Sprachtrainerin motiviert mit Büchern zum Deutschlernen. Sprachtrainerin Sabine Wiesmayer hat Geschichten in „einfachem Deutsch“ in Buchform festgehalten.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 13. September 2020 (04:46)
Sabine Wiesmayer will mit ihren Büchern Mut zum Lesen machen. Auch oder gerade dann, wenn man mit der deutschen Sprache noch nicht sehr vertraut ist.
Jandrinitsch

Rund fünf Prozent der österreichischen Bevölkerung sind Analphabeten. „Sie schummeln sich irgendwie durchs Leben, weil sie nie richtig Lesen gelernt haben“, sagt Sabine Wiesmayer, die als ausgebildete Deutschlehrerin Erwachsenen Deutsch beibringt. Ob Führungskräfte internationaler Firmen oder geflüchtete Frauen, die in einem Berufsausbildungszentrum Deutsch lernen wollen, oder Analphabeten aus Österreich oder Afghanistan – Wiesmayer weiß, was es alles gibt.

Den Lockdown hat sie dafür genutzt, um ein Segment zu füllen, das bis jetzt vernachlässigt war: Einfaches Deutsch, ganz speziell Geschichten in einfachem Deutsch, die motivieren sollen, weiter diese Sprache zu lernen.

„Alle meine Aufträge brachen weg. Also habe ich die Zeit genutzt, um ein Herzensprojekt zu realisieren: Bücher in einfachem Deutsch. Die Geschichten sind solche, die zeigen, wie jemand ein Problem bewältigt hat. Wer beginnt, Geschichten in einfachem Deutsch zu lesen, der beginnt auch, ein Problem zu bewältigen – seine mangelnden Sprachkenntnisse.“

Menschen als Vorbild

Wer noch unsicher ist, ob er richtig liest und betont, der gibt eine Adresse ins Internet ein und hört sich die Geschichten einfach an. „Ich habe die Menschen natürlich vorher gefragt, ob ich ihre Geschichten in meinem Buch verarbeiten darf. Die Meisten haben sich sehr gefreut“, erzählt Wiesmayer. Dabei drehen sich die Geschichten nicht nur um die Schicksale von geflohenen Menschen, in einem Band hat die Sprachlehrerin auch starken Frauenpersönlichkeiten aus Hennersdorf ein Denkmal gesetzt.

So erfahren die Leser in einfachen, sich wiederholenden Worten, wie „Martha mit den roten Lippen“ noch mit 60 Turnlehrerin wird und eine gelernte Krankenschwester ihren an Demenz erkrankten Ehemann bis zuletzt begleitet und lernt, auch nach dessen Tod Sinn im Leben zu finden.