Stimmungsbild in Mödling: „Koalition von Gegnern der Demokratie“

Bezirkspolitiker aller Fraktionen über Lockdown, Impfpflicht und die Demos.

Erstellt am 24. November 2021 | 04:31
Coronavirus Symbolbild
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Foto: beton studio, Shutterstock.com

„Angesichts der dramatischen Entwicklung waren die Maßnahmen erforderlich“, meint Mödlings Nationalratsabgeordneter Hans Stefan Hintner, ÖVP. „Ungeimpft zu sein ist – abgesehen von medizinischen Indikationen – gesellschaftlich nicht solidarisch. Ich bedanke mich bei der Bevölkerung im Bezirk Mödling, die hohes Verantwortungsbewusstsein zeigen. Fast 77 Prozent haben ihren ersten Stich erhalten.“ Die Demos hält Hintner für mehr als nur verzichtbar: „Das ist eine Koalition von Gegnern der Demokratie, die auf alles andere als Gesundheitsthemen aus ist“.

„Propagandistische Selbstdarstellung“

Für SPÖ-Landtagsabgeordneter Hannes Weninger aus Gießhübl wurde „die Notbremse wieder viel zu spät gezogen. Statt sich mit einer wirkungsvollen Impfstrategie, der Belastung des Spitalpersonals und der zu erwartenden Infektionsexplosion zu befassen, hat sich die Regierung in propagandistischer Selbstdarstellung, internen Querelen und abgehobener Ignoranz verstrickt“.

Hannes Weninger
Hannes Weninger, SPÖ, hofft auf die „Allianz der Vernünftigen“.
 
SPÖ

Impfen, Testen und aufeinander Rücksicht nehmen, sei „jetzt wichtiger als Punschstand, Weihnachtsfeiern und skurrile Demonstrationen“. Die geplante Impfpflicht sei „so zu gestalten, dass sie von der großen Mehrheit der Bevölkerung akzeptiert wird. Den lauten Anhängern von Entwurmungsmittel und rechtsradikalen Verschwörungstheoretikern muss eine große Allianz der Vernünftigen gegenübertreten“.

Mit der Impfpflicht haben wir es geschafft, die Kinderlähmung auszurotten.“ Gerhard Wannenmacher Grünen-Bezirkssprecher

Grünen-Bezirkssprecher Gerhard Wannenmacher meint: „Der harte Lockdown wäre wahrscheinlich durch vorausschauende Maßnahmen zu verhindern gewesen. Dass Politiker ganz oben in der Regierung die Zeichen nicht haben sehen wollen, ist dem System Kurz geschuldet, das sich nach Meinungsumfragen und nicht nach den tatsächlichen Herausforderungen gerichtet hat.“ Was die Impfpflicht anlangt, „haben wir es geschafft, die Kinderlähmung auszurotten. Ich erinnere mich noch gut an das Stück Würfelzucker in meiner Kindheit.“

FPÖ-Bezirksparteiobmann Christoph Luisser, Biedermannsdorf, ortet „ein Multiorganversagen der politischen Verantwortungsträger in der Bundesregierung und in den Ländern“. Verantwortungsvolle Politiker würden Lösungen suchen, „diese Regierung sucht nach Schuldigen. Anstatt endlich einzugestehen, dass man vor Monaten falsch abgebogen ist, treibt die Regierung die Hetzjagd gegenüber Ungeimpften auf die Spitze der Menschenverachtung. Der Lockdown und sämtliche Zwangsmaßnahmen sind eine Bankrotterklärung für die vielfach propagierte Wirkung der Impfung.“

Christoph Luisser
Christoph Luisser, FPÖ, glaubt an „Multiorganversagen“ der Regierung.
 
FPÖ

NEOS halten „Wiener Weg“ für zielführender

Nationalratsabgeordnete Martina Künsberg-Sarre aus Perchtoldsdorf erklärt die NEOS-Linie so: „Dieser erneute Lockdown in ganz Österreich, auch für Geimpfte, ist das Ergebnis eines Totalversagens dieser Bundesregierung und der Mehrheit der Landeshauptleute. Wir sind der Meinung, dass der Lockdown in dieser Form zu weit geht; der konsequente und vorausschauende Wiener Weg, etwa mit 2-G und 2-G-plus in der Gastro, der Richtigere wäre.“

Martina Künsberg Sarre
Martina Künsberg Sarre, NEOS, ortet „Totalversagen der Regierung“.
 
Simonis

Künsberg-Sarre ist „nicht grundsätzlich gegen eine Impfpflicht, hält sie aber für „eine weitere Bankrotterklärung der Bundesregierung.“

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