Flugzeugmotorenwerk Ost: Ein Tagebuch des Grauens. Die Geschichte des Flugzeugmotorenwerks Ost im Bezirk Mödling wurde lange verdrängt. Gedenkverein treibt Aufarbeitung voran.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 23. Juni 2021 (05:41)
440_0008_8106784_mod25darueber_flugmotorenwerke002_fo_we.jpg
Richtfest des Fabriksbaus der Flugzeugmotorenwerke Ost im Oktober 1941. Die Herren an der Spitze in Uniform sind Generalbauinspektor Albert Speer und Generalluftzeugmeister Ernst Udet.
Archiv Wiener Neudorf, Archiv Wiener Neudorf

In den Jahren 1943-45 schufteten 18.000 Zwangsarbeiter im Werk für Flugmotoren der Nazis im Bezirk Mödling. Das Werk selbst stand großteils auf Wiener Neudorfer Gemeindegebiet, Zwangsarbeiter- und Konzentrationslager waren in Guntramsdorf, später auch in Wiener Neudorf untergebracht. Der Grund: Die Baracken der Zwangsarbeiter aus dem KZ Mauthausen wurden 1944 bei einem Bombenangriff getroffen.

Die KZ-Häftlinge wurden daraufhin in ein Barackenlager nach Wiener Neudorf verlegt. Archivar Peter Csendes aus Wr. Neudorf weist darauf hin, dass es Zwangsarbeitslager in den Gemeinden rund um die Flugzeugmotorenwerke Ost gab, etwa auch im Kloster St. Gabriel, das von den Nazis aufgelassen wurde. Der Großteil der Häftlinge kam aus Polen, es waren aber auch viele Österreicher, Deutsche, Franzosen und Holländer unter den Gefangenen.

So bekannt die Existenz des Werkes war, so still wurde es in der Nachkriegszeit um die Baracken der Zwangsarbeiter und das KZ. „Auf das Flugmotorenwerk war man stolz, unter welchen Umständen das Werk betrieben und gebaut wurde, darüber wurde bis 1993 nicht gesprochen“, erzählt Jürgen Gangoly, Obmann des KZ-Gedenkvereins, der seit 1995 regelmäßige Forschungsarbeit und jährliche Gedenkaktivitäten zu den historischen Geschehnissen durchführt.

2005 wurde ein konfessionell und parteipolitisch unabhängiger Verein gegründet, um aufzuarbeiten, was erst 1993 ans Licht kam: „Zwei ältere Damen sind zu Diakon Andreas Frank nach Neu-Guntramsdorf gekommen und haben vom Konzentrationslager und den Zwangsarbeitern erzählt“, sagt Gangoly, der von Frank aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit im Bereich Antirassismus und Antisemitismus in der EU und im Europarat, in der Sache kontaktiert wurde.

Die beiden fuhren ins Mauthausenarchiv ins Innenministerium um nachzuforschen: „Ein Zivildiener brachte uns eine versiegelte Kiste, die 1955 zuletzt geöffnet wurde. Es war ein Sensationsfund, mit dem Tagebuch des Todesmarsches nach Mauthausen. Darin waren 213 Morde dokumentiert, auch die Täter sind bekannt, Prozesse dazu hat es in Österreich nie gegeben.“

Umfrage beendet

  • Wurde genug für die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit getan?