Mödlingerin schreibt "Kaisers neue Schrift". Die Kalligrafin Eva Pöll gestaltete die Schriften bei Maximilian-Ausstellung im Stift Klosterneuburg.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 11. Mai 2019 (04:11)
Jandrinitsch
Eva Pöll zuhause an ihrem Arbeitsplatz in Mödling. Hier schreibt sie gerade in der Schrift Fraktur mit einem Pinsel in weißer Guache, einer deckweißähnlichen Farbe, auf schwarzes Leinen.

Die Jahresausstellung 2019 im Stift Klosterneuburg beschäftigt sich unter dem Titel „Des Kaisers neuer Heiliger“ mit den beiden Herrschern Maximilian I. und Markgraf Leopold III.

Maximilian wollte vor allem eines: Der Nachwelt von seinem Leben erzählen, um selbst unvergessen zu bleiben.

Schrift hatte für Maximilian eine große Bedeutung, er erkannte ihre Macht, in Form von Erzählungen für die Nachwelt etwas Bleibendes zu schaffen. Für die zahlreichen Kalligrafien in der Ausstellung die Maximilians Absicht belegen, ist die Mödlinger Kalligrafin Eva Pöll verantwortlich.

Sie erzählt: „Der Kontakt kam über den Bibliothekar der Stiftsbibliothek Klosterneuburg, Martin Haltrich, zustande. Ich war in der Bibliothek, um alte Handschriften zu studieren, wo ich natürlich auch den Bibliotheksleiter kennenlernte. So bin ich schließlich auch zum Team jener gestoßen, die die Ausstellung mitgestaltet haben.“

Stift Klosterneuburg
Stammbäume gaben nicht immer die ungefilterte Realität der Familiengeschichte wieder. Dieser wurde in Klosterneuburg von Eva Pöll gestaltet.

Gerade hatte Johannes Gensfleisch, besser bekannt als Johannes Gutenberg, den Buchdruck erfunden, und der Kaiser, stets knapp bei Kasse, erkannte in beliebig vervielfältigbaren Niederschriften von Memoria und Heldengeschichten die Chance, selbst unauslöschlich im Gedächtnis der Menschheit zu bleiben.

Dafür musst eine besondere Schrift her, „die Schrift des Kaisers“, wie Kalligrafin Eva Pöll die Schrift Fraktur nennt.

Diese fasziniert Pöll immer noch, denn: „Bei ihr kann man anhand der vielen Schwünge sehen, dass sie sich aus einer Handschrift entwickelt hat. Das ist bei späteren Schriften, die alle nur mehr in Bleilettern gegossen wurden, nicht mehr der Fall.“ Erstmals durfte Pöll Fraktur auch auf die Wände einer Ausstellung aufbringen, was die Künstlerin sehr stolz macht.

Dafür verbrachte sie seit Dezember vergangenen Jahres viel Zeit in ungeheizten Räumen im Stift Klosterneuburg.

Sie schmunzelt: „Ich musste für die Kalligrafien an der Wand immer wieder von der Leiter klettern und dann wieder hinauf, das hat mich sehr aufgewärmt.“ Das Ergebnis der Arbeit von Eva Pöll können Besucher der Ausstellung bis 17. November begutachten.