Bezirk Mödling: Künstler wollen wieder spielen. Künstler, Veranstalter machen einmal mehr deutlich, dass sie Tests kontrollieren und auch sonst für sichere Events sorgen würden. Hauptsache, wieder live.

Von Red. Mödling. Erstellt am 24. Februar 2021 (04:22)
Andreas Tieber, Leiter der Joe Zawinul-Musikschule in Gumpoldskirchen, sehnt Liveauftritte herbei.
Joe Vigerl

Mödlings Stadttheater-Intendant Bruno Max kann es kaum mehr glauben: „Wir stellen jetzt den sechsten neuen Spielplan auf, wir müssen ständig jonglieren, kaum ist ein Programmheft in Druck, können wir es schon wieder einstampfen.“ Er hoffe, dass im März „wenigstens der Kostenersatz für November kommt“. Man habe aber die Zeit genutzt und unter der Skala ein zweites Theater gebaut, in einem schönen Gewölbe, das bisher als Lager genutzt wurde. „Da haben wir alles neu gemacht, Licht, Notlicht, Bodenversiegelung, alles, damit können wir dann, wenn wir endlich aufsperren können, den Stückestau abbauen.“

Die Bruno-Gala wurde in Form einer TV-Show aufgezeichnet. Habegger war für die Technik verantwortlich, dieses Mal im Virtual Production Studio Vienna.
Martin Steiger/Bruno Gala

Veranstalterin Doris Pikisch von der Mödlinger Stadtgalerie hat ihr „Programm erstellt und verschiebe es eben, wenn nötig. Die Menschen gewöhnen sich auch ans Testen, das könnte auch vieles erleichtern. Im Prinzip gibt es eh nur zwei Möglichkeiten, entweder man lässt alles bleiben oder man macht das Beste aus einer Situation. Ich tendiere zu Zweiterem.“

„Sind so sicher und unsicher wie Friseure“

Am Samstag und Sonntag wird in der Stadtgalerie jedenfalls ein Hauch von kulturellem Leben einkehren. teatro-Intendant Norberto Bertassi sucht Talente für die Sommer- und Winterproduktion, „Little Women“, „Bambi“ und „Weihnachtsgeschichte“. Bis auf die Hauptakteure sind de facto alle Rollen zu besetzen, merkt Bertassi an. Alle Kinder und Jugendlichen, die zum Casting kommen (Samstag und Sonntag, 10 bis 18 Uhr) müssen einen negativen Test vorlegen, das Vorsingen, -spielen und -tanzen erfolgt gestaffelt. „Wir haben derzeit Glück, dass wir im März und April keine Produktion haben“, merkt Bertassi ob der anhaltenden Schließung der Theater an: „Leider nichts Neues, wir bleiben das Schlusslicht. Dabei sind wir so sicher und unsicher wie Friseure.“

Alle Darsteller „sind extrem motiviert, obwohl unser Geduldsfaden immer dünner wird“. Dankbar ist er Bund, Land und der Stadt für die finanzielle Unterstützung, die „uns sehr hilft“. Dennoch appelliert er an die Regierung: „Lasst uns endlich wieder spielen!“

Jazz-Bassist Andreas Tieber, Leiter der Joe Zawinul-Musikschule in Gumpoldskirchen, hat wie sein gesamtes Lehrerteam, das aus renommierten Musikern besteht, derzeit keine Möglichkeit für Auftritte oder Konzerte vor Publikum.

Auch Proben und Aufnahmen im Tonstudio können derzeit nicht stattfinden. „Wir musizieren natürlich privat und schicken via Internet Noten und Tonaufnahmen hin und her“, sieht Tieber im virtuellen Austausch keinen gleichwertigen Ersatz für das gemeinsame Musizieren. Tieber vermisst vor allem die Live-Auftritte: „Ein Musiker steht auf der Bühne, um eine Geschichte mit Tönen zu erzählen.“ Auftritte unter Einhaltung der Abstandsregeln und nach negativer Testung kann er sich vorstellen, er hat aber Sorge, aber: „Ob Auftritte mit 40 statt mit 200 Besuchern für Veranstalter und Künstler noch rentabel sein können, steht auf einem anderen Blatt.“

Habegger- Austria-Geschäftsführer Tibor Fehle.
Habegger

Rasch auf die neue Situation hat sich Top-Veranstalter (Event. Technik. Emotion.) Habegger mit Sitz in Münchendorf eingestellt: „Wir haben im März 2020 angefangen, uns komplett neu zu erfinden“, berichtet Geschäftsführer Tibor Fehle. „Fazit: Wir betreiben bereits vier virtuelle Studios in Wien und haben alle Mitbewerber abgehängt, wenn es um virtuelle Events geht.“

Und man hat sogar den Event-Oscar (BEA-Awards), die weltweit größte Auszeichnung der Branche, erhalten – die NÖN berichtete. Durch diese Maßnahmen sei es gelungen, Umsätze zu erzielen und dank zusätzlicher Hilfsmaßnahmen wie Kurzarbeit und Fixkostenzuschuss „nur wenige Mitarbeiter zu kündigen. Ich kann die noch bestehende Mannschaft von 40 Mitarbeitern durch die Krise führen“, ist Fehle froh.

Lang halte es die Branche aber nicht mehr durch: „Das wahre Erleben findet nur bei realen Veranstaltungen statt und nicht im virtuellen Raum. Darum braucht es zeitnahe die Rahmenbedingungen, um hybride Eventformate realisieren zu können und in weiterer Folge auch wieder Großevents veranstalten zu können“, meint Fehle. An ein Datum für das Licht am Ende des Tunnels klammere er sich nicht mehr: „Ich bleibe positiv und wenn es sein muss, erfinden wir uns einfach wieder neu.“

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