Ein Hauch von Moria in Mödling. Initiativen rufen erneut zur Aufnahme von Flüchtlingen in Mödling auf. Gemeinderat wendet sich an die Bundesregierung.

Von Christoph Dworak. Erstellt am 15. Mai 2021 (03:23)
Menschen liegen am Schrannenplatz, um zu zeigen, wie „es ist, wenn die Tür hinter mir und vor mir zu ist“.
#zusammenhaltNÖ, #zusammenhaltNÖ

#zusammenHaltNÖ und „fairness-asyl“ riefen einmal mehr zur Demonstration, Kundgebung und zum Übernachten am Schrannenplatz auf. Ebendort wurde es von Samstag auf Sonntag still. Die Teilnehmer der Kundgebung legten sich auf den Boden, um zu zeigen, wie „es ist, wenn die Tür hinter mir und vor mir zu ist“. Philippa Kaufmann, eine der jungen Mödlinger Aktivistinnen weiß, dass „Geflüchtete lebensgefährlichen Gefahren ausgesetzt sind, wenn sie flüchten. Auch Kurz und Nehammer wissen es. Jetzt muss gehandelt werden. Denn ich kann nicht länger glücklich in Österreich leben, solange ich weiß, dass Menschen sterben müssen, die auf der Suche nach Sicherheit sind“.

Auch Cornelius Obonya war mit dabei.
#zusammenhaltNÖ

Prominenter Teilnehmer war Cornelius Obonya, Schauspieler und Aktivist bei „Courage – Mut zur Menschlichkeit“. Er stellte den Plan zur „geordneten Rettung“ vor. In sechs Schritten könne „eine Anzahl von Geflüchteten völlig unaufgeregt in Österreich aufgenommen werden. Denn niemand, der flüchtet, flüchtet freiwillig. Jeder und jede hat einen Grund“.

Klemens Bilzer vom Projekt „Solidarische Auslage in Mödling“ konnte einige Lokale und Arztpraxen gewinnen, mit ihm eine „Solidarische Auslage“ zu gestalten. Bilzer bereitet einen Initiativantrag an den Mödlinger Gemeinderat vor: Mödling möge sich zur Aufnahme von Flüchtlinge bekennen. Bis Ende Mai kann man unterschreiben. „Denn es ist unser aller Thema, dass es weltweit 80 Millionen Flüchtlinge gibt“.

Elisabeth Klatzer, Initiatorin von #zusammenHaltNÖ, bekräftigt: „Wir machen so lange weiter, bis die Politik reagiert. Unsere Entschlossenheit, unser Unverständnis und unser Zorn über die Härte der ÖVP-Politik in Land und Bund wachsen.“

Dringlicher Antrag an die Bundesregierung

Die SPÖ hat in der Gemeinderatssitzung jedenfalls einen Dringlichkeitsantrag eingebracht, wonach „die Stadtgemeinde gegenüber der Bundesregierung die Bereitschaft bekunden soll, insbesondere Flüchtlingsfamilien aus prekären Flüchtlingsunterkünften aufzunehmen, sofern die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden“.

Die ÖVP-Mandatare enthielten sich der Stimme. „Wir können das nicht beeinflussen“, merkte Klubobmann Martin Czeiner an: „Das ist Sache der Bundesregierung.“

Die Grünen stimmten zwar zu, halten den Antrag aber „vermutlich aus Rücksicht auf den SPÖ-Koalitionspartner ÖVP für viel zu unkonkret“, bedauerte Vizebürgermeister Rainer Praschak. Die SPÖ hätte „schon längst unseren Anträgen zustimmen können, wenn sie’s ernst meinen würde“. Doch die seien dreimal rückgestellt worden.