Unfälle mit Reh & Co rückläufig. Der Jahreszeit angepasstes Autofahren ist hinsichtlich der Vermeidung von Wildkollisionen im Herbst zu empfehlen. Jährlich steigt die Zahl der Wildunfälle in ganz Österreich – Niederösterreich ist seit Jahren eines der Bundesländer, mit dem größten Anteil an Wildunfällen. Im Bezirk Mödling ist die Zahl der Wildunfälle rückläufig.

Von Michelle Schüller. Erstellt am 14. Oktober 2020 (05:45)
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„2019 kamen vom Rehwild 257 durch Unfälle zu Tode. Das entspricht etwa einem Fünftel der Zahl, die wir auf dem Abschussplan hatten“, zieht Bezirksjägermeister Johannes Unterhalser aus Biedermannsdorf eine traurige Vorjahresbilanz. „Rehe sind, gefolgt von Hasen, die im Bezirk am meisten von Wildunfällen betroffenen Wildtiere. Von den Hasen wurden letztes Jahr 68 tot auf Straßen aufgefunden.“

Ich sage immer, wir sind die Gäste in der Natur, das Wild lebt dort. Jagdaufsichtsorgan Willi Radlinger aus Achau

Um die Zahl der Unfälle zu senken, wird bereits seit Jahren versucht, eine Lösung zu finden. „Eine sehr gute Maßnahme stellen die Wildwarnreflektoren dar. Wenn diese vom Licht, von Scheinwerfern bestrahlt werden, erzeugen sie ein für den Menschen nicht wahrnehmbares Licht, das aber die Tiere davon abhalten soll, der Straße näher zu kommen. Das Problematische daran ist jedoch, dass das nur in der Dämmerung und Nacht funktioniert, da es sonst zu hell ist und die Tiere das Licht nicht erkennen können“, erklärt der Bezirksjägermeister.

Anwendung gefunden hat das System bereits in Münchendorf – mit Erfolg. „Es gab dort eine großflächige Aktion, um Schutz für die Wildtiere zu garantieren. Seither gehen dort die Zahlen der Wildunfälle zurück.“

NOEN

Für dieses System tritt auch Jagdaufsichtsorgan Willi Radlinger aus Achau ein. „Ich weiß, dass man wirklich gute Erfahrungen damit macht. Es funktioniert. Was man nicht vergessen darf, ist, dass nicht alle Autofahrer Wildschaden melden. Es ist aber für das Tier, meist handelt es sich um ein Reh, eine furchtbare Qual, wenn es nur angefahren und noch nicht verendet ist.“ Bundesstraßen wie die B16 aber auch die B11 seien ein großer Risikofaktor für das Wild, „weil hier einfach schnell, oft zu schnell, gefahren wird“, sagt Radlinger.

Auch der Druck der Freizeitgesellschaft, die in Gebiete abseits von Wegen eindringt und dadurch Wild aufscheucht, sei verstärkt zu bemerken. „Ich sage immer, wir sind die Gäste in der Natur, das Wild lebt dort“, betont Radlinger.

Das größte Problem an den Schutzmaßnahmen sei, sagt Unterhalser, „die Finanzierung. Es ist niemand direkt für Dinge wie etwa die Wildwarnreflektoren zuständig. Ich würde mir daher wünschen, dass sich dabei vor allem die Versicherungen mehr einbringen“.

Bezirksjägermeister Johannes Unterhalser.
privat

Polizeilich gemeldet werden mehr Wildunfälle „in den Regionen Laxenburg, Wienerwald und Breitenfurt. Im städtischen Bereich kommt es seltener zu Meldungen“, berichtet Oberstleutnant Oliver Wilhelm, stellvertretender Bezirkspolizeikommandant. Knapp 200 seien es im Vorjahr zwischen Jänner und September gewesen: „Heuer bemerken wir einen leichten Rückgang“, sagte Wilhelm.

Auch Revierförster Sepp Brenner von den Österreichischen Bundesforsten im Wienerwald beleuchtet für die NÖN das große Problem der Wildunfälle. „Die Unfälle auf Straßen im Bereich Gaaden – Hinterbrühl sind glücklicherweise rückläufig. Dies ist möglicherweise auf eine Tankstelle, die rund um die Uhr geöffnet hat und somit dauerhaft beleuchtet ist, zurückzuführen“, erklärt Brenner. Über ein Wildwarnsystem wird auch hier bereits nachgedacht. „Wir hatten schon sogenannte Duftzäune in Verwendung, welche aber mit der Zeit bei den Tieren einen Gewöhnungseffekt erzeugt haben und somit nicht mehr verwendet werden können.“

Brenners Appell an die Autofahrer: „Bitte achtet auf angepasste Geschwindigkeit besonders in Dämmerung und Dunkelheit. Außerdem sollten die Warntafeln das Bewusstsein wecken.“

Richard Niernsee, Bezirksdirektor der Niederösterreichischen Versicherung in Mödling, empfiehlt beim Thema Wildunfälle „ein gutes Beratungsgespräch. Es gibt so viele Möglichkeiten, sich für den Ernstfall richtig versichern zu lassen“. Ein Muss sei jedoch die Teilkasko-Versicherung, „ein Minimum an Versicherungsschutz für den Ernstfall.“

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