"Oldtimer" in Guntramsdorf empfängt doch Gäste. Mineralölfirmen als Verpächter fordern, dass der Betriebspflicht nachgekommen wird.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 26. Juni 2020 (05:13)
Das Oldtimer-Restaurant in Guntramsdorf.
Thomas Lenger/monatsrevue.at

Für Überraschung sorgte eine Presseaussendung in der Vorwoche, in der Anton Kothmiller, Geschäftsführer der Oldtimer Tankstellen Betriebs-GmbH ankündigte, die Autobahnraststationen in Guntramsdorf, Zöbern, Pack und Oed nach der Corona-bedingten Schließung nicht mehr aufsperren zu wollen.

Zu groß seien die finanziellen Belastungen, die er stemmen müsse, „der Reiseverkehr für heuer ist gelaufen. Wir könnten erst ab Mai 2021 vernünftig durchstarten“, sagte Kothmiller der APA gegenüber.

Dazu kämen noch die hohen Spritpreise an den Autobahnen-Tankstellen sowie die direkte Konkurrenz durch die ASFINAG, die in moderne Selbstversorgungsraststätten errichtet habe. 100 Mitarbeiter hätten ihr Jobs verloren.

Doch dann war alles ganz anders, ab Montag, 15. Juni, hatte auch das „Oldtimer“ in Guntramsdorf wieder offen.

Ausschlaggebend dafür dürfte die Betriebspflicht sein, zu der die Bestandsnehmerin der gesamten Liegenschaft, die ASFINAG, ihre Vertragspartner verpflichtet hat. Sprecherin Alexandra Vucsina-Valla erklärt: „Wir halten fest, dass kein direktes Vertragsverhältnis mit den Betreiberfirmen der Raststationen Oldtimer besteht, sondern an den betroffenen Standorten ausschließlich Mineralölfirmen (in Guntramsdorf BP, Anm.) Vertragspartner der ASFINAG sind. Auch die Einhaltung der vertraglich vereinbarten Betriebspflicht betrifft die Mineralölfirmen.“

Noch immer: Weniger Autofahrer auf A2

Allerdings habe die ASFINAG im Wissen, dass eine Wiederinbetriebnahme der Raststätte eine gewisse Vorlaufzeit benötige, allen Gastronomiebetreibern die Möglichkeit eingeräumt, die Anlagen stufenweise bis spätestens 15. Juni, wieder in Betrieb zu nehmen. Bis auf die Firma Oldtimer hätten alle Raststationsbetreiber positiv auf diese Möglichkeit reagiert.

Eine Konkurrenzsituation der Selbstversorgerrastplätze versus Gastronomiebetriebe sieht Vucsina-Valla nicht. „Unsere Rastplätze wurden in einem jeweils geeigneten Abstand zu den Raststationen errichtet und stellen somit keine wirtschaftliche Konkurrenzsituation für die 87 Raststationsbetreiber dar. Vielmehr sind sie eine notwendige Ergänzung des gesamten Rastangebots für mehr Verkehrssicherheit und Service – insbesondere auch im Hinblick auf den ständig steigenden Bedarf an Lkw-Stellplätzen für die vorgeschriebenen Ruhepausen.“ Für die ASFINAG sei die volle Bereitstellung des gastronomischen Service’ wesentlich, „damit die Kundinnen und Kunden möglichst bald wieder das vollumfängliche Angebot an Autobahnen und Schnellstraßen in Anspruch nehmen können“.

BP-Pressesprecher Peter Kretzschmar, fügt hinzu: „Die ASFINAG ist Bestandsnehmerin, was das gesamte Gelände betrifft. Anton Kothmiller hat mit BP einen Vertrag, streng genommen haben wir eine Betriebspflicht über das ganze Gelände. Die Ankündigung von Herrn Kothmiller hat uns sehr überrascht, weil es einen bestehenden Vertrag mit ihm gibt. Er ist ja seiner Betriebspflicht auch nachgekommen, indem er am 15. Juni wieder geöffnet hat, ein aktuelles Problem sehe ich nicht.“

Praktisch an der Front in Guntramsdorf als Geschäftsführer der Oldtimer Betriebs-GmbH steht Franz Perner seit 22 Jahren im Auftrag von Anton Kothmiller. Er sieht die gegenwärtige Situation so: „Jetzt, wo die Grenzen wieder offen sind, freuen wir uns auf Gäste aus Ungarn, Tschechien, Polen und der Slowakei. Bei uns kehren 50 Prozent Stammgäste ein, dazu gehören auch Geschäftsreisende, die aber vielfach noch im Homeoffice sind und daher ausfallen. Bis jetzt hatten wir erst zwei Reisebusse. Wir hoffen, dass das Geschäft wieder in Schwung kommt, wir sind gerne für unsere Gäste da, aber wir erwarten faire Bedingungen, die finden wir im Moment nicht vor.“

Stammgäste bleiben aus, Benzinpreis hoch

Das größte Problem sei, dass wegen der aktuellen Treibstoffpreise kaum jemand zum Tanken das Oldtimer-Areal aufsuche. „Unser größter Feind ist der Benzinpreis. Es ist eine Tatsache, dass der Gesamttreibstoffumsatz auf den Autobahntankstellen in den vergangenen zehn Jahren ständig zurückgegangen ist. Hatten wir vor zehn Jahren rund 1,5 Cent Differenz zum normalen Tankstellennetz, so liegen wir jetzt bei einer Spanne zwischen 20 und 60 Cent. Ich weiß auch von vielen Geschäftskunden, dass sie von ihren Firmen dazu angehalten werden, nicht auf der Autobahn zu tanken, maximal in homöopathischen Dosen, damit sie bis zur nächsten Ausfahrt kommen“, sagt Perner.

Unter diesen Umständen sei es schwer, von fairen Bedingungen für die Raststättengastronomie zu sprechen, die immer noch mit den Folgen des Lockdown zu kämpfen habe.