Heizkraftwerk sorgt für Wirbel. Vertreter der EVN Wärme GmbH präsentierten das geplante Biomasseheizkraftwerk für Biedermannsdorf an der Grenze zu Vösendorf.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 16. Dezember 2020 (05:55)
EVN Wärme GmbH-Geschäftsführer Alfred Freunschlag erläutert anhand dieser Darstellung, dass das Biomasseheizwerk von Bäumen umgeben werden soll, sodass es sich unauffällig in die Landschaft einfügt.
Jandrinitsch

Die Gemeinderatssitzung am Donnerstag wurde überschattet vom Diskussions-Thema Nr. 1: Dem geplanten Fernwärmeheizungswerkbau in der Marktgemeinde in der Nähe der Schönbrunner Allee unmittelbar an der Grenze zu Vösendorf.

Vier Vertreter der EVN, die beiden Geschäftsführer der EVN Wärme GmbH Gerhard Sacher und Alfred Freuenschlag, Pressesprecher Stefan Zach und Projektleiter Dominik Jarmer, erklärten den versammelten Gemeinderäten, dass dieser Standort ideal sei, weil „wir Energie hier in diesem Gebiet brauchen. Es gibt bereits einen Standort im Industriezentrum NÖ Süd, in Guntramsdorf, in Mödling und in Tribuswinkel. Aber gerade hier, in einer dynamischen, aufstrebenden Region, brauchen wir einen Standort, der Energie produziert, um ein wachsendes Gebiet zu versorgen“.

Andere Standorte wären wegen längerer Leitungen und den dadurch höheren Leitungsverlust weniger geeignet.

Die Biedermannsdorfer ÖVP stellt sich klar hinter as Projekt. So meinte Gemeinderat Wolfgang Heiss: „Ich bin grundsätzlich ein Befürworter dieses Projekts. Wenn die Nachbargemeinde das nicht will, ist das ihr Problem. Das Heizkraftwerk ist eine Investition in die Zukunft“. Und Bürgermeisterin Beatrix Dalos, ÖVP, stieß ins selbe Horn: „Es kann nicht jeder sagen, er sei für die Energiewende, aber wenn es darum geht, ein Heizwerk zu bauen, dann kann man nicht sagen, Fernwärme ist super, aber bitte nicht bei uns.“

Völlig in eine andere Richtung argumentierte Vizebürgermeister Sepp Spazierer, SPÖ: „Ein Heizwerk muss dort hingestellt werden, wo die Abnehmer sind, also Betriebe und großvolumiger Wohnbauten. Im Ökopark in Wiener Neudorf, das ist ein Standort für das Heizkraftwerk.“

Umweltgemeinderat Karl Wagner von den Grünen meinte, er habe Studien gelesen, die belegen, dass das Fernwärmeheizkraftwerk absolut umweltverträglich sei. Er plädierte dafür, einen der Studienautoren nach Biedermannsdorf einzuladen.

FPÖ versteht geplanten Standort nicht

Die FPÖ mit Christoph Luisser an der Spitze hinterfragte den Standort am vehementesten. Immerhin handle es sich hierbei um eines der letzten unverbauten Gebiete mitten im Grünland von Biedermannsdorf, der Bau eines Heizkraftwerkes würde dem Entstehen eines Betriebsgebietes Vorschub leisten. Luisser sorgte für die Überraschung des Abends, als er plötzlich einen Resolutionsantrag auf den Tisch legte, der ein „Nein zum geplanten Standort des EVN-Biomasseheizkraftwerks an der Grenze zu Vösendorf“ beinhaltete.

Der Resolutionsantrag sollte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, dem NÖ Landtag, der NÖ Landesregierung, der Bundesministerin für Klimaschutz sowie dem Vorstand und Aufsichtsrat der EVN AG vorgelegt werden, mit der Aufforderung an die Landeshauptfrau, alles in ihrer Macht stehende zu unternehmen, dass ein Kraftwerk an diesem Standort nicht gebaut wird. Die FPÖ und ein ÖVP-Gemeinderat stimmten für den Antrag, die restliche ÖVP-Fraktion dagegen. Die Grünen enthielten sich der Stimme.

Die Grünen äußerten den Wunsch, die EVN möge sich digitale Wege überlegen, um mit interessierten Bürgern das Projekt diskutieren zu können. Die EVN versicherte, dies zu tun. Auch sei eine Postwurfsendung in Ausarbeitung.

Auf NÖN-Nachfrage sagte Wiener Neudorfs Bürgermeister Herbert Janschka, ÖVP: „Das Heizkraftwerk bringt eine Feinstoffbelastung mit, die wir sicher nicht brauchen. Wir wollen umweltschonende Betriebe im Öko-Park ansiedeln. Wiener Neudorf ist für das Biomasseheizwerk keine Option.“

Umfrage beendet

  • Ist es sinnvoll, ein Biomasseheizwerk genau an der Grundstücksgrenze zur Nachbargemeinde im Grünland zu errichten?