Franziskaner-Hilferuf: Man fühlt sich im Stich gelassen. Einem besachwalteten Mann wurde eine Notschlafstelle gewährt. Jetzt müssen die Behörden reagieren.

Von Johanna Hoblik. Erstellt am 26. März 2020 (05:52)
Pater Alexander Puchberger vor einer der Notschlafstellen im Franziskanerkloster.
privat

Die besonders verzwickte Lage eines besachwalteten Brunners (60) lässt Pater Alexander Puchberger aus dem Franziskanerkloster Maria Enzersdorf gerade an den Behörden zweifeln. Das Bezirksgericht Mödling spricht Ende Februar nach häuslicher Gewalt gegen seine Mutter (93) ein Betretungsverbot aus und lässt den 60-Jährigen „dann allein“, merkt Puchberger an.

Der Sachwalter habe „noch nie den persönlichen Kontakt mit seinem Schützling gesucht“. Ein Nachbar nimmt sich des Herumirrenden an und bringt ihn in die Notschlafstelle des Franziskanerklosters. Jetzt fühlen sich diejenigen, die Hilfe geleistet haben, „alleingelassen“, übt Puchberger Kritik.

Er fragt sich: „Fehlt es an nötiger Information über den Gesundheitszustand des Betroffenen? In welchem Haus soll er zukünftig bleiben, wo doch derzeit die Ausgeheinschränkungen bestehen? Warum stimmen sich Gericht, Sachwalter und Behörden nicht ab? Ist niemand für diesen offensichtlich kranken Menschen zuständig?“

Appell an zuständige Stellen

Puchberger hat zumindest etwas davon gehört, dass ein Platz in einem Pflegeheim in Tulln beantragt worden sein soll. Allein die notwendige Feststellung der Pflegestufe wurde ausgesetzt, weil die zuständige Ärztin aus Mödling den Termin am 19. März wegen der Corona-Einschränkungen nicht wahrnehmen konnte. Ein erster richtiger Schritt, alleine: „Der Mann braucht eine Unterkunft mit psycho-sozialer Betreuung, kein Pflegeheim.“

Der Pater appelliert nun eindringlich an die zuständigen Stellen, rasch zu handeln: „Denn für einen längeren Aufenthalt einzelner Personen, besonders mit solch besonderen Bedürfnissen, fühlen wir uns besonders in der derzeitigen allgemeinen Situation völlig überfordert.“

Entsprechende „schriftliche Hilferufe“ wurden an alle zuständigen Behörden, Minister und den Bundespräsidenten geschickt. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, ÖVP, hat den Fall an die Beratungs- und Informationsstelle des Landes übertragen.