"Überzeugen, nicht überreden": Mödling ist Impf-Vorzeigeregion

79,2 Prozent der 119.240 Einwohnerinnen und Einwohner des Bezirks Mödling sind geimpft. Ein Höchstwert, nur knapp hinter Mistelbach (79,7%). 34,5 Prozent haben schon den dritten Stich geholt.

Erstellt am 08. Dezember 2021 | 05:28
Lesezeit: 3 Min
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Peter Klar – hier mit „Ärztezentrum Wienerwald“-Kollegin Julia Saleta und Bürgermeister Wolfgang Schredl – hat gemeinsam mit dem Team bei der Aktion in Breitenfurt am Wochenende 485 Impfwillige begrüßt und 35 Erststiche gesetzt, davon 23 bei Kindern unter 12 Jahren.
Foto: privat

Nummer 1 im Bezirk ist Laab im Walde: 84,6 Prozent Geimpfte, davon sind 55,4 Prozent bereits mit dem „Booster“ versehen. Gründe für die Impfoffensive hat Peter Klar parat: Allgemeinmediziner, Gemeindearzt, Notarzt, Facharzt in der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin im Universitätsklinik St. Pölten – und Bürgermeister in Laab im Walde („Miteinander für Laab“).

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Alireza Nouri impft an zwei Tagen in der Woche in seiner Ordi in Wiener Neudorf.
Foto: Schüller

Man habe aufgrund der Gemeindegröße (1.100 Einwohner) den Vorteil, dass man einander kennt, betonte Klar im NÖN-Gespräch. Seinem Team und ihm sei bald klar geworden, dass „von selbst nichts funktioniert. Also sind wir aktiv auf die Bürgerinnen und Bürger zugegangen, haben informiert, aufgeklärt und vor allem die ältere Generation aktiv bei den Online-Anmeldungen unterstützt“.

All das habe schlussendlich zu einer Eigendynamik geführt, durch die sich „die Leute quasi untereinander motiviert haben“. Von Vorteil sei auch gewesen, dass Klar auf der Intensivstation im Uniklinikum St. Pölten Covid-Patienten betreut und „sehr früh geimpft war“, was bei den Informationsgesprächen wegen der Erfahrungswerte kein Nachteil gewesen sei.

Im „Ärztezentrum Wienerwald“ in Breitenfurt, wo Klar als Allgemeinmediziner ordiniert, hat man (so wie in Wien) auch frühzeitig begonnen, Kinder im Alter zwischen 5 und 12 Jahren „off label“ (zulassungsüberschreitend) zu impfen. Der Ansturm sei gewaltig: „Wir haben sicher schon über 500 Kinder geimpft.“

„Stehen an vorderster Front und verlorenem Posten“

Er selbst sehe in St. Pölten tagtäglich das Leid auf der Intensivstation. „Es ist schwer, in Worte zu fassen, was wir alles erleben. Wir tun, was wir können, stehen an vorderster Front und doch sehr oft auf verlorenem Posten.“ Abseits vorgezeigter gefälschter Impfpässe und verzichtbarer Meldungen von Impfkritikern habe es wenigstens „bislang nur einen Patienten gegeben, der es trotz Behandlung auf der Intensivstation nicht bereut hat, nicht geimpft zu sein“, erzählt Klar. Auch das Warten auf den Tot-Impfstoff sei „gefährlich. Wir haben hervorragend wirkende Vakzine“.

Klars Zugang, die Impfquote im Allgemeinen zu steigern, ist ein eindeutiger: „Wir müssen überzeugen, nicht überreden.“

Auch Allgemeinmediziner Alireza Nouri in Wiener Neudorf freut sich, dass sein Impfangebot „schon gut angenommen wird. Einzig die Erstimpfungen sind noch immer sehr gering. Hauptsächlich impfe ich aber Personen, welche für den Drittstich zu mir kommen.“

Um dies zu ändern und auch Personen zur Erstimpfung zu ermutigen, leistet Nouri weiterhin Überzeugungsarbeit. „Ich versuche, meine nicht geimpften Patienten mit allen Details zu versorgen. Vor Kurzem konnte ich jemanden nach zehn Minuten davon überzeugen, dass es eine gute Sache ist, sich impfen zu lassen.“

Ein nicht leichtes Unterfangen. „Es kommen immer wieder auch Patienten mit Ausdrucken, in denen wirklich sehr viel Unsinn steht. Da gibt es die wildesten Verschwörungen, warum man sich nicht impfen lassen sollte.“

Nouri impft bis Jahresende jeden Montag und Mittwoch. „Montags sind die Erwachsenen an der Reihe, hier wurden letzte Woche 180 Personen geimpft. Die Kinder impfe ich mittwochs. Auch hier wurden letzte Woche schon 30 Kinder geimpft.“ Ab 2022 muss man sich direkt in der Praxis, nicht mehr über NotrufNÖ anmelden. „Wie das dann genau funktionieren wird, ist aber noch nicht ganz klar“, sagt Nouri.

Gaaden bemühte sich um die Motivation

Gaaden (1.650 Einwohner) hatte in den vergangenen Wochen einige Male die Nase vorn, ist jetzt mit 84,2 Prozent Geimpften knapp die Nummer 2 im Bezirk. „Wir haben uns von Beginn bemüht, die Leute zu motivieren“, erklärte Bürgermeister Rainer Schramm, Wir Gaadner. Das habe stets funktioniert. Auch in der Vorwoche war der Impfbus bestens ausgelastet: 294 Stiche. Und am 23. Dezember fährt der Impfbus erneut in Gaaden vor.

Auf – im österreichweiten Vergleich – hohem Niveau Letzter ist aktuell Kaltenleutgeben (3.350 Einwohner) mit 76,3 Prozent. Bürgermeisterin Bernadette Geieregger, ÖVP, setzt auf „Gespräche. Wir haben es nicht nur mit Impfgegner zu tun, sondern auch mit Personen, die durch die Vielzahl an Informationen überfordert sind. Ich denke, da gibt’s noch viel Potenzial“. Am 22. Dezember fährt der Impfbus in Kaltenleutgeben vor.

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