir Themen in den Mittelpunkt gestellt haben und nicht Intrigen. Ich denke, wir haben eine solide Basis für die Landtagswahl gelegt.“ In die geht sie als NEOS-Landesspitzenkandidatin.

Grüne erforschen „Reihe von Ursachen“

Für Grünen-Bezirkssprecher Christian Apl ist der vermutlich verpasste Einzug ins Parlament „eine herbe Enttäuschung, auch wenn das schlechte Ergebnis absehbar war. Ich glaube, es hat eine Reihe von Ursachen – große wie kleine. Wir Bezirksgrünen werden uns jetzt zusammensetzen, das Geschehene besprechen und uns weiter engagieren. Die Ortsgruppen machen wie gewohnt weiter, da können wir schließlich unsere Stärken zeigen.“