Unternehmer fürchten sich vor den Lockdown-Folgen. Unternehmer im Bezirk Mödling kämpfen mit den Folgen des Lockdowns. Sie hoffen auf Unterstützungszahlungen und fürchten Online-Giganten.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 18. November 2020 (04:45)
Jasmin Seeliger hat ihr „Little Itali“ kurz vor dem Lockdown eröffnet.
Dworak

„Der Branche geht es nicht sehr gut, weil zwei Hauptsaisonen wegfallen, in denen der Kunde besonders spendabel ist, Weihnachten und Ferienbeginn.“ Kurt Chellaram, Bezirksvertrauensperson der Friseure, ist verzweifelt. „Der Lockdown trifft die Branche sehr hart, denn wir haben mit höchsten hygienischen Standards gearbeitet. Das mit den Entschädigungen hat beim ersten Lockdown noch nicht wirklich so gut geklappt, und ich genieße die Versprechen, die uns jetzt gemacht werden, auch nur mit Vorsicht.“

Elisabeth Dorner wird „rund um die Uhr“ für ihre Kunden da sein, verspricht sie.
Boeger

Im wahrsten Sinn kein Blatt vor den Mund nimmt sich Floristin Elisabeth Dorner aus Perchtoldsdorf: „Warum müssen die kleinen Geschäfte immer alles tragen? Wir treffen Vorkehrungen, halten Abstand, haben alle ein gutes Hygiene-Konzept und halten uns an alle gesetzlichen Vorgaben“. Sie betont, per Handy, Mail oder in sozialen Netzwerken für die Kunden „rund um die Uhr“ da zu sein und auch kontaktlos zuzustellen. „Der Online-Handel boomt – auch bei uns kann man Bestellungen aufgeben.“ Niemand müsse auf den Adventkranz verzichten. Als Fachgruppenobfrau der Reisebüros Niederösterreichs und Geschäftsführerin von „Optimal Reisen“ in Perchtoldsdorf kennt Sabine Riedl die Probleme und Sorgen der einzelnen Reisebüros im Bezirk besonders gut. „Besonders viel ändert sich für uns nicht. In Kurzarbeit wären wir so oder so bis März gemeldet gewesen.“

Reisebüros warten noch immer auf Hilfe

Das größte Problem sei jedoch, „dass Reisebüros keine Hilfe erhalten. Wir erhalten beispielsweise auch nicht die 80 Prozent der Umsatzausfallerstattung, obwohl wir in die Sparte Handel/Dienstleistung fallen.“ In keiner Verordnung werden etwa Reisebüros erwähnt. „Ein Gespräch bezüglich der Sonderregelung wurde uns für Mitte nächste Woche zugesagt.“ Eines steht für Riedl fest: „Eine Lösung muss her – und zwar bald. Es geht in immerhin um zahlreiche Arbeitsplätze.“

Christine Kladensky hofft, dass noch etwas vom Weihnachtsgeschäft-Kuchen überbleibt.
Hoblik

„Ich habe bis jetzt noch nicht um eine Unterstützung angesucht“, sagt Christine Kladensky von „Schuh Christine“ in Perchtoldsdorf. Angesichts des neuerlichen Lockdowns überlege sie es nun aber sehr wohl. „Es wird immer auf dem Rücken der Kleinunternehmer ausgetragen. Was glauben Sie, was die Konsumenten die nächsten drei Wochen machen werden: Online-Anbieter stürmen und für uns wird nichts übrig bleiben.“

Schlimm erwischt hat es Jasmine Seeliger, die ihr „Little Itali“ in der Neudorfer Straße am 30. Oktober eröffnet hat. Nicht, ohne vorher im Büro Kurz nachgefragt zu haben, ob es denn zu einem Lockdown komme. Seit 3. November gibt’s im Keller keine Veranstaltungen, die Kunden im Geschäft bleiben aus. „Man merkt richtig, wie ängstlich sie sind“, merkt Seeliger an. Unterstützungscent werde sie „keinen sehen, zumal die Vergleichswerte aus dem Vorjahr fehlen“: Als Nahversorger kann sie wenigsten im Lockdown geöffnet halten und Brot, Mehl, Nudeln, Wurst und sogar Klopapier anbieten. Ihren Wunsch, ein eigenes Lokal zu führen, hat sie umgesetzt, ob sie dne Schritt bereut? „Nein, ich bin eine Frohnatur.“

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