Hinterbrühl: Projekt am Weg zur Volksbefragung. Nicht alle sind von der an der Johannesstraße geplanten Errichtung eines weiteren Supermarkts begeistert: Widerstand regt sich bereits.

Von Gaby Schätzle-Edelbauer. Erstellt am 07. Juni 2021 (04:48)
Die Bürgerinitiative „Auf der grünen Wiese“ setzt sich für den Erhalt der imposanten Grünfläche ein.  
Schätzle

„Es hat sich in der Gemeinde überparteilicher Widerstand organisiert“, meldet sich hinsichtlich der geplanten Errichtung eines BILLA-Markts an der Kreuzung Johannesstraße/Mannlichergasse nun ein Architekt zu Wort, der auch Projekte für die REWE-Gruppe plant: Peter Klein. „Es ist mir unbegreiflich, dass BILLA die Märkte so dicht platziert“, merkt er kritisch an: „Es gibt einen in Gießhübl, einen im Ort und einen in Maria Enzersdorf, an der Johannesstraße würde ein Outlet entstehen, das so groß ist wie das an der Hauptstraße in Maria Enzersdorf. Schon lange bedauere Klein „die Zersiedelung der Landschaft, die Tatsache, dass das Auto zum Muss erklärt wird“ und er findet es „mehr als schade, dass die Gemeinde die Regelung, dass nicht mehr als 350 m 2 bebaut werden dürfen, aufgelassen hat“.

Natur hat Vorrang vor Eigeninteressen

Dem Gespräch mit REWE sieht Klein auftragstechnisch gelassen entgegen: „Ich finde, dass ab einem gewissen Punkt die Natur vor den eigenen Interessen geht.“

Ortschef Erich Moser, ÖVP, weist darauf hin, dass alles bei der Bezirkshauptmannschaft Mödling abgewickelt werde: „Es ist also nicht Sache der Gemeinde, aber es ist gewidmetes Bauland. Und egal, wer dort baut, es könnten auch Wohnbauten entstehen, es gibt einen Rechtsanspruch. Bei einer Rückwidmung in Grünland könnten dann auch Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden. Es mag sich jeder vorstellen, wie das wäre, wenn es sich um sein Eigentum handeln würde.“

Klein seinerseits versteht prinzipiell die Unternehmensinteressen, strebt aber eine Volksbefragung an: „Die Bevölkerung wurde in dieser Sache einfach nicht gefragt, die Unterschriften von zehn Prozent der Wahlberechtigten sind nötig, damit sich die Gemeinde damit befassen muss und eine Volksbefragung möglich ist. Das sind 400 Leute, die unterschreiben müssen, unsere Gruppe umfasst derzeit 100 Personen, und wenn jeder von ihnen vier Unterschriften bringt, sind wir schon dort – das sollte kein Problem sein.“

Geht es nach REWE, habe man sich „im Falle von Hinterbrühl dazu entschlossen, einerseits den bestehenden Markt im Zentrum zu stärken und nach erfolgter Modernisierung weiter zu betreiben, und andererseits auch die Chance ergriffen, einen neuen Standort zusätzlich zu erschließen“, betonte Pressesprecher Thomas Gimesi.

Aktuell befinde sich das Projekt noch in einer frühen Phase: „Wir haben sämtliche Unterlagen bei der Behörde eingereicht und warten auf Rückmeldung. Aus diesem Grund ist es uns zum gegebenen Zeitpunkt noch nicht möglich, weitere Details zu nennen. Hinsichtlich der Aussage eines Architekten ist uns nichts bekannt.“

Privatgutachten liegt aktuell beim Land

Bezirkshauptmann Philipp Enzinger betonte auf NÖN-Anfrage: „Im Verfahren gibt es Unklarheiten betreffend die raumordnungsfachliche Beurteilung der Zulässigkeit des Vorhabens. Die Antragstellerin hat ein positives Privatgutachten vorgelegt, das derzeit im Amt der Landesregierung von den Raumordnungssachverständigen des Landes geprüft wird.“