Romeo und Julia: Im Bann der Gefühle.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 30. Juli 2020 (17:10)

Auf der Bühne vor der Burg Perchtoldsdorf steht Mercutio, der alles daran setzt, seinen Freund Romeo auf eine Party zu locken. Unerkannt wollen sie hingehen, mit einer Maske vor dem Gesicht „mit flotten Sohlen tanzen“, Romeo hingegen will sich seinem Liebesleid hingeben und will lieber als „Fackelhalter dienen“.

Immer wieder Proben Romeo (Valentin Postlmayr) und Mercutio (Emanuel Fellmer) ihre Szene, so lange, bis Regisseurin Veronika Glatzner das Gefühl hat, dass die Figuren den Ansprüchen gerecht werden, die sie in ihrer Inszenierung haben.

Sehr hilfreich ist dabei die Neuübersetzung des Originaltextes von Veronika Messner, die laut Glatzner „eine sehr poetische, liebevolle Sprache des Textes hervorgebracht hat. Die Situationen darin sind sehr klar, die Figuren plastisch und gut vorstellbar. Es ist wirklich toll, dass die Burgspiele Perchtoldsdorf immer mit einer Neuübersetzung arbeiten“.

Einem Klassiker wie „Romeo und Julia“ etwas Neues abzugewinnen müsse doch sehr schwer sein, doch das findet die Regisseurin nicht.

„Ich habe vor einigen Jahren eine Inszenierung von Romeo und Julia“ gesehen, die hat mich überhaupt nicht berührt und angesprochen. Dabei steht für mich dieses Stück für die romantische Liebe, jeder von uns kann sich doch an die Verzückung der ersten Liebe erinnern. Jeder hat das doch einmal erlebt, und mit meiner Inszenierung möchte ich an diese Erinnerungen anschließen“, sagt Glatzner.

Das Spezielle an „Romeo und Juli“ aus ihrer Sicht ist: „Romeo und Julia erleben in nur drei Tagen die Verzückung der ersten Liebe, sie befinden sich also quasi auf deren Höhepunkt, aber beide werden von dunklen Vorahnungen gequält, dass diese Liebe nicht ungetrübt von langer Dauer sein wird, Todesahnungen begleiten sie“.

Um die Tragödie als Zuseher auch emotional zu bewältigen, hat Glantzner „den ersten Teil als Komödie inszeniert. Das hält man ja sonst nicht aus. Die Stimmung kippt nach dem ersten Teil, der mit einer beeindruckenden Kampfszene schließt, wirklich sehr spektakulär“. Im zweiten Teil nimmt die Tragödie seinen Lauf, Menschen sterben oder scheinen Tod zu sein, es wird um sie geweint, das Unglück steuert, befeuert durch Irrtümer und Missverständnisse, auf seinen Höhepunkt zu.

Die Fehde der Montagues und Capulets hingegen und eine mögliche Versöhnung zwischen den beiden Familien steht für Glatzner nicht im Zentrum des Stücks. „Im Prolog wird ja eigentlich das ganze Stück vorweggenommen. Auch der Tod der beiden Protagonisten. Man erfährt, dass beide Familien einst befreundet waren, ahnt, dass der Streit schon jahrzehntelang geht, auch wenn der Grund dafür nicht mehr ersichtlich ist. An eine Versöhnung zwischen den Familien glaube ich nicht, zu viel ist passiert, auch wenn die Familien am Schluss erkennen: Sie haben das Wichtigste verloren, was es zu verlieren gibt, ihre Kinder, Erben und Nachkommen.“

Premiere ist am 5. August, Karten gibt es unter der telefonischen Bestellnummer 01/96096-111 oder online unter online-tickets auf www.sommerspiele-perchtoldsdorf.at/

Info

Regie: VERONIKA GLATZNER

Dramaturgie und Übersetzung: ANGELIKA MESSNER

Bühne: ANDREAS DONHAUSER, PAUL STURMINGER

Kostüme: MARIE STURMINGER

Musik: POGO MICHAEL KRAINER

Intendanz: MICHAEL STURMINGER