Das „Castello“ ist endgültig Geschichte. Das historische Gebäude, das einst ein Kino und eine Disco beherbergte, ist dem Erdboden gleichgemacht.

Von Daniela Purer. Erstellt am 22. August 2019 (06:58)
NOEN
Der Abbruch ist erledigt. Das Castello ist Geschichte.

Nun sind auch sie weg – die Türme des ehemaligen Lichtspielhauses und der späteren Disco „Castello“. Entgegen vieler Behauptungen ist der Abbruch jedoch berechtigt, denn sie standen nicht unter Denkmalschutz, wie Bürgermeister Josef Graf, SPÖ, gegenüber der NÖN bestätigt: „Die Türme waren weder denkmalgeschützt, noch stand das Gebäude seit Kurbetriebszeiten jemals in Besitz der Gemeinde.“

Zwar wurde es in der Vergangenheit versteigert, die Gemeinde bot aufgrund des desaströsen Zustandes nicht mit. Der private Eigentümer plant nun Wohnungen. „Ursprünglich hätten die Türme stehen bleiben sollen, man hat sich dann aber umentschieden“, verrät Graf die Pläne des Eigentümers. „Da man den Bau dilettantisch begonnen hat, wurde die Tragstruktur des linken Turmes geschwächt.“

Grüner Rettungsversuch scheiterte

Gemeinderätin Gabriele Gerbasits von den Grünen hätte sich eine Nutzung seitens der Gemeinde gewünscht: „Viele Jahre stand das Gebäude leer, verfiel zunehmend, Verkauf und Nutzung scheiterten wiederholt. Die zentrale Lage am Hauptplatz, der ohnehin eine desaströse Ortsbildentwicklung hinter sich hat, hätte sich für eine Nutzung durch die Gemeinde angeboten“, ist Gerbasits überzeugt.

Zuletzt startete man seitens der Grünen 2018 einen Rettungsversuch, bei dem das Objekt von einem Makler besichtigt und die Bausubstanz für in Ordnung befunden wurde. „Wir redeten mit Sponsoren und entwarfen ein Crowdfunding-Modell. Doch die wenigen Wochen im Sommer reichten nicht, um eine seriöse Finanzierung aufzustellen“, bedauert Gerbasits.

Purer
Keine Chance – auch die markanten Türme konnten nicht erhalten werden.

Der Vorschlag, zumindest das Erdgeschoss und die Türme als öffentlichen Raum für Veranstaltungen, die Bibliothek und ähnliche kulturelle Nutzungen zu erhalten, sei auf wenig Interesse der anderen Fraktionen gestoßen, erzählte Gerbasits.

VP-Gemeinderätin Bernadette Schöny hält es für „schade, dass alte Gebäude abgerissen werden und so sukzessive immer mehr von unserem geschichtsträchtigen Ort verschwindet. Wir haben uns ebenfalls für eine gemeinschaftliche Nutzung des Gebäudes ausgesprochen und hätten uns gewünscht, dass es in irgendeiner Form erhalten bleibt.“