Lydia Prenner-Kaspar: "Bin ein Situations-Staubsauger"

Kabarettistin Lydia Prenner-Kaspar (38) ist in den nächsten Tagen mit ihrem Gala-Spezialprogramm "Salon Lydia" zu Gast in den Bezirken Mödling und Baden. Vor zehn Jahren wurde die Wienerin in Gumpoldskirchen im Rahmen eines Wettbewerbs entdeckt.

Erstellt am 05. Oktober 2021 | 17:03
New Image
Lydia Prenner-Kasper ist mit ihrem "Salon Lydia"-Spezialprogramm unter anderem im BRUNO in Brunn am Gebirge und im "Kaiserbahnhof" in Laxenburg zu Gast.
Foto: lynephotography.com

NÖN: Es ist zehn Jahre her, dass Sie in Gumpoldskirchen den Nachwuchs-Wettbewerb ,Wer bringt den König zum Lachen?‘ für sich entscheiden konnten. Mit ihrer Schneewittchen-Version auf Favoritnerisch konnten Sie die Jury und ,König‘ Günther Lainer überzeugen. Wie hat sich Ihre Karriere seit damals entwickelt?

Lydia Prenner-Kasper: Ich war vorerst weiterhin als Sozialpädagogin beschäftigt. Parallel dazu sind die Anfragen und Termine erfreulicherweise immer mehr geworden, bis ich mich im Jahr 2016 Hals über Kopf entschieden habe, zu kündigen und es hauptberuflich als Kabarettistin zu versuchen. Einen Tag später kam die Zusage von Puls 4, dass ich von dort an fixes Mitglied am Witze-Stammtisch sein würde. Irgendwie muss ich bei meiner Kündigung gespürt haben, dass es der perfekte Zeitpunkt war.

Seit 2011 haben Sie nicht weniger als sieben Programme auf die Bühne gebracht: ,Red net so schiach‘, ,Muttitasking‘, ,Weiberwellness‘, ,Krötenwanderung‘ und ,Damenspitzerl‘ sowie das Gala-Spezialprogramm ,Salon Lydia‘ und das Weihnachtsprogramm ,Leise pieselt das Reh‘. 2022 steht schon das nächste Stück an - Ihr neues Programm „Damenspitzerl“ hat im Jänner 2021 Premiere. Geht Ihnen nie der Stoff aus?

Prenner-Kasper: Ganz im Gegenteil. Ich bin ein Situations-Staubsauger. Es gibt – gerade in gesellschaftlich turbulenten Zeiten – derartig viel Stoff, den man förmlich verwerten muss. Und wenn das Publikum mir dann zwei Stunden zuhört und lacht, dann fühle ich mich verstanden.

Apropos Lachen: Woher nehmen Sie dieses offensichtlich nicht enden wollende Reservoir an Witzen für die Puls 4-Show?

Prenner-Kasper: Das ist beinharte Recherche. Je mehr wir erzählen oder erzählt bekommen, desto schwieriger wird es auch, neue Witze zu finden. Aber dennoch ist es immer wieder toll, wenn wir unsere Mitstreiter und das Publikum mit neuen Witzen überraschen können.

Haben Sie noch Kontakt zu Ihrem ,König‘ Günther Lainer?

Prenner-Kasper: Natürlich. Wir haben erst vor Kurzem eine Folge für die ORF-Show ,Was gibt es Neues?‘ gedreht, in der wir beide dem Rateteam angehörten. Ich mag Günther. Er ist stets am Boden geblieben und kann über sich selber lachen. So etwas schätze ich sehr.

Sie sind bekannt für Ihre markigen Sager in ,schiacher‘ Sprache. Bleibt die auch künftig ihr Markenzeichen?

Prenner-Kasper: Ich finde, dass man alles, was es gibt - somit auch die menschlichen Untiefen - ansprechen dürfen muss, um gesellschaftliche Tabus zu brechen. Meine Zuseherinnen und Zuseher melden mir rück, dass sie sehr dankbar dafür sind, dass ich Themen behandle, die sie sich vielleicht nicht so besprechen trauen.

Hätten Sie vor zehn Jahren gedacht, dass Sie einmal mit Kabarett Ihr Geld verdienen werden?

Prenner-Kasper: Nein. Über diese Tatsache bin ich immer noch überrascht. Und ich bin jeden Tag dankbar dafür.

Künstler und Veranstalter kämpfen aktuell damit, wieder das Publikum in die Säle zu bekommen. Was muss passieren, um auch hier zur Normalität zurückzukommen?

Prenner-Kasper: In erster Linie muss Schluss mit den widersprüchlichen Pressekonferenzen sein. Klarheit muss her und keine missverständlichen Regeln, wonach in jedem Bundesland etwas anderes gilt. Ich bin sehr dafür, dass wir das Rad – Veranstaltungen, auch wenn sie nicht ausverkauft sind, stattfinden zu lassen – nicht stoppen dürfen. Wir müssen auch als Künstler den gesunden Mittelweg in und aus der aktuellen Situation finden. Schon alleine aus einem Grund: Wo Menschen zusammenkommen, hat man ,an Koarl‘. Und dafür trete ich auf.