Praktikumsplätze für angehende „Allgemeinmediziner". Bezirksärztesprecher Peter Fuhrich bietet in seiner Praxis in Biedermannsdorf ab sofort Praktikumsplätze für angehende Ärztinnen und Ärzte an. Schwerpunkt ist Werbung für „Allgemeinmediziner“.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 17. November 2020 (04:44)
Thomas Müller, Medizinalrätin Hana Fuhrich, Peter Fuhrich, Bernhard Sandarar und Julia Petrutziu vor der Lehr- Ordination.
Judith Jandrinitsch

Wie wichtig Allgemeinmediziner sind, zeigt jetzt gerade die Coronakrise. „Und der Ruf nach Praktischen Ärzten wird gerade dann sehr laut, wenn sich Gemeinden aufregen, weil sie keinen Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag mehr finden“, weiß Fuhrich.

Um zu zeigen, dass der Beruf eines Allgemeinmediziners am Land trotz aller Herausforderungen ein schöner und erfüllender ist, hat Fuhrich in Kooperation mit der privaten Karl Landsteiner-Universität in Krems erreicht, dass seine Ordi in Biedermannsdorf offiziell als Lehrordination gilt. „Es ist mir jetzt möglich, Medizinstudenten die Chance zu geben, praktisch bei mir mitzuarbeiten“.

Dass Fuhrich das auch ernst nimmt, hat auch Medizinstudent Thomas Müller aus Münchendorf erlebt. „Er gibt Studenten einen Vertrauensvorschuss, der dir auch hilft, deine Sache gut zu machen. Man hat das Gefühl, man ist kein Student, sondern bereits Turnusarzt.“

Nach wie vor stimmt Müller allerdings bedenklich, dass „ein Praktischer Arzt mit Kassenvertrag 8 Euro brutto pro Patient bekommt. Dadurch ist der Praktiker ja gezwungen, möglichst viele Patienten zu behandeln, wobei das Arzt-Patienten-Gespräch oft auf der Strecke bleibt. Nebenbei soll der Arzt auch gleich alles aufschreiben und dokumentieren, das frisst wieder Zeit.“

Zu den Aufgaben eines Hausarztes gehören auch Hausbesuche und Totenbeschau, „das Aufgabenspektrum ist unendlich, die Zeit aber nicht“, hat Thomas selbst miterlebt.

Julia Petrutziu aus Maria Enzersdorf studiert ebenfalls in Krems Medizin, ihre Eltern sind Ärzte. Ursprünglich hat sie sich von dem Praktikum „nicht viel erwartet. Doch ich habe schon am ersten Tag gemerkt, dass es hier anders läuft. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob ich es mir wirklich vorstellen kann, in die Allgemeinmedizin zu gehen, ich war aber positiv beeindruckt“.

Praxis hat „echt Spaß gemacht“

Medizinstudent Bernhard Sandarer aus Wiener Neudorf, hatte eigentlich nicht vor, Allgemeinmediziner zu werden. Doch die Praxis habe „echt Spaß gemacht. Ich habe sogar noch zwei Wochen in den Ferien angehängt, um mit dem Ius Practicandi (Anm.: Die Berechtigung zur selbstständigen Berufsausübung) neben einer etwaigen Facharztausbildung mehr Jobmöglichkeiten zu bekommen.“ Noch mehr Spaß würde die Tätigkeit als Allgemeinmediziner aber machen, „wenn mehr Zeit für die Patienten bleibt“, ist Sandarer überzeugt. „Ich habe sogar noch zu Hause darüber nachgedacht, was hinter dem Leid der Patienten stecken könnte“, erzählt Sandarer.

Wichtig sei es auch, dem schlechten Bild des Allgemeinmediziners in der Öffentlichkeit gegenzusteuern, auch wenn diesbezüglich in Niederösterreich schon Umdenken stattfinden würde.

Doch auch die finanzielle Benachteiligung gegenüber von Fachärzten müsse aufhören, denn, so betonen die drei Studenten unisono: „Ein Facharzt wird sich für 8 Euro brutto nicht hierhersetzen.“