Mödlinger Orchester meisterte prekäre Situation. Vor dem Konzert fielen sechs Geiger aus. In drei Tagen gelang es dennoch, die „Unvollendete“ einzustudieren.

Von Gaby Schätzle-Edelbauer. Erstellt am 15. Oktober 2020 (04:22)
Dirigent Daniel Auner und Solistin Alexandra Tirsu, ihnen und dem Orchester gelang unter den gegebenen Bedingungen eine Meisterleistung.
Schätzle

Was sich in den drei Tagen vor dem Konzert des Mödlinger Symphonischen Orchesters (MSO) in der Perchtoldsdorfer Burg gleich zweimal, im Rahmen einer Matinee und eines Abendkonzertes, hinter den Kulissen abgespielt hat, konnte man nach den einleitenden Worten von Kurt Klar erahnen: „Auch an uns ist Covid 19 nicht spurlos vorüber gegangen.“

Wenige Tage vor der Aufführung wurde einer der Geiger positiv getestet. Man schaltete sofort die Gesundheitsbehörde ein und ließ alle, die bei der Probe im Umkreis gesessen waren, testen.

Zum Glück waren alle negativ, mussten aber in Quarantäne. Somit fielen sechs Geiger, darunter die erste und zweite Konzertmeisterin, für die Aufführung aus.

Dirigent Daniel Auner versuchte, umzuschichten und aufzufüllen. Keine leichte Aufgabe. „Es fehlten uns ganz wichtige Stützen im Orchester, dieses war mit dieser Situation aufs Äußerste gefordert.“

Somit konnten die auch für Profis schwierigen „Symphonische Tänze“ von Rachmaninoff nicht aufgeführt werden. Das Orchester stand vor der Aufgabe, innerhalb von drei Tagen unter absolut schwierigen Bedingungen statt dessen Schuberts „Unvollendete“ einzuüben.

Dazu erklärte sich Solistin Alexandra Tirsu bereit, in Beethovens „Prometeus“-Ouvertüre und in der „Unvollendeten“ die Funktion der Konzertmeisterin zu übernehmen.

Und während Tirsu in Mozarts „Violinkonzert A-Dur“ das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinriss, spielte Dirigent Daniel Auner derweil die „Erste Geige“.

Die musikalische Leistung des Orchesters kann nicht hoch genug eingeschätzt werden, alle Stücke gelangen in Vollendung. Alexandra Tirsu fesselte mit einer hinreißenden Mozart-Interpretation, einem Stück, das der Komponist noch in seiner Zeit als Geigenvirtuose geschaffen hatte. Schon vor der Pause forderten die Zuhörer von Tirsu eine Zugabe.

Nachdem die aus Moldawien stammende Künstlerin gerade aus der Türkei angereist war, hatte sie sich ein temperamentvolles und ausdrucksstarkes türkisches Stück dafür ausgesucht.

Nach der Pause wuchs das Orchester mit einer vitalen vollendeten „Unvollendeten“ über sich hinaus.

Auner zeigte sich von der Meisterleistung des Orchesters begeistert: „Das Ensemble hat sich in diesen drei Tagen so in die Erarbeitung der ,Unvollendeten’ hineingesteigert und alle Kräfte mobilisiert. Rachmaninoff wird nachgeholt.“