Gschmeidler behält seine Promenade. Aufreger im Gemeinderat / In der nicht öffentlichen Sitzung ist die Entscheidung gefallen. ÖVP stimmt gegen Umbenennung.

Erstellt am 26. Juni 2013 (00:00)
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Die Franz Gschmeidler-Promenade bleibt die Franz Gschmeidler-Promenade. Das ist das Ergebnis der Diskussion im nicht-öffentlichen Teil der freitägigen Gemeinderatssitzung. Dworak
NOEN
Von Christoph Dworak

MÖDLING / 1969 wurde ihm der Ehrenring der Stadtgemeinde Mödling überreicht. Ebenso wie das Goldene Ehrenzeichen des Landes NÖ und der Stephanus-Orden der Erzdiözese: Franz Gschmeidler (1879 – 1972), Gründer und Herausgeber der „Mödlinger Nachrichten“.

In der Ära von SPÖ-Bürgermeister Heinz Horny und Vizebürgermeister Harald Ofner, FPÖ, wurde 1978 die Franz Gschmeidler-Promenade (zwischen Grenzgasse und Hanns Schürff-Gasse) eröffnet.

Im Herbst 2011 ließ SPÖ-Gemeinderätin Cornelia Rausch aufhorchen. Sie sei zufällig darauf gestoßen, dass Franz Gschmeidler „massiv an der Judenhetze in Mödling beteiligt gewesen sein soll“. Ergo dränge die SPÖ darauf, dass die Promenade ehebaldig umbenannt werden möge.

Bürgermeister Hans Stefan Hintner, ÖVP, sagte zu, den Sachverhalt historisch prüfen zu lassen und machte deutlich, dass „wir etwas unternehmen werden, wenn etwas dran sein sollte“.

Ende 2012 war das wissenschaftliche Gutachten, erstellt von Peter Schwarz im Auftrag des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW), fertig, der zuständige Stadtrat Gerald Ukmar, ÖVP, bat damals die Fraktionen um Vertraulichkeit. Etwas, an das sich SPÖ-Stadtparteiobmann & Vizebürgermeister Andreas Holzmann „in Anbetracht der Erkenntnisse über die Person Franz Gschmeidler, die mich beim Durchlesen sehr betroffen gemacht haben, sicher nicht“ halte.

Das Gutachten wird seitdem auf der SPÖ-Mödling-Homepage veröffentlicht.

Am Freitag wurde im nicht öffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung über den SPÖ-Antrag auf Umbenennung der Franz Gschmeidler-Promenade diskutiert. Das Ergebnis: Die ÖVP bleibt bei ihrem Nein. Offizielle Begründung gibt es unter Hinweis auf die nicht öffentliche Sitzung keine, macht Ukmar auf NÖN-Anfrage deutlich.

Für Vizebürgermeister Gerhard Wannenmacher vom grünen Koalitionspartner ist die Entscheidung für die Beibehaltung des Namens „falsch und für Mödling beschämend“.

Auch Andreas Holzmann, SPÖ, findet es „bedauerlich, die Vergangenheit nicht aufzuarbeiten und die Promenade umzubenennen“. Zudem denke er nicht daran, das Gutachten von der Homepage zu nehmen. „Es wurde mit Steuergeldern bezahlt und geht die Öffentlichkeit sehr wohl was an“, meint er.

Tourismus-Stadtrat Daniel Könczöl, FPÖ, hingegen ist „gegen diese Art von Denkmal-Sturm. Wo fängt der an, wo hört er auf?“ Zudem weigere er sich, die noch lebenden Angehörigen öffentlich bloßzustellen.