Radwege brauchen auch Platz. Nach dem tödlichen Unfall mit einem Fahrradanhänger, bei dem zwei Kinder gestorben sind, ist eine Debatte über das Radwegnetz in NÖ entbrannt.

Von Daniela Purer. Erstellt am 14. August 2019 (04:13)
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Die fehlende Radverbindung zwischen Gaaden und Hinterbrühl macht diese Strecke zu einem neuralgischen Punkt im Bezirk. Radfahrer müssen auf die B11 ausweichen. Private Grundeigentümer würden Grund für Radweg nicht abtreten wollen.

Wolfgang Pruschinski von der Radlobby Mödling sieht an verschiedenen Stellen im Bezirk akuten Handlungsbedarf: „Bei den Radwegen zwischen Hinterbrühl und Gaaden gibt es großen Aufholbedarf.“ Vor allem die B11 ist für Pruschinski eine sehr kritische Strecke im Bezirk. „Der Streckenabschnitt beginnt mit einem gemischten Geh- und Radweg. Danach muss man auf der stark befahrenen B11 bis zur Abzweigung zur Autobahn fahren.

Dort kann man über einen Trampelpfad weiter Richtung Gaaden fahren. Hier braucht es einen parallel zur B11 geführten Radweg, dann eine Radbrücke über den Mödlingbach. Der Trampelpfad muss als Radweg gestaltet werden.“ Dazu meint Hinterbrühls Umweltgemeinderat Peter Durec, VP: „Meiner Meinung nach wäre die einfachste und sicherste Lösung ein Radweg neben der B11 und gegebenenfalls ein Tempolimit von 70. Eine zusätzliche Betonleinwand wäre ebenfalls ein Sicherheitsfaktor.“

Gaadens Bürgermeister Rainer Schramm, „Wir Gaadner“, sagt im NÖN-Gespräch: „Diese Diskussion geht schon seit Jahrzehnten und ich bin für einen Radweg, keine Frage. Die Lösung der Radlobby wäre auch die sicherste. Sie ist aber leider nicht durchführbar, weil die Grundstücke Privatpersonen gehören, die sich querstellen.“

"Fahrbahnen im Ort nicht breit genug für durchgängiges Radwegenetz"

Niki Brenner, SP, Vizebürgermeister von Guntramsdorf, betont, dass Radfahrer den gesamten Ort ungefährdet durchqueren können: „Der Eurovelo 9 verläuft bei uns weit weg vom Straßenverkehr, entlang des Wiener Neustädter Kanals. Radfahrer können von Laxenburg bis nach Thallern auf gesicherten Radwegen mit nur wenigen Verkehrsquerungen gelangen.“ Anders sieht die Situation in Gumpoldskirchen aus, dessen Altstadt-Charme aus engen und verwinkelten Gassen besteht.

Vizebürgermeister Jörgen Vöhringer, VP, meint: „Die Fahrbahnen im Ort sind nicht breit genug für ein durchgängiges Radwegenetz. Die Mödlinger Straße ist sicherlich eine neuralgische Stelle, sie ist so eng, dass keine zwei Autos aneinander vorbeifahren können.“ Ein großes Problem sieht die Radlobby Mödling in der sogenannten „Dooring-Gefahr“ auf dem Mehrzweckstreifen auf der Mödlinger Hauptstraße, also, dass Autofahrer ihre Türe öffnen und Radfahrer kollidieren mit dieser.

Hier widerspricht aber Mödlings Vizebürgermeister Gerhard Wannenmacher, Grüne: „Wir hatten schon lange keinen Vorfall mehr, dass Radfahrer zum Sturz gekommen wären, weil Autofahrer plötzlich die Türe öffnen. Die Hauptstraße in Mödling ist für Radfahrer nicht ideal, das gebe ich zu. Aber man muss sich auch nach den gegebenen Platzverhältnissen richten und die sind in der Hauptstraße beschränkt.“

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