Die guten Werke zählen am Rodauner Kirchenplatz. Drei Frauen pro Aufführung statt einem Mann - die frauJEDERMANN-Produktion von Marcus Marschalek hat den Nerv der Zeit getroffen.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 14. September 2021 (13:43)

Der Applaus toste am Sonntag über den Rodauner Kirchenplatz, die letzte Aufführung von frauJEDERMANN war ausverkauft. Das Experiment von Marcus Marschalek, der Regie führte und hauptberuflich in der Religionsabteilung des ORF arbeitet, ist geglückt. Eine Frau den Text von Hugo von Hofmannsthal sprechen zu lassen, hier in Rodaun, wo der Schriftsteller den "Jedermann" geschrieben hat, gab dem Stück eine eigene Aktualität. Denn eigentlich waren es ja drei Frauen pro Stück, eingeteilt in eine rote und grüne Gruppe, um "Coronasicher" zu sein. Und die Pandemie vereitelte die Aufführungspläne auch um zwei Jahre, doch das Ensemble hielt zusammen, die Zeit des Wartens hat sich gelohnt. "frauJEDERMANN ist eine toughe Geschäftsfrau, die sich um ihr Haus und ihre Angestellten kümmert. Ihr Problem ist, warum sie uns wenig sympathisch erscheint, dass sie ihre Beziehungen auf eine rein funktionale Ebene reduziert", sagt Marschalek. 

Auch im Ensemble sind wundersame Dinge geschehen. Paare haben sich wieder gefunden, die sich eigentlich trennen wollten, Kinder wurden geboren. Das Leben ging im guten und positiven Sinn weiter - trotz der Pandemie. Marschalek bewältigte auch die Herkulesaufgabe, alle Rollen doppelt zu besetzen - es spricht wohl für den Regisseur, dass alle Darstellerinnen und Darsteller nicht nur auf der Bühne agierten, sondern auch das Organisatorische hinter den Kulissen bewältigten. Von der Ausschank am Buffet bis zur Kontrolle der 3G-Eintrittsregeln.