Mödling: Anrainer schlägt Ersatzweg vor

Erstellt am 23. Juni 2022 | 05:14
Lesezeit: 4 Min
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Christopher Ehrlich will den Eschenbaum unter allen Umständen erhalten. Er sei ein Schattenspender und ein Paradies für Tiere wie Eichhörnchen. Dass der Baum krank ist, glaubt er nicht.
Foto: Foto JJ
Christopher Ehrlich versteht nicht, warum nicht Weg auf dem Sportplatzareal – der sogar schon besteht – zum Geh- und Radweg umfunktioniert wird.
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Christopher Ehrlich wohnt in einem Mehrparteienhaus gegenüber dem Sportplatzareal, das der Stadtgemeinde Mödling gehört und direkt an den Sportplatz des Gymnasiums Untere Bachgasse anschließt.

Jenes Gymnasium, bei dem viele Schülerinnen und Schüler, unterstützt vom Elternverein und einigen Lehrkräften auf die Barrikaden gingen, als bekannt wurde, dass rund 600 m² des Schulsportplatzes wegfallen werden, weil eine Durchwegung von der Bachpromenade zur Schleussner-Straße und zu einem künftig angedachten Schleussner-Park geschaffen werden soll. Die Proteste gipfelten in eine Demo vor dem Rathaus, Bürgermeister Hans-Stefan Hintner, ÖVP, war aber nicht zu sprechen, er weilte bei einer Sitzung in Wien, die NÖN berichtete.

„Wir Radler und Fußgänger brauchen ja keine Autobahn, es muss doch möglich sein, den bestehenden Weg so auszubauen, dass dieser wunderbare Baum am Weg stehenbleiben kann“
Christopher Ehrlich

Ehrlich bringt jetzt eine neue Facette in die Diskussion ein, die öffentlich noch nicht debattiert wurde: „Warum funktioniert man nicht einen Weg zum Geh- und Radweg um, der sowieso schon besteht?“, fragt Ehrlich und weist auf den Weg am Sportplatzgelände neben dem Kabinentrakt. „Wir Radler und Fußgänger brauchen ja keine Autobahn, es muss doch möglich sein, den bestehenden Weg so auszubauen, dass dieser wunderbare Baum am Weg stehenbleiben kann“, sagt der Anrainer. Der Baum ist ihm sehr ans Herz gewachsen, „es ist einfach toll, wenn man aus dem Fenster schaut und Eichhörnchen sieht, die am Baum auf- und ab sausen“, schildert Ehrlich.

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Es geht um diesen asphaltierten Weg neben der Laufbahn, der sich bereits am Sportplatzareal des Gymnasiums Bachgasse befindet.
Foto: Foto JJ

„In den letzten Jahren sind so viele Bäume in Mödling gefällt worden, hier ist ein kleines Naturparadies entstanden, das Schatten spendet und Tieren einen eigenen Lebensraum bietet“, führt er weiter aus. Denn es gehe nicht nur um die Esche am Weg, sondern auch um eine Baumreihe links des Weges in der Schleussner-Straße. „Das sind zwar keine Naturdenkmäler, sondern einfach nur Bäume wie Ahorn, Wilde Kirsche und ähnliche Exemplare. Für manche sicherlich wertlos und lästig, für andere wertvolles Grün“, sagt Ehrlich.

Gespräche habe er vor einigen Jahren mit dem damaligen Vizebürgermeister Gerhard Wannenmacher von den Grünen geführt.

Weg-Variante wurde von Stadt bedacht

„Von einem Verbindungsweg war damals keine Rede“, sagt Ehrlich. Von den Anrainern sei keiner über die geplante Durchwegung informiert worden, „es gab zwar zwei Bürgerbeteiligungen, eines zu den Rot-Kreuz-Gründen und eines zum Schleussner-Park. Aber Details über einen Weg wurden nicht besprochen.“ Vizebürgermeister Rainer Praschak von den Grünen nennt gewichtige Gründe, warum eben der Ausbau dieser Verbindung nicht möglich ist. „Den bestehenden Weg zu nutzen, war unser erster Gedanke. Das war quasi unsere Wunschvariante. Allerdings gehen die Notausgänge vom Stadion durch den Garderobentrakt unter der Tribüne auf diesen Weg hinaus. Es wäre aber nicht zulässig, einen Fluchtweg oder Notausgang so zu führen, dass er auf einer öffentlich benutzten Straße oder Gehweg endet“, erläutert Praschak.

„Da müssten wir die ganze Tribüne abreißen, das ist einfach zu aufwendig.“

Nachsatz: „Da müssten wir die ganze Tribüne abreißen, das ist einfach zu aufwendig.“ Deshalb habe man sich dazu entschieden, wegen der Notausgänge zwei Meter abzurücken – damit kommt man eben auf das Areal des Gymnasiums. Die Esche habe mit dem Weg nichts zu tun, das Stadtgartenamt habe ihn informiert, dass der Baum kaputt sei.

Praschaks Argumente überzeugen Ehrlich nicht. Für eine Esche sei dieser Baum „äußerst vital“. Er vermutet, dass „der Baum jetzt plötzlich krank ist, weil er eben im Weg steht. Ich überlege, ein Privatgutachten zu beauftragen – sofern die Gemeinde nicht diese Wochen Tatsachen schaffen wird. Es ist schon ein komischer Zufall, dass dieser schöne Baumriese genau jetzt gefällt werden soll, wenn der Baum mit dem Weg angeblich nichts zu tun hat“.

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